Namen verstanden hat und erst später die Wissenschaft
selbst Folklore genannt wurde, so scheint es nicht
nur eine vaterländische Pflicht, sondern auch recht
und billig, für eine ursprünglich deutsche Sache den
schönen deutschen Ausdruck zu gebrauchen, *”)
Wie steht es nun um die Geschichte der
deutschen Volkskunde? Nicht nur der Mensch,
sondern auch die Aufgaben jedes Forschungszweiges
wachsen mit den höheren Zwecken, und die Geschichte
einer Wissenschaft hilft erst das Arbeitsgebiet allseitig
abgrenzen.
Es wurde bereits angedeutet, daß die Volkskunde
ihre Entstehung der Romantik verdankt. Nicht als
ob sich tastende Versuche, die volkstümlichen Überlieferungen
aufzuzeichnen und zu würdigen, nie vorher
gezeigt hätten, aber die Ausbildung des Wissens zur
Wissenschaft erfolgte erst in jenen Tagen, wo vaterländische
Begeisterung und sich kräftig entfaltender
historischer Sinn die deutsche Philologie aus dem
Studium der Geisteswelt des klassischen Altertums
heraus entwickelten. Einem Zweige der Volksüberlieferungen,
dem Volksliede, hatte man schon vorher
Beachtung geschenkt. Eine sorgfältige Forschung setzt
aber auch auf diesem Gebiete erst als Frucht romantischer
Bestrebungen ein. Anregungen Justus Mösers
und Hamann-Herdersche Ideen in Verbindung mit
F. A. Wolfs scharfsinniger Kritik der Homerischen
Gedichte sind von den ersten Vertretern wissenschaftlicher
Volkskunde benutzt worden. Die großartige
Forschertätigkeit der im Boden der Romantik wurzelnden
Brüder Grimm leitet die Geschichte des Verständnisses
deutschen Volkstums ein. In Sage, Märchen,
Mythus und Rechtsanschauungen wurde der Pulsschlag
des Volksempfindens behorcht, Ludwig Uhland eröffnete
das Verständnis für die duftigen Blüten des
Volksliedes, und Friedrich Andreas Schmeller
Reuschel, Volkskundliche Streifzüge.