182 Rheinisches Schiefergebirge u. die Tieflandsbuchten von Köln u. Münster.
kritisches Bedenken gegen ein und das andere Wort in Kobells Gedichten erheben,
aber der Nichtpfälzer gewinnt durch ihn am ersten Klarheit über den Grund
charakter der pfälzischen Mundart, und der Umstand, daß solche Abweichungen
nicht stören, zeugt für die Biegsamkeit, die vermittelnde Stellung des pfälzischen
Wesens. Riehl, dem wir hier als berufensten Kenner gefolgt sind, erzählt, daß
bei Vorlesung von Dialektdichtungen in einem bunt gemischten Zirkel sich diese
Eigenschaft in folgender Weise offenbarte: beim bayerischen und österreichischen
Dialekt wie beim Plattdeutschen blieb für den einen und anderen das einzelne
ohne Erklärung unverstanden, den pfälzischen verstand jeder von selber. —
Das Rheinische Schiefergebirge und die Weflandsbuchten
von Köln und Münster.
Als breite, durchschnittlich 400 bis 500 in hohe Bodenschwelle lagern sich die
Massen des Rheinischen Schiefergebirges im Norden vor die oberrheinische Tiefebene.
Au der schmälsten Stelle durchschneidet die Rheiufurche das Gebirge, welches
durch die von Nordwesten her eindringende Tieflaudsbucht von Köln in seiner
Breite bis auf 100 Kilometer verschmälert oder besser eingeschnürt erscheint.
Durch die in wiuduugsreichem Laufe einander eutgegeueileuden Flüsse Mosel und
Lahn ergiebt sich eine Gliederung des Gebirges in vier Teile. Wir haben links
des Rheines zu beiden Seiten der Mosel: Hunsrück und Eifel, rechts des Rheines
zu beiden Seiten der Lahn: Taunus und Westerwald. Bei oberflächlicher Be
trachtung erscheint der Bau ebenso einfach als symmetrisch. Die Hauptmasse des
Gebirges besteht aus devonischen, vielfach an Eisen-, Zink-, Blei- und Kupfererzen
reichen Schiefern, in der Umrandung treten, teilweis von jüngeren Bildungen
überdeckt, Schichten der Karbonformation auf, deren Reichtum an Kohlenflözen
bei Saarbrücken, Aachen und ganz besonders im Rnhrgebiet zu so hoher wirt
schaftlicher Bedeutung gelangt ist. Das Hochplateau wird überragt von einzelnen
höheren, 700 und selbst 800 in übersteigenden Bergrücken. Es sind schwer ver
witternde Quarzite, welche aus den weniger widerstandsfähigen Schiefern ihrer
Umgebung hervorragen. Sie haben die Schiefer nicht durchbrochen, sondern sind
im Laufe der Jahrtausende aus ihnen gewissermaßen herauspräpariert worden.
In Eifel und Westerwald verdanken viele über die Hauptmasse des Gebirges
hervorragenden Bergkuppen vulkanischen Vorgängen ihre Entstehung, es sind
basaltische und trachytische Eruptionskegel. Die Thäler des Rheinischen Schiefer
gebirges erhielten durch tektonische Vorgänge hier und da die Richtung vorge
zeichnet, sind aber ganz überwiegend Wirkungen der Erosion. Das Durchbruchs
thal des Rhein ist im großen und ganzen eine von fließendem Wasser gegrabene
Rinne. Wie aber konnte der Rhein die breite Schwelle durchbrechen? Wie