Die Sieben vor Theben und die chaldäische Woche. 'u
gegen Osten zu veranlassen, die, in ihrer aus asiatischem, africanischem und
atlantischem Himmel gemischten Färbung, für die älteste Culturgeschichte
des mittleren Europa eines der bedeutsamsten Ereignisse geworden ist und
deren Wirkungen wir namentlich auch in der Geschichte der italischen und
rümischen Hebdomas wahrnehmen zu können glauben. Die schöne Saturnia
Tellus — die nicht nur diesen, sondern auch wol den Namen Italia selbst einem Sa-
turnus Îtalus (= Itanos) zu verdanken hat — weist mit ihren ältesten Völker-,
Götter- und Heroengeschichten auf eine dreifache, jener südlichen und nörd-
lichen Strömung sowie westlichen Rückströmung entsprechende, Herkunft hin:
eine südliche, ägypto-libysche, geknüpft an die ethnologisch-religionsgeschicht-
lichen Namen des Seth-Saturnus, Bel-itanos, Bel Ramas, der Siculi (? Apul,
Messapii, Japyges); eine nórdliche, epirisch-illyrische, über das obere Meer,
geknüpft an die Namen des Aeneas, Ascanius, Idaeus-Titias, der tyrrhenischen
Pelasger, Borigines (Bovyes) Quirites (Kovoñtes) und Sabini!°8); und drit-
tens, eine westliche, über das untere Meer, durch Lucumo Tarquin und die
westlichen Tyrrhener (sowie später die Umbri und Galli). Und während zu
diesen drei Wegen und ethnologischen Gegensätzen die altrömischen Ramnes,
Tities und Luceres sich sofort als eine unwillkürliche Parallele darbieten, und
die dreifache Roma auch ethnologisch als einen Mittelpunet Italiens — und
der alten Welt — erscheinen lassen: lässt sich diese Trias dann vielleicht
auch religionsgeschichtlich mit dem Septimontium in Einklang setzen und sich,
zu einer Hebdomas verbunden und vergeschichtlicht, in der saturnalen Woche
der 7 Konigsnamen wiedererkennen!??), — Gleichfalls auf einem drei-
!*) Die Geschichte der von Aeneas nach Italien gebrachten £sod rà» ueyalov Osdv, d.i.
wie wir sehen werden, der Kabirischen Wochenmysterien, erzählt Dion. H. A. I 68: und die
des Idäischen (hebdomadischen) Dactylen Titias, Schol. Apollon. 1, 1126 (vgl. über die Gens
Titia und deren Schutzgott Titinus Fest. 8. v. Mutinus): dass aber die (auch von Lykophron
so genannten) Borigines — deren anlautendes à gewiss nichts ist als (wie in À-penn-inus
A-miternum u. v. a. W.) ein verstärkender Wurzelanlaut — kein autochthones Volk gewesen,
erhelle& ebenso sehr aus ihrem erobernden Auftreten bei Dion ÿsius und Varro als aus der
Srammatiischen Unzulüssigkeit der gewöhnlichen Erklärung.
7?) 1. Romulus: ein siculisch-lateinischer (wol mit einem älteren Namen der Stadt —
5. W 23 — in Einklang gesetzter) Ramas - Saturn:
2) Numa: doch: wol (wie schon früher vermuthet) das ágyptische ,Nev-Ma* Herr der Ge-
rechtigkeit und Wahrheit, ein gewöhnlicher Beiname des Phtha und Rha-Sol:
3) Tullus Hostilius: ein aus einem phrygisch -turanischer Mondnamen (syrjän. tôlys
mensis) und lateinisch-sabinisehen Hostilius — Hastilius von (hasta = curis) zusammengesetzter
Lunus Quirinus:
4) Ancus Martius: ein gleichfalls Quiritischer Marsdiener:
5) Tarquinius Priscus und
7) Tarquinius Su perbus: zwei zusammengehórige tyrrhenische Namen für die beiden
Morgenabendsterne, jener für den sonnennäheren älteren (vgl. den Kaduos nalaïos, priscus)
Mercur; dieser, für den jüngeren, übermüthigen (?z*05vop) Lucifer (s. u. 22. 23): während
ich 6) den Servius Tullius als J upiter vorläufig freilich nur als eine lateinische Umlautung
des etruskischen Helvius d. i. Rothgelb, (Corssen II, 23) der Farbe der Planeten (s. u. 26), —
vgl. sanskr. haris fahl, lateinisch serenus, und die albanische Gens Silvia, sowie zu Tullius
das finn. tu] Feuer — zu rechtfertigen wüsste.
Zeitschrift für Ethnologie, Jahrgang 1876.