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Objekt: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, 1.1891

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Rehsener: 
Sie streuten zu Georgi etwas Nudelmehl auf das Dach des Hauses. Ver¬ 
trug es der Wind, so glaubten sie, es erginge dem Mehl, woraus Nudeln 
gemacht worden, ebenso — streng genommen dem Weizen auf dem Felde, 
aus dem Mehl bereitet wird. 
„Die Furl", haben Sie von der nie gehört? ein gemachter Wind! — 
es wird wohl soviel wie eine Hexe gewesen sein. Die Furl drehte einem 
Bauern das Heu umeinander, da warf ein Bube von ihm mit dem Messer 
nach ihr. Das Messer aber blieb im Bauch des Vaters stecken, der wohl 
in der Nähe Gras geschnitten haben wird, — ich weiss nimmermehr recht, 
wie es war, — dort fand man nachher das Messer, und den Mann fand 
man tot." — 
„Wissen Sie auch, was ein armes Weible gethan hat, damit der Wind 
ihr nicht die Erde vertrüge ?" Das Weible hatte nur eine alte Hütte und 
nur ein kleines Stück Land, — die Erde lag dünn auf dem Felsgrund, 
und der Wind wehte immer über sie hin, so dass die Frau fürchtete, er 
würde das Land ganz forttragen. Da opferte sie ihm jedesmal, wenn sie 
Mus kochte, eine Kelle voll Mehl, welches sie ihm zum Fenster hinaus¬ 
streute. Und der Wind liess ihr das Land." — 
Das Wetter. 
„Heute ist ein Zweifelwetter und morgens ging die Sonne so viel nett 
am Ferner auer,'f sagte die Weber-Zenze1). 
„Manche sagen, mit dem Wetter habe unser Herr nichts zu thun, dafür 
habe er die Wetterherren2). — Wie schnell es oft anders wird! Einmal 
kamen wir morgens ins Zirog auf die Mahd, — es war ein kaltes, win¬ 
diges Wetter, — wir hatten ein tolles Feuer in der Weite angeschürt und 
die Pfanne voll Wasser zum Muskochen darauf gestellt. Ich bin nur 
ums Mehl gegangen; aber bis ich wiederkam, war das Feuer aus und das 
Wasser in der Pfanne am Rande herum gefroren. Das ist wahr! Danach 
legten wir uns zum Schlafen, und als wir aufwachten, schien die Sonne 
und war das schönste Wetter." 
Kleine Kinder verspüren die Veränderungen des Wetters; Erwachsene 
nur, wenn sie „tadelhaftig" sind. 
Wenn die eisernen Pfannen in der Kuchel leicht rosten, giebt es 
Regen, und wenn in der Weite der Geier schreit, Schnee. Der Eine hält 
dies, der Andere das für ein sicheres Loss. Nach meiner Meinigung thun 
die Leute manchmal was erraten, aber wissen thun sie alle nichts, auch 
nicht die Fischer um Sterzing, die meinen allerlei zu wissen. Das will 
ich nicht sagen, dass seile Sterndeuter, die allem dem Zeug abwarten, 
nicht mehr wissen können. — Heute hann ich den Schnupfkönig in der 
Hecke gesehn, da giebt es schiech Wetter. 
1) Eine Gossensasser Bäuerin, bei der wir wohnen. 
2) Die Heiligen Johann und Paul, deren Tag am 26. Juni ist.
	        
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