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Volltext: Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, 1.1870/71(1871)

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Die Pfahlwerke bei Kammer und Litzelberg im 
Attersee. 
Von Professor Fr. Simony *). 
Die im Herbste des Jahres 1868 im Attersee von mir vor- 
yenommenen Temperaturmessungen boten Gelegenheit, das aus- 
yedehnte Pfahlwerk am Seeschlosse Kammer näher in Augen- 
schein zu nehmen, Die vorläufige Untersuchung desselben ergab 
Folgendes. Die kleine, mit dem nahen Lande durch eine Brücke 
verbundene Insel, auf welcher das aus dem 13. Jahrhunderte 
stammende Schloss Kammer sich befindet, wird seewärts durch 
einen doppelten Gürtel von Ptählen umschlossen, von denen der 
innere etwa 100—120 Fuss, der äussere gegen 150—170 Fuss 
vom jetzigen Ufer der Insel absteht. Der äussere Gürtel 
reicht nahezu von Ufer zu Ufer; der innere ist minder ausge- 
dehnt und begrenzt bloss die dem offenen See zugekehrte Seite 
der Insel. Jeder dieser Gürtel besteht wieder aus zwei etwa 
dritthalb Fuss weit von einander abstehenden Pfahlreihen, in 
welchen die Pflöcke bald mehr, bald minder dicht postirt sind. 
Die Pfähle sind von grossen Steinen umlagert, wahrscheinlich 
um sie fester stehen zu machen. Die Stärke der häufig schief 
stehenden Pflöcke wechselt zwischen 2 bis 5 Zoll; übrigens mö- 
gen dieselben ursprünglich dicker gewesen sein, denn sie er- 
scheinen alle ohne Ausnahme und zwar um so stärker, je näher 
ihrem oberen Ende, durch das Wasser abgenagt. Im Allgemei- 
nen reichen sie bei mittlerem Wasserstande bis etwa 1% Fuss 
an den Wasserspiegel heran, während die Tiefe des Sees am 
äusseren Gürtel stellenweise 6—9 Fuss beträgt. 
Ueber die Bedeutung dieser beiden Pfahlgürtel, ist wohl 
jeder Zweifel ausgeschlossen, ihr Zweck war und ist noch, die 
[nsel gegen die 'erosirende Thätigkeit der Wellen zu schützen, 
Unsicherer ist die Bedeutung eines Pfahlwerkes, welches 
von der Südseite der Insel ausgehend, quer durch die beiden 
Pfahlgürtel zieht, und gegen den offenen See auslauft. Dasselbe 
besteht aus einer Anzahl hintereinander stehender Reihen von 
*) Professor Simony, durch Unwohlsein verhindert, in der Plenarversamm- 
lung am 26. April den angekündigten Vortrag über „das archäologische For- 
schungsgebiet im Salzkammergut“ zu halten, sandte nachstehende Mittheilung 
ein, welche in der erwähnten Sitzung vom Herrn Sectionsrath Fr. Ritter von 
Hauer voıgelesen wurde.
	        
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