stattliche Band das chinesische Schriftzeichen wo »Ich« auf. Aber das bedeutet keine Egozentrik,
sondern verweist auf den Erforscher der chinesichen Autobiographien. Noch jüngst,
sozusagen in articulo mortis, wurde Wolfgang Bauer durch die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes
I. Klasse ausgezeichnet.
Fragen wir uns nun, was es gewesen ist, was Wolfgang Bauer zu einer so unverwechselbaren
Persönlichkeit gemacht hat, so finden wir vielleicht einen Hinweis in der Kurzbiographie
im »Wer ist Wer?«, wo er unter Liebhabereien angibt: Malerei und Schach. Eine
Kunst also an erster Stelle, die er zeitlebens in seinen Mußestunden ausgeübt hat und die
ihn befähigte, kalligraphisch schönes Chinesisch zu schreiben. Aber zur Kunst tritt auch die
strenge Logik des Schachspiels. Eine künstlerisch geprägte Persönlichkeit also, die sich
durch strenge Rationalität zu bändigen wußte. Das war vielleicht das Geheimnis seiner
Kreativität, seiner Weltoffenheit und Lebensfreude.
Wir sind nun alle ärmer geworden, seine Freunde, Mitarbeiter, Schüler und die Institutionen,
in denen er für uns gewirkt hat. Im Alten Testament sagt der Prediger Salomo (2:
21) uns dieses: »Denn es muß ein Mensch, der seine Arbeit mit Weisheit, Vernunft und Geschicklichkeit
getan hat, sie einem anderen zum Erbteil lassen«. Das heißt, wir noch Lebenden
sind seine Erben geworden und gedenken heute seiner in Trauer, aber auch in Dankbarkeit
für alles, was er uns gegeben und bedeutet hat.
HERBERTFRANKE
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