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Gerd Hopfner, Abteilung Südasien
kunft wurde kaum etwas bekannt. Vielleicht war sein ursprünglicher Name
Svensen. Sein Vater, so wird angenommen, war Schwede, seine Mutter Wali
serin. Er schrieb und sprach nur Englisch im Londoner Dialekt. — Vaughan
Stevens erbot sich, im Auftrag der Virchow-Stiftung und des Ethnologischen
Hilfscomites nach Malakka zu fahren, um Ethnographica der damals unbe
kannten Inlandstämme der Halbinsel zu sammeln. Von Penang aus ging er
von 1889 bis 1894 sechs Jahre lang, jedesmal für eine Reihe von Monaten, in
den Urwald und lebte unter den Eingeborenen in primitivsten Verhältnissen.
Er bekam 1893 ein schweres Dschungelfieber, 1894 (?) Pocken, und ihm wurden
während der Krankheit im Busch seine Ausrüstung und das Geld gestohlen. —
Immer wieder schickte er flehentliche Briefe nach Berlin mit der Bitte um Über
weisung von Geld, das, spärlich und langsam genug eingehend, neue Expedi
tionen und weiteren Lebensunterhalt ermöglichte. So sammelte Stevens unter
schwierigsten Bedingungen ein umfangreiches, etwa 1500 Katalognummern
umfassendes Inventar der materiellen Kultur der Semang, Senoi, Sakai und
anderer Stämme der Malaiischen Halbinsel. — Im Dezember 1896 war er in
Kuching, Sarawak, um für das Hilfscomite eine Dayak-Sammlung anzulegen.
Am 29. April 1897 starb er überraschend an einem Herzversagen. Vaughan
Stevens hinterließ keine Verwandten, keine Freunde, keinen persönlichen Be
sitz. Auch das zur Verfügung gestellte Reise- und Erwerbungsgeld blieb in
Borneo unauffindbar. — Der wissenschaftliche Wert seiner Aufzeichnungen 10 11
wurde nach seinem Tode stark umstritten.
In die asiatischen Sammlungen des Museums kamen zwischen 1891 und 1905
auch drei Schenkungen aus dem Besitz von Arthur Baessler. Der am 6. Mai
1857 in Glauchau geborene spätere Professor und Geheime Hofrat Baessler
brachte von seiner ersten Reise 1887 bis 1889 eine Indonesien-Sammlung von
über 300 Katalognummern mit, die er 1891 dem Museum übergab. Von der
zweiten Reise 1891 bis 1893 stammt, dem Museum 1894 geschenkt, eine Kol
lektion von Figuren, Masken und Tanzkostümen aus dem javanischen Wayang.
Eine dritte Schenkung erfolgte dann noch 1905, die Felix von Luschan in einem
Brief an die General-Verwaltung so anküvadigt: „Herr Geh. Hofrat Baessler
. . . hat mir mitgeteilt, daß er seine zur Zeit in seiner Wohnung befindlichen,
theilweise decorativ verwandten Sammlungen ,im Werth von 300.000 M. c dem
Kgl. Museum für Völkerkunde schenken wolle 11 .“ Diese Schenkung betraf alle
10 Hrolf Vaughan Stevens, Materialien zur Kenntniss der Wilden Stämme auf der
Halbinsel Malakka. Veröff. aus dem Kgl. Museum f. Völkerkunde, Band 2, Heft
3/4, Berlin 1892.
11 Zitat aus einem Brief F. v. Luschans vom 30. Dezember 1905 an die GV der Staatl.
Museen, der sich in den Akten (E 2437/05, Pars I B 21) der Abteilung befindet.