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Die Pfahlwerke bei Kammer und Litzelberg im
Attersee.
Von Professor Fr. Simony *).
Die im Herbste des Jahres 1868 im Attersee von mir vor-
yenommenen Temperaturmessungen boten Gelegenheit, das aus-
yedehnte Pfahlwerk am Seeschlosse Kammer näher in Augen-
schein zu nehmen, Die vorläufige Untersuchung desselben ergab
Folgendes. Die kleine, mit dem nahen Lande durch eine Brücke
verbundene Insel, auf welcher das aus dem 13. Jahrhunderte
stammende Schloss Kammer sich befindet, wird seewärts durch
einen doppelten Gürtel von Ptählen umschlossen, von denen der
innere etwa 100—120 Fuss, der äussere gegen 150—170 Fuss
vom jetzigen Ufer der Insel absteht. Der äussere Gürtel
reicht nahezu von Ufer zu Ufer; der innere ist minder ausge-
dehnt und begrenzt bloss die dem offenen See zugekehrte Seite
der Insel. Jeder dieser Gürtel besteht wieder aus zwei etwa
dritthalb Fuss weit von einander abstehenden Pfahlreihen, in
welchen die Pflöcke bald mehr, bald minder dicht postirt sind.
Die Pfähle sind von grossen Steinen umlagert, wahrscheinlich
um sie fester stehen zu machen. Die Stärke der häufig schief
stehenden Pflöcke wechselt zwischen 2 bis 5 Zoll; übrigens mö-
gen dieselben ursprünglich dicker gewesen sein, denn sie er-
scheinen alle ohne Ausnahme und zwar um so stärker, je näher
ihrem oberen Ende, durch das Wasser abgenagt. Im Allgemei-
nen reichen sie bei mittlerem Wasserstande bis etwa 1% Fuss
an den Wasserspiegel heran, während die Tiefe des Sees am
äusseren Gürtel stellenweise 6—9 Fuss beträgt.
Ueber die Bedeutung dieser beiden Pfahlgürtel, ist wohl
jeder Zweifel ausgeschlossen, ihr Zweck war und ist noch, die
[nsel gegen die 'erosirende Thätigkeit der Wellen zu schützen,
Unsicherer ist die Bedeutung eines Pfahlwerkes, welches
von der Südseite der Insel ausgehend, quer durch die beiden
Pfahlgürtel zieht, und gegen den offenen See auslauft. Dasselbe
besteht aus einer Anzahl hintereinander stehender Reihen von
*) Professor Simony, durch Unwohlsein verhindert, in der Plenarversamm-
lung am 26. April den angekündigten Vortrag über „das archäologische For-
schungsgebiet im Salzkammergut“ zu halten, sandte nachstehende Mittheilung
ein, welche in der erwähnten Sitzung vom Herrn Sectionsrath Fr. Ritter von
Hauer voıgelesen wurde.