Volltext: Umgang mit Technik

Die Produktion von Wissen, die Reproduktion von Disziplinaritát " 
logie zu ihrer Geburtsstunde in ein zweites , Argumentationssystem* ein- 
gebettet gewesen, das im 19. Jahrhundert durch westeuropáische Aufklä- 
rungsphilosophie und utopisches Denken einen ,savage slot* als Tätigkeits- 
feld schuf, eine Faszination gegenüber vermeintlich ,Ursprünglichem* und 
»Natürlichem“, die von der Ethnologie bedient wurde? Wissenschaftsge- 
schichtliche Analysen müssen daher neben. den Wandlungen des spezifi- 
schen „style of reasoning* auch Veránderungen in den gesellschaftlich kon- 
sutüierten wissenschaftlichen ,slots* berücksichtigen. Es sind Faktoren wie 
theoretische Herkunft, Bezüge und Transformationen etwa des volkskund- 
lichen ,Steckplatzes Volksseele*, sein sozialer Status und seine gesellschaft- 
lichen ,Funktionen*, die neben wissenschaftsinternen Faktoren für die 
Festlegung des Untersuchungsbereiches einer Disziplin verantwortlich 
sind. 
Für die Wissenschaftsgeschichte der Volkskunde schlágt Andreas Hart- 
mann drei analytische Kategorien vor, mit denen einige Aspekte dieser zwei 
Systeme abgedeckt werden. Er unterscheidet zwischen den von einer Wis- 
senschaft eingesetzten Instrumenten. (Begriffe und Kategorien), ihren Re- 
geln (Methoden, Theorien, Frageperspektiven) und den Instanzen (Welt- 
und Menschenbildern, Wissenschaftsbetrieb, soziale, politische und ókono- 
mische Faktoren) — Kategorien also, denen Begriffsgeschichte, Methoden- 
geschichte und Insututionengeschichte zuzuordnen seien. Hartmann geht 
dabei von einem diskursanalytischen Ansatz aus und konstatiert, daß Be- 
griffs-, Methoden- und Institutionengeschichte sich zwar gegenseitig be- 
dingen, jedoch ihre jeweils ezgene historische Dynamik entfalten. Damit 
wird von Hartmann die Beobachtung des von Trouillot angesprochenen 
komplexen Zusammenhanges dieser unterschiedlichen Dynamiken tenden- 
ziell eher ausgeschlossen, eine Aussage, die auch für diejenigen Arbeiten 
gilt, die den Entwurf einer Wissenschaftsgeschichte der Volkskunde zum 
plin charakteristische , field of significance” bestimmt, erst in dem Moment abgeschüttelt 
werden, , when the sociohistorical conditions that obtained at the time of emergence have 
changed so much that practitioners face a choice between complete oblivion and funda- 
mental redirection. At one point in time, alchemists become chemists or cease to be — but 
the transformation is one that few alchemists can predict and fewer would wish.“ (Ebd.) 
Vgl. zu einem ähnlichen Argument Heubach, Friedrich Wolfram: Das bedingte Leben. 
Entwurf zu einer Theorie der psycho-logischen Gegenständlichkeit der Dinge. Ein Bei- 
trag zur Psychologie des Alltags. München 1987, Wilhelm Fink Verlag, der insbesonde- 
re ethnologische Diskussionen um den Fetisch-Begriff als Reaktion auf die Durchsetzung 
eines „rationalen Gegenstandsverhältnisses“ in der Moderne interpretiert. Im Konzept des 
Fetischismus werde eine „verkehrte“ Gegenständlichkeit der Dinge thematisiert, wodurch 
letztlich ein zivilisatorisch durchgesetztes — objektives, rationales und funktionales — 
Gegenstandskonzept bekräftigt werde (vgl. ebd., insbes. S. 24-29). Das Fetischismus- 
Konzept ist somit ez? Theorieangebot, mit dem der savage slot* bearbeitet und ausge- 
füllt wird. 
Hartmann, Andreas: Die Anfánge der Volkskunde. In: Rolf W. Brednich (Hg.): Grund- 
riss der Volkskunde. Einführung in die Forschungsfelder der Europáischen Ethnologie. 
Berlin 1988, Dieterich Reimer Verlag, S. 9-30, hier S. 16.
	        
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