Bücher schau .
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muß . Der so reiche Inhalt des „ Archiv für Anthropologie“ , welches jetzt bis Band ¿56 gediehen ist , ist leider nicht so bequem zugängig , denn nur für Band 1 bis 22 erschien her ein Generalregister und nicht immer in erwünschter führlichkeit .
Auch die Wiener Anthropologische Gesellschaft ist strebt , die Schätze , die in ihren „ Mitteilungen“ seit 1871 liegen , durch Inhaltsverzeichnisse zugängig zu machen , wenn auch nicht in so ausführlicher Weise wie die Pariser und Berliner Zeitschriften . Mit Abschluß der ersten Serie jener „ Mitteilungen“ ( 1871—1881 ) veröffentlichte Dr . M . Much das erste allgemeine Inhaltsverzeichnis . 1891 erschien ein register zu den Bänden 11 bis 20 ( 1881—1890 ) , dem 1901 ein zweites zu Band 21 bis 30 ( 1891—1900 ) von F . von Hopf - gartner folgte .
In England ist seit 60 Jahren eine Reihe ethnologischer Zeitschriften erschienen , die aber zumeist wieder eingingen , bis sie in den großen Hafen des „ Journal of the Anthropological Institute“ und seiner Beihefte „ Man“ mündeten . Schon 1893 erschien ein „ Index to the tions of the Anthropological Institute , 1843—1891“ , welcher dadurch wichtig wird , daß er auch die vielen wertvollen Arbeiten systematisch verzeichnet , welche in jenen gangenen , jetzt selten gewordenen Zeitschriften enthalten sind . Viele davon sind grundlegender Art , und bei ihrer Kenntnis würde mancher jüngere Autor sich die Mühe
spart haben , gewisse Themata wieder ab ovo zu bearbeiten . Es handelt sich hier um den Inhalt der Zeitschriften „ Journal and Transactions of the Ethnological Society“ ( 1843—1871 ) , „ Journal and Memoirs of the Anthropological Society“ ( 1863— 1871 ) , „ The Anthropological Review“ und schließlich um die ältere Reihe des „ Journal of the Anthropological Institute“ ( 1871—1891 ) . Für die neue , seitdem fortlaufende Reihe liegt noch kein Generalregister vor . Zwar begann N . W . Thomas eine „ Bibliography of Anthropology and Folk - Lore“ — „ it deals only with works and periodicals published in the British Empire“ — , aber sie umfaßt nur die Jahre 1906 und 1907 und ist ins Stocken geraten , seit der Verfasser eine nische Forschungsreise antrat .
Auf dem deutschen Anthropologentage in Köln 1910 trat an mich ein Herr aus Rußland heran , welcher es beklagte , daß außer den Inhaltsübersichten der Bände kein register für den „ Globus“ vorhanden sei . Und welche Fülle von Stoff enthält diese Zeitschrift , die im nächsten Jahre ihren hundertsten Band veröffentlicht . Fünfzig Jahre sind gleich seit der Begründung verflossen , und in dieser Zeit ist sie nicht nur den Fortschritten der Geographie und nographie gefolgt , sondern hat auch eine große Menge züglicher Originalarbeiten gebracht . Nützlich und wert wäre bei diesem Jubiläum gewiß auch die Herausgabe eines Generalregisters .
Richard Andree .
Bücherschau .
Knut Stjerna , Les groupes de civilisation en dinavie à l’époque des sépultures à galérie . ( thropologie , Vol . XXI , 1910 , p . 1 . )
Ein Abschiedswort des trefflichen früh dahingeschiedenen schwedischen Forschers . Stjerna war ein Hauptvertreter einer Richtung , die in der gegenwärtigen schwedischen Archäologie sich schon sehr bemerkbar gemacht hat , welche den sicheren Boden der dort geltenden typologischen Systematik nicht auf gibt , aber auf ihm nach Gruppierungen von kultureller Bedeutung strebt und diese der alten Landes - und geschichte dienstbar macht . So hat Stjerna schon früher den Gegensatz der Svear und Götar und ihre Kämpfe logisch festgelegt und neuerdings eine umfassende Geschichte der Kultur - und Völkerbewegung auf Bornholm gegeben . Im Gegensatz dazu behandelt der vorliegende Artikel eine bestimmte Epoche über ein ausgedehntes Gebiet . Auch hier stets mit der den Skandinaviern eigenen wohltuenden Reserve gegenüber dem ethnischen Problem . Es ist erwünscht , daß die Anschauungen des Verfassers in einer so allgemein breiteten Zeitschrift zur Aussprache kommen , nur stört ein recht inkorrekter Druck ; selbst der Name des Verfassers und die Unterschriften der Abbildungen enthalten Fehler .
Die vom Verfasser behandelte Periode ist die époque des sépultures à galérie , eine Umschreibung für die Periode Montelius III , welche deutschen Lesern nicht gerade lich erscheinen wird , denn die Ganggräber sind doch nur ein Merkmal und nicht das Entscheidende : gerade in der westdeutschen Neolithik haben wir ein typisches Montelius III ohne Ganggräber . Daß die Benennung nicht gleichgültig ist , sondern zu direkten Mißverständnissen führt , zeigt die kleine , sonst recht hübsche Karte , auf der die ganze jütische Halbinsel auf Grund der „ Einzelgräber“ einer schen Provinz zugeteilt ist , während diese dort doch sicher nur eine singuläre Erscheinung inmitten dominierender telius III - Kultur darstellen . — Die drei Kulturgruppen , welche auf skandinavischem Gebiet in die Ganggräberperiode fallen , sind die „ arktische“ oder Schieferkultur , beide Namen von Stjerna gemieden und , eine aussichtslose Neubildung , als «baltische“ oder Nordostkultur bezeichnet ; die Kultur der Megalithgräber ( „ Kattegattkultur“ ) und die der Einzelgräber ( „ jütische“ ) . Eine Schwierigkeit des Vergleichs liegt in der Verschiedenheit der Bergung des Materials , da die erste Gruppe fast ausschließlich auf Wohnstellen , die andere^ so auf Gräber angewiesen ist . — In der Charakterisierung der ersten Gruppe berührt sich Verfasser mit den bekannten Darstellungen von Almgren , A . W . Brögger , Ailio , betont den „ epipaläolithischen“ Charakter jener Fischer - und Jägerkultur , hält einen Zusammenhang der arktischen Plastik mit der ost - europäischen für wahrscheinlich und läßt die Frage , ob kommen der „ Epipaläolithiker“ oder neu einwandernder stamm , offen . — Bei der „ Ganggräber“ - Gruppe scheidet Stjerna streng zwischen den Grabformen der eigentlichen Dolmen Und der Ganggräber , für die er einen verschiedenen Ursprung Und verschiedene Urformen annimmt : Dolmen rechteckig , Hei stehend , Ganggräber rund , bedeckt auf überseeischem
Wege aus England nach Skandinavien übertragen ; die jütischen Küstenstriche , Dänemark , Westschweden , sind ihr eigentliches Gebiet . Im Vergleich zu den voraufgehenden Stufen ( Kjökkenmödding - und Dolmenzeit ) ist eine Verschiebung landeinwärts , besonders in Schweden ( Westergötland ) bar , was mit dem Übergang zum Ackerbau zusammenhängt . Mit der Bodenkultur tritt auch der Kampf um den Boden ein , und in der Ausstattung der Gräber spielen jetzt Waffen ( Äxte , Lanzen , Pfeilspitzen ) eine große Rolle .
Die dritte Gruppe wird durch die „ Einzelgräber“ Sophus Müllers mit ihrem feststehenden Inventar an Äxten besonderer Form und einer degenerierten Schnurkeramik bezeichnet . Sie drängt sich in Jütland usw . zwischen die kerung , die aber die Küsten behauptet . Auf Grund der Keramik erblickt Verfasser darin einen Vorstoß des mächtigen schnurkeramischen Volkes aus Mitteldeutschland , welcher durch das Streben , die Bernstein produzierenden Länder zu gewinnen , hervorgerufen sein möge . Man wird den vollen Ausmalungen der Folgen , welche eine derartige sion für die Megalithkultur haben mußte , mit Interesse folgen ; überzeugend wirken sie nicht : die Bedeutung eines supponierten steinzeitlichen Berasteinhandels bleibt vorläufig ebenso eine Fiktion wie die Herleitung der Einzelgrabbevölkerung von den Schnurkeramikern , mit denen sie nichts gemeinsam hat als eine keramische Form . Auch bei dieser Einschränkung bleibt der Arbeit Stjernas das Verdienst , zum ersten Male das Problem der Ganggräberkultur , ihrer Ausbreitung wie Einschränkung nach beiden Seiten hin ( Nordost und Süd ) in größerem Zusammenhänge aufgerollt zu haben .
R . Beltz - Schwerin .
Jacques Faïtlovitch , Quer durch Abessinien . Meine zweite Reise zu den Falaschas . XV u . 188 S . mit 60 Abb . u . 1 Karte . Berlin 1910 . M . Poppelauer . 5 Jb .
Seiner ersten Reise zu den Falaschas , den abessinischen Juden , die er in einem auch hier angezeigten Werke in französischer Sprache beschrieb , ließ Faïtlovitch im Jahre 1908 eine zweite folgen , über die er jetzt in einem deutschen Buche berichtet . Der Zweck dieser Reisen war einmal , neues terial zur Kenntnis dieser schwarzen Juden zu beschaffen , dann , durch Vorstellungen bei den abessinischen Machthabern das zumeist ziemlich traurige Los dieser Leute zu mildern , und schließlich , die Juden der zivilisierten Welt mit werktätigem Interesse für diese ihre Glaubensgenossen zu erfüllen , damit sie in der Isolierung ihren Glauben und ihre Eigenart sich wahren könnten . Mit seinen Bemühungen in der zuletzt nannten Richtung hatte Faïtlovitch zunächst nicht überall Erfolg , denn die mächtige Alliance Israélite schien die laschas nicht für voll anzusehen , sandte auch einen eigenen Beobachter , den Großrabbiner Nahum , nach Abessinien , um sich selber zu unterrichten ( vgl . Globus , Bd . 96 , S . 257 ) . Mit dessen Ergebnissen ist nun Faïtlovitch wenig einverstanden , er zieht in dem neuen Buche gegen ihn zu Felde und liert wiederum an das Solidaritätsgefühl . Die Zahl der laschas gibt Faïtlovitch auf etwa 50 000 an , während Nahum