Die Vermutung Handtmanns, dass diese Verse vielleicht
altgermanisch-heidnischen Ursprungs und von der Kirche für
das gläubige Volk neugeweiht seien, ist nicht ernst zu nehmen.
— Für den schweizerischen Ursprung der Melodie ist kürzlich
Prof. Kling in Genf energisch eingetreten. Kling behauptet,
die Melodie gehöre dem Genfer Nationalliede „Ce que 1’Aino“
an, das den Sieg (1602) der Genfer über die Truppen des
Herzogs von Savoyen verherrlichte und 1603 zum ersten Male
bei einem Festbankett gesungen worden sei. Später sei die Melodie
nach England gekommen und von dem berühmten Komponisten und
Klaviervirtuosen Dr. John Bull (ca. 1563—1628) bearbeitet
worden. Auch Kling’s Forschungen sind mit der grössten Vor-
sicht aufzunehmen. — Nach Friedrich Chrysander’s im ersten
Bande der „Jahrbücher für musikalische Wissenschaft“
(1863) niedergelegten eingehenden und scharfsinnigen Unter-
suchungen ist Henry Carey (1692-—1743) der Verfasser des
Textes und der Melodie. Carey war seinerzeit keine besonders
berühmte Persönlichkeit. Gedichte und Kompositionen waren
von ihm vielfach veröffentlicht worden, aber er hatte damit
wenig Glück gehabt. Er schlug sich mühselig als Musiklehrer
durch und soll schliesslich, als es gar nicht mehr ging, seinem
Leben mit eigener Hand ein Ende gemacht haben. Seine
Freunde sorgten für ein anständiges Begräbnis; Weib und Kind
blieben in äusserster Dürftigkeit zurück. Zu ihrem Besten gab
man aus seinem Nachlasse einige kleine Kompositionen heraus;
der Rest erschien so unbedeutend, dass man ihn achtlos bei-
seite warf. Und unter diesem Rest befand sich auch das Lied
„God save the King“. Durch Abschriften war es vermutlich
schon zu Lebzeiten Carey’s weiter verbreitet worden; nach
seinem Tode nahm es der Londoner Verleger. John Simpson als
herrenloses Gut in die von ihm 1744 herausgegebene Sammlung
„Thesaurus Musicus“ (Seite 22) auf. Den Namen des Verfassers
mag er nicht gekannt haben; im Druck fehlt nämlich jede An-
gabe. Der Text der Simpson’schen Ausgabe besteht aus zwei
Strophen; die Musik ist in zwei Fassungen mitgeteilt: für zwei
Stimmen (die Notenbeilage Ia bietet diese Fassung und den
Text) und für eine Flöte. Das offenbar für bescheidene
Dilettanten hestimmte Flötenarrangement enthält lediglich die