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fullscreen: Menschenjagden und Zweikämpfe

6. Menschenjagden, Zweikämpfe am Nordrande 
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Herzen oder der Leber, weil sie dachten, daß dessen Anverwandte dadurch das Herz ver 
lieren würden, sie anzugreifen. War der abgestrafte Mörder wegen seiner Mordthaten sehr 
berüchtigt und verhaßt und hatte keine Verwandten, so bliebs dabei: gemeiniglich wurde aber 
diese Todesstrafe wieder mit dem Tode gerochen, entweder an dem Thäter oder an seinen 
Kindern, Enkeln und Verwandten, und wenn man die nicht haben konnte, an seinen Be 
kannten, die mit ihm auf einem Lande wohnten. Und so konnte es immer fortgehen und 
oft sehr unschuldige Leute treffen. 
Vergegenwärtigen wir uns das früher Durchgegangene, so würde die Analyse dieser 
Zustände etwa mit dem Typus der Buschmänner Südafrikas zusammenfallen. Leidenschaft 
licher Mord, der nicht durch Stammesgesetze geregelt wird, sondern durch Privatrachen der 
Hinterbliebenen.. Wie bei den Neuholländern, entsteht auch hier die Blutrache aus der 
Fehde im eigenen Stamm. Dazu kommen Reste alten Kannibalismus, den wir meistenteils, 
in Verbindung mit primitiven Menschenjagden in der Kulturform 
vorherrschender Jagd angetroffen haben. 
Ähnliche Stammesfehden und Kämpfe in der „eigenen Art" 
sind für die gesamten Nordrandvölker, Eskimos, Tschuktschen, Kamt- 
schadalen rc. bezeichnend. Aus diesem vorherrschenden Typus, dem 
die Parallelerscheinuug der Zweikämpfe nicht fehlt, ergiebt sich schon 
die Behandlung und der Verkehr aufdringlicher, fremder Art. Als 
Beispiel diene die Methode, welche die alten Kamtschadalen an 
wandten, wenn sie sich ihrer russischen Bedrücker entledigen wollten. 
Die inneren Kriege sollten nicht wenig dazu beitragen, die Kamtschadalen den Kosaken 
zu unterwerfen. Ein Wohnplatz freute sich über die Zerstörung eines anderen, ohne daran 
zu denken, daß die Feuersbrunst des eigenen Hauses den benachbarten Häusern drohe, und 
daß die Verheerung einer Dorfschaft den Untergang einer Nation vorbereite. Es ist den 
Kosaken aber teuer zu stehen gekommen, die Kamtschadalen unter das Joch zu bringen. 
Dieses bei natürlicher Verteidigung recht gefährliche Volk hat denn auch, da es ihm an 
Stärke fehlte, zur List gegriffen. 
Als die Kosaken den Tribut für die Russen von einigen Wohnplätzen einforderten, die 
nicht unterworfen waren, so bezeugten die Kamtschadalen anfänglich nicht den geringsten 
Widerstand, sondern zogen die grausamen Eintreiber in ihre Hütte und schläferten ihre Be 
sorgnis durch Geschenke und Bewirtung ein. Darauf richteten sie aber die Feinde in der 
Nacht alle hin oder verbrannten sie. Die Kosaken haben durch diese Verrtttereien gelernt, 
den Liebkosungen und Einladungen der Wilden nicht zu trauen. Wenn deren Weiber bei 
Nacht ans der Jurte gehen — denn diese verabscheuen das Blut und ihre Männer ver 
gießen vor ihren Augen nicht Blut —, wenn ferner die Mannspersonen Träume erzählen, 
worin sie Tote gesehen haben, wenn sie einander in der Ferne besuchen, so sind das unfehlbare 
Zeichen des Aufruhrs und der Verräterei und die Kosaken halten sich auf ihrer Hut. 
Ich glaube nun, der vorliegenden Aufgabe, die Kampfarten der Völker am Nordrande 
der bewohnten Erde zu schildern, am glücklichsten gerecht zu werden, indem ich mich an die 
Vorkommnisse im Leben eines einzigen Volkes halte. Wenn ich nun gerade die Lappländer 
ausgewählt habe, ein Volk, über dessen Kämpfe wir sehr geringe historisch beglaubigte Nach 
richten besitzen, so mag das auffallen. Es gehört aber sowieso in den Rahmen der Ur 
geschichte des Krieges, euch den Charakter der sagenhaften Kämpfe festzustellen. Die Sagen 
■fck 
Lskimozeichiiung; 
Streit um erlegtes 
wild 
Nach w. I. ksoffmann
	        
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