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A. Referate. Urgeschichte.
schützten, Götterbilder aus Ton usw. unter den Türschwellen, und Dämonen-
fratzen, die wohl vorher geweiht wurden. — Eingestreut sind eine Anzahl
Originaltexte in Übersetzung. Messersclimidt-Berlin.
408. Erasmus Nagl: Die naclidavidische Köuigsg-escliichte Israels.
Ethnographisch und geographisch beleuchtet. 356 S. Wien
und Leipzig, Karl Fromme, 1905.
In der Hauptsache enthält das Buch historisch-geographische Unter
suchungen. Für den Ethnologen kommen diejenigen Partien in Betracht,
welche sich mit der Feststellung des Wesens und der Herkunft der mit Palä
stina in Berührung gekommenen Volksstämme, sowie mit einigen Einzelfragen
zur Ethnologie befassen. Verfasser verwendet bei seinen Untersuchungen
ein umfangreiches literarisches Material. Seinen stark bibelgläubigen Stand
punkt vermag Referent nicht zu teilen. — Kapitel 4 behandelt die Urein
wohner des Landes, dann die Kanaanäer, erörtert ihre Gliederung, Herkunft,
ihren Kult, weiter die Hettiter, ihre ethnologische Eingliederung, ihre Kultur,
um dann zu dem Problem der Einwanderung der Israeliten und gewisser, in
den Tell-Amarna-Briefen genannter Feilte überzugehen, deren Zugehörigkeit
zu ersteren erwogen wird. —- Hie folgenden Kapitel beschäftigen sich mit der
Regierungstätigkeit Salomos. Es werden verschiedene, hierbei zur Sprache
kommende Ortschaften näher zu lokalisieren gesucht und dabei zum Teil
Überreste kanaanäischer, religiöser Vorstellungen erörtert. Weiter werden
behandelt die beachtenswerte Stellung, welche die Königin-Mutter in Israel
einnahm, die ethnologische Stellung der Phönizier und ihre Kunstfertigkeit
in allerlei Gewerben, mit deren Hilfe Salomo den Tempel baut, und die dabei
erwähnte Gußstätte zu lokalisieren gesucht. Bei den Profanhauten wird der
Bau des Palastes mit seinen Teilen, z. B. dem Harem, im Anschluß an assy
rische und ägyptische Paläste besprochen. Das Heer zur Besetzung der
Festungen war wahrscheinlich von den Grundbesitzern zu stellen. Ein weiteres
Kapitel befaßt sich mit Aufzählung der Hofämter und der Steuermaßnahmen.
Salomos Heirat einer Pharaonentochter bietet Veranlassung, die ethnologische
Stellung der Ägypter nach Sprache und Abstammung zu erörtern, wobei die
Ergebnisse der Ausgrabungen mit verwendet werden. Es werden auch die
Künste, Bergbau, Handel, namentlich die Expeditionen nach dem noch stritti
gen Puntlande behandelt. Die Herleitung der ägyptischen Religion aus dem
Fetischismus wird abgewiesen, und der Naturdienst als Ausgangspunkt der
selben hingestellt. —■ Die Handelsbeziehungen Salomos zu Ägypten gipfelten
in dem Ankauf von Pferden, was von anderer Seite bestritten wurde, da
Ägypten keine Pferdezucht habe treiben können. — Salomos nach der Sitte
orientalischer Könige zusammengebrachter Harem führt zur Besprechung der
ethnologischen Stellung der Edomiter, der Moabiter, deren Land besonders
viel Dolmen, Kromlechs und Menhirs aufweist, und der Ammoniter. Im
Anschluß an Salomos Kriege werden die Stellung und Bedeutung der Aramäer,
ihre Wanderungen, Herkunft und ihre Götter, sowie die Beschaffenheit des
israelitischen Heeres, namentlich die viel genannten Kreti und Pleti behandelt,
und im Anschluß an diese wird die Stellung, Herkunft und Kultur der Kreter
und Philister erörtert. Ein besonderes Kapitel ist dem Problem der Ophir-
fahrten Salomos und Hirams gewidmet, sowie der Ethnographie der Sabäer.
In gleicher Weise werden weiterhin die Assyrer und dann die religiösen Vor
stellungen und die verschiedenen kultischen Einrichtungen und Handlungen
der Kanaanäer besprochen. Die Berührungen Israels mit auswärtigen Völkern
führen ferner zur ethnographischen Darstellung der Meder, Äthiopier, Urar-