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Volltext: Globus, 18.1870

134 Wanderungen im 
myrapalme in großer Menge anbauen . Als die brahmi - nischen Ansiedler vom Norden her in diese südlichen Gegenden kamen , fanden sie den Teufelsdienst bei der rohen Urbevölke - rnng vor , und er geht noch heute bei den niedrigsten Kasten im Schwange . Für den Brahminen wäre es , wie Graul hervorhebt , eine Schande , sich an demselben zu betheiligen . Die Schanars bilden im südlichstenDekhan eine der unter - sten Sndrakasten , die etwa eine halbe Million Seelen zählt . Auf weiten Strecken überragt nur hier und da eine brahma - nische Pagode die armseligen Tenselstempelchen , welche oft weiter nichts sind , als ein pyramidalisch aufgeworfener Erd - Haufen , dessen einzige Verzierung in Streifen besteht , die an der Außenseite hinlaufen " oder , wenn es hoch kommt , ein Pyra - midaler Obelisk aus gebranntem Stein mit Stuck überzogen von nur vier bis acht Fuß Höhe . Graul äußert : „ Man möchte fast sagen , die weißen Ameisen hier zu Lande bauen eben so schöne Pyramiden an den Landstraßen und ans den Feldern hin ; künstlicher sind die letzteren jedenfalls . Das Anmuthigste au dem Ganzen ist ein gewöhnlich in der Nähe stehender stattlicher Banni , besonders wenn es eine Tama - rinde mit dem zierlichen Blatt und dem dunkeln Grün ist , oder eine Baniane mit weithin schattendem Laubdache . Oft aber sieht man auch nur eine dünnschattige Palmyrapalme niit verbnschter , weil niemals ausgeputzter Krone , wie trau - mend dabei stehen . " 
In jenem Süden hat sich der Teufelsdienst tief ins Volks - Bewußtsein eingelebt . Man hat dort sogar den echt brahma - nischen Rama , den glorreichen Besieger der Dämonen , an einem Orte der Landschaft von Tinnevelly in einen Teufel umgestaltet . Der ursprüngliche Sinn der Teuselsverehrung wird wohl eine Art von Heroendienst gewesen sein . „ Der Proceß des Teufelwerdens läuft auf nichts Anderes hinaus , als auf Verluftigung , Erweiterung und Verzerrung der dunkeln Charakterzüge des Verstorbenen zu einem Schreckensgebilde voll übernatürlicher Macht und Bosheit , und derselbe geht noch immer fort ohne allen Unterschied der Kasten oder Religion . " Es giebtPariah - undBrahmanen - , mohammedanische und europäische Teufel ; die Christen haben sich wenigstens einen bewahrt , und wohin sie auch kommen mögen , gleichviel ob uach Grönland oder in die Südsee , dort spielt der allgegenwärtige Satan seine Rolle . Missionär Graul , der sich als Altlutheraner von strenger Observanz ans die Sache verstehen muß , schreibt : „ Der einzige Unter - schied , welcher dabei bemerklich wird , bezieht sich aus die Art der Opfergabe ; der Pariahteufel beguügt sich mit Brannt - wein ; jener europäische Teufel , ein in mörderischer Schlacht gefallener Offizier , verlangt zu dem Branntwein natürlich auch eine — Cigarre ! " 
Der südindische Tenselstänzer überwindet den Dämon nicht , sondern wird von ihm besessen . In früheren Zeiten sind mit dem Dämonendienste Menschenopfer verbunden gewesen . In einem der alten heiligen Bücher findet sich die Vorschrift : „ Wo das Opfer von Löwe , Tiger oder schen erfordert wird , da sollen die drei ersten ( eigentlich brah - manischen ) Kasten ein Bild aus Butter oder Mehl machen und dasselbe opsern , als wäre es ein lebendiges Wesen . " Beim Teufelsdienste der Schanars scheint das Blut von Thieren , z . B . Ziege , Hahu : c , das Menschenblut zu ver - treten , und noch immer sindet im Tamnlenlande eine Cere - monie statt , welche an frühere Menschenopfer zu erinnern scheint . In Zeiten großer Dürre macht man nänilich eine Menschenfigur zurecht , welche man den grausen Sünder nennt , ' schleppt sie lärmend durch die Straßen , und nachdem sie mißhandelt worden ist , verbrennt man sie unter Weinen und Heulen ans dem öffentlichen Todtenacker . 
Da , wo die brahmauischeu Götter im Kampfe mit den 
südlichen Indien . 
Dämonen und den religiösen Vorstellungen der Urbewohner keinen vollständigen Sieg errangen , gingen sie eine Art von Vereinigung mit denselben ein . So ist der Dienst des Siwa , welcher in dcuWedas , den ältesten heiligen Büchern , nicht vorkommt , im Fortgänge der Zeit von dem Dämonen - Wesen beeinflußt worden und hat seinerseits Einfluß auf das - selbe gehabt . Der Gott des Todes und der Zerstörung der Brahmanen stimmte gar wohl zu den gehässigen , auf Unheil sinnenden Dämonen . Dieses Verhältniß wurde aber , wie es scheint , zuerst hauptsächlich durch die Sakti , d . h . die weibliche Hälfte des Gottes , vermittelt , und das um so natür - licher , als sie die göttliche Energie oder schöpferische Wirk - samkeit sinnbildlich darstellt . Nach Anschauung der Hindu erscheint aber alle und jede Thätigkeit der in unveränderlicher Ruhe seligen Gottheit unwürdig , und demnach ist dann Alles , was entsteht , auch Werth , daß es zu Grunde geht . In die - ser Göttin Sakti ist dann eine ganze Masse örtlicher Dä - monen aufgegangen , hauptsächlich unter dem Namen der Ammert ( „ Mutter " , = der Parvati ) . In den Tempeln , welche dieser grauenvollen Göttin geweiht sind , wird ein ähn - licher Spuk getrieben , wie beim Dämonendienste selber : felstanz , Orakel durch Besessene , Angcnverdrehen , Trommel - schlagen und dergleichen mehr . 
Dieser Dieust der Aminen - Parvati ist nicht der einzige Anknüpfungspunkt zwischen Brahmanismus und Dämonen - thum . In Südindien hat man noch einen Sohn des Siwa erfunden , den Eyenar , d . h . erlauchten Herrn , und ihn hat man an die Spitze der blutdürstigen , nächtlichen Unholde ge - stellt . Während in den Tempeln der Ammsn bloß Sudras , also Leute der vierten Kaste dienen , findet man in einigen Heiligthümern des Eyenar Sudra - , iu anderen aber Brah - Manenpriester , je nachdem das Gebäude der düstern oder der lichten Form ( Ugra oder Santa Murti ) gewidmet ist . Außerdem giebt es aber noch ein ganzes Heer siwaitischer Unholde und Unholdinnen , und das sind die eigentlichen Volksgottheiten . Die Masse dient mehr den finsteren , als den lichten Göttern , und die meisten elenden kleinen pel , welche man in den Dörfern sieht , legen fast alle Zeug - uiß ab von dem durch den Brahmanismus nur halb über - wuudenen Dämonenwefen der Urbevölkerung . 
Gott Siwa , im Norden geboren , hat seine eigentliche Heimath im feurigen Süden gefunden , wo „ Alles ist wie des Grases Blume , die am Morgen blüht und am Abend welk wird . " Siwa ist die zerstörende Gottheit ; ihr eignet das Feuer . Während er im Norden verhältnißmäßig mehr eine philosophische Idee bleibt und unter dem rohen Sinn - bilde des Lingam ( Phallus ) — dessen mystischer Sinn : währende Zeugung und die damit gegebene Vorstellung fort - währenden Untergangs — an dem großen Haufen nnver - standen vorübergeht , und dort eine verhältnißmäßig geringe Zahl von Verehrern an sich zieht , tritt er im Süden ganz anders auf . Hier ist seine Verehrung keineswegs auf die gestaltlose Form des Liugam beschränkt , fast alle Pagoden sind „ dem Gotte mit dem Dreizack und dem Netze " geweiht , und eine anziehende Legendensülle umwuchert den volksthüm - lichen Gott . 
Aber noch ausgedehnter verehrt wird der Lieblingssohn des erhabenen Götterpaares , Ganesa ( — bei den Tamnlen Pilleyar , das erlauchte Kind ) , mit dem Gesichte des Ele - phanten . Er stellt so recht eigentlich den Hausgott dar , und sein wohlgenährter , runder Bauch bringt ihn dem Sinne und Herzen des Volkes unendlich näher , als alle die luftigen , philosophischen Ideen , welche das Haupt des mondgekrönten Siwa mnspielen . — 
Unter den Schanars haben die englischen Missionäre
	        
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