Dr . Pechuel - Loesche : Aus
Hauptbestandtheile jeder Mahlzeit , und Reinlichkeit bei der Zubereitung wurde schwer vermißt . An diesem herrlichen Plätzchen verlebten sie drei schreckliche Ruhetage und drei
dem Leben der Loango - Neger . 247
Moskitonächte , welche am Schlüsse mit einer nicht allzu klei - nen Rechnung zu bezahlen waren .
Aus dem Leben d
Von Dr . Pe II . ( T
Fürsten i
Wie jemals die Anschauung entstehen und sich bis zur Gegenwart erhalten konnte , daß der Weiße als Prinz gelte uud einem solchen gleichgeachtet werde , ist nur dadurch zu erklären , daß die schlauen Neger ihren Vortheil wahrnahmen , wenn sie den Europäern mit dieser Auszeichnung schmeichel - ten . In Wirklichkeit hat der Weiße keine an die prinzliche erinnernde sociale Stellung und erfreut sich keiner ent - sprechenden Vorrechte . Er ist und bleibt ein als Importeur begehrter Waaren nützlicher Fremdling . Der Neger ist viel zu klug , um nicht dessen Ueberlegenheit zu würdigen , die weittragenden Waffen uud die Energie zu fürchten , — aber nur auf diesen und aus sonst vorhandenen , allenthalben eine gute Wirkung hervorbringenden Eigenschaften beruht das Ansehen , das der Europäer genießt . Abgesehen von den Vor - fällen , bei welchen Weiße verwundet oder getödtet wurdet , sind viele derselben oft genug allzu respectwidrig behaudelt worden . Mißliebige Europäer sind im eigenen Hanse thätlich beleidigt oder festgenommen , ins Dorf geschleppt und gesangen gehalten , sogar von den mit gutem Grunde entrüsteten weiblichen Einwoh - nern mit Prügeln tractirt worden . Inwiefern diese Weißen durch Verletzung der Landesgesetze eine solche Behandlung verdient hatten , bleibe dahingestellt ; wohl aber läßt sich die - selbe mit ihrem vermeintlichen Prinzenrange gar nicht in Einklang bringen . Niemand würde wagen , einem Prin - zen oder einer Prinzessin in ähnlicher Weife zu begegnen^ ) .
Die bevorzugte Stellung , welche die mit muenne titu - lirten Personen einnehmen , findet auch schon in rein äußer - licher Weise ihren Ausdruck . Sie allein haben das Recht , Elfenbein als Schmuck zu verwenden , fowie die feinsten im Lande erzeugten befransten Gewänder ( ngombo nimbo ) , voll geknotete Mützen ( ngundu nsida ) und Schulterkleider ( tschinsembe ) zu tragen , welche aus den in sehr sorgfältiger Weise gewonnenen Blattfasern einer nimba genanntenVarietät der Weinpalme ( Rapbia sp . ? ) hergestellt sind . Aehnliche doch gröbere Mützen und Schulterkleider trägt zwar auch der Adel , weniger sein gewobene Gewänder auch das Volk , doch wer - den diese aus den Fasern einer andern Raphia - Art gear - beitet .
x ) Folgender Fall kennzeichnet die Sachlage . Ein von den Negern gleich gefürchteter wie geachteter Weißer , Hauptvertreter eines Handelshauses an der Küste , hatte einen neuen Verwalter in einer entlegenen Factorei installirt . Dieser gerieth mit den Umwohnern in Streit , wurde eines Tages festgemacht und nach einem Dorfe gebracht , um nur gegen Lösegeld wieder entlassen zu werden . Wie gewöhnlich gab man sich aber damit nicht zu - frieden , sondern war im Begriff die Factorei zu plündern und niederzubrennen . Zufälliger Weise war eine Prinzessin anwe - send , ein noch junges Mädchen . Diese wollte eine solche Un - gerechtigkeit nicht dulden und verhinderte die aufgeregte , tobende Menge an der Ausführung ihres Vorhabens . Durch ihr Ver - weilen im Hause schützte sie dasselbe so lange gegen weitere Anschläge , bis der Chef endlich ankam und die Angelegenheit durch ein Palaver schlichtete .
er Loango - Neger .
huel - Loesche . chlnß . ) ind Adel .
Sie haben das Recht , sich nach Belieben in Hängematten tragen zu lassen , während dies anderen Personen nur ge - stattet wird , wenn diese dafür eine Abgabe entrichten ; das Dorf , in welchem eine fürstliche Person residirt , haben sie jedoch stets zu Fuß zu passiren , auch auszusteigen , wenn ihnen eine solche begegnet . Die Benutzung der Hängematte ist das einzige Vorrecht , bezüglich dessen der Weiße dem Prin - zen sich gleichstellen kann ; da er jedoch nur an der Küste , wo er Abgaben an die betreffenden Häuptlinge zahlt , in dieser Weife reist , ist es noch fraglich , ob er nicht in anderen Gegenden zur vorerwähnten Artigkeit angehalten werden würde . Jedenfalls verlangt man in den Küstendörfern un - mittelbar im Süden des Congo , daß er diese stets zu Fuß passire ; verschiedene Händler , die sich diesem Verlangen nicht fügen wollten , sind entweder ruhig auf die Erde gelegt oder von den erzürnten Dorfbewohnern einfach aus der Hänge - matte hinausgeworfen worden .
Die mfumu befleißigen sich , das wohllautende Fiote mit einer gewissen Eleganz zu sprechen , bedienen sich auch einer großen Menge höherer Ausdrücke und Redeweisen , welche das Volk nicht anwendet . Wollen sie besonders würdevoll und nachdrücklich sein , z . B . bei Palavern , so gebrauchen sie statt des einfachen „ ich " ( minu ) das emphatische „ ich , der Prinz " , oder „ ich , die Prinzessin " , : c . ( muenne minu ) . Diese here Form der Fiote - Sprache wird Fumu genannt , nnd scheint von den Fürsten ebenfalls als ein Vorrecht aufgefaßt zu werdenx ) .
Für die fürstlichen Personen ist von dem im Lande sehr beliebten Gewürz , dem scharfen rothen Pfeffer , eine den Na - men ntschefo ngove führende Varietät mit kleinen runden Früchten reservirt . Der Zauberei können sie nur von ihres Gleichen beschuldigt werden ; nach einer Angabe hätte aber mit dem Verklagten zugleich auch der Ankläger die bei den Ordalien benutzte nltassa , die Rinde des Giftbaumes Ery - thropkloeum Giiineense , zu nehmen , ein Gebranch , welcher sonst im Lande nicht üblich ist .
Wie Jedermann aus dem Volke haben die mfumu die schon in der Einleitung berührte tschina tschi nenne und die gewöhnliche , je nach dem Individuum wechselnde , zu beach - ten ; sie werden aber außerdem noch durch eiue tschina schränkt , welche auf ihueu als einer repräfentirenden Kaste
i ) Als ein Knabe von mir zur Erprobung einer eben er -
lernten Redewendung im Fumu zu einer Dienstleistung ausge -
fordert , mit dieser einen zweiten Diener betraute uud dabei
die von mir gebrauchten Worte wiederholte , rief meine kleine
Lehrerin , eine muenne , sichtlich entrüstet in befehlendem Tone
ihm zu : „ tnba Fumu ko ! tuba Fiote ! " ( sprich Fumu nicht !
sprich Fiote ! ) Es mag jedoch dahingestellt bleiben , ob dieser
Verweis nicht gegeben wurde , weil der Knabe in irgend welcher
Form auf meine Kosten sich lustig machte , denn eine Gelegenheit hierzu wird der Neger , namentlich die lebhafte Jugend , dem
Weißen gegenüber selten unbenutzt vorüber gehen lassen .