292 Dritter Teil. Die Naturvölker Afrikas.
geschlossen!. Einen Sohn, der stiehlt, verhaut sein Vater mit einem Bananen⸗
ttock; dieser ladet dann alle Leute ein, den Schuldigen zu beschimpfen. Zum
erstenmal erstattet er das Gestohlene, bei einem Rückfall aber vertreibt er den
Sohn, der nun zu den Verwandten seiner Mutter flieht, wenn ihn diese auf⸗
nehmen wollen.
Eine eigentliche Einweihungszeremonie bei Eintritt der Pubertät findet nicht
statt, wohl aber werden die Knaben um diese Zeit beschnitten. Ein eigens
dafür bestimmter Mann (Musimbi) leitet diese Zeremonie. Er läßt jährlich
an einem bestimmten Tag die zu beschneidenden Knaben zu sich kommen;
vorher schon müssen alle Frauen und die noch unbeschnittenen Kinder das Dorf
verlassen. Die Operation findet im Freien, mitten im Dorfe statt. Nach der⸗
selben ziehen sich die Neubeschnittenen in ein eigens für sie bestimmtes Haus
außerhalb des Dorfes zurück, das abseits von den Verkehrswegen liegt und von
den Frauen nicht gesehen wird. Dort bleiben sie etwa zwei Monate unter
der Pflege zweier Männer, die ihnen alles Nötige verschaffen. Diese Männer und
der Musimbi müssen sich während dieser Zeit jedes Geschlechtsverkehrs enthalten,
sonst würden ihre Pfleglinge sterben. Eine religiöse Bedeutung hat die Be—
schneidung, wie es scheint, nicht.
Nach der Beschneidung sucht der Sohn den Vater zu überreden, ihm eine
Frau zu verschaffen. Zu dem Zweck muß er aber durch mehrere Proben be—
weisen, daß er dessen würdig ist. Es genügt nicht, daß er auf der Jagd,
heim Fischfang usw. Tüchtiges leiste, der Vater schickt ihn auf Reisen für
einige Wochen, und nach der Heimkunft erkundigt er sich überall, wie er sich
henommen habe. Im Krieg oder sonst bei Gefahr wird er an den ausgesetztesten
Posten gestellt und scharf beobachtet. Hat er sich in allem bewährt, so erklärt
der Vater, er könne jetzt ruhig sterben, denn er hinterlasse einen würdigen
Nachfolger, und er gibt ihm nun die zum Erwerb einer Frau nötigen Güter.
Geschlechtsverkehr kommt unter unverheirateten jungen Leuten oft schon vor
den Jahren der Pubertät vor; die Enthaltsamkeit erscheint den Leuten un⸗
begreiflich und ist unbekannt?. Wenn eine Frau zu oft ihren Mann wechselt,
verliert sie alle Achtung und wird Kitazi (eine Prostituierte) genannt. Den⸗
selben Namen gibt man auch einigen wenigen Frauen, die sich dem ersten besten
preisgeben. Auch der Mann, der zu viele Frauen der Reihe nach entlassen
hat, wird ein Kisenge genannt; er wird ebenso verachtet wie die Kitazis.
Bei der Ehe kommen keine besondern Zeremonien vor. Wenn der junge
Mann eine Braut gefunden, ist die einzig wichtige Frage, wieviel Güter er
den Eltern zu liefern habe. Es ist das aber kein eigentlicher Kauf, denn die
Rechte des Mannes auf seine Frau sind sehr beschränki. „Nirgends in Zentral⸗
afrika steht nach meinen Beobachtungen die Frau in so hoher Achtung wie bei
den Warega. Sie wird fast ebenso geachtet wie der Mann und kann zu allen
Braden der sozialen Hierarchie gelangen. Sie wird zu allen Vereinigungen,
Festen und Versammlungen zugelassen; sie steht endlich in Abhängigkeit von
Delhaise, Les Warega 161. unt
Das heißt beständige Enthaltsamkeit; denn zeitweilige ist ihnen wohl beka
vgl. oben).
3 Delhaise a. a. O. 167.