RENATE LÖSCHNER
Johann Moritz Rugendas als Illustrator botanischer Werke
von Carl Friedrich Philipp von Martius
Verschiedene Tafeln in den reich illustrierten Werken des Botanikers Carl Friedrich Philipp
von Martius (1794-1868) gehen auf den Maler Johann Moritz Rugendas (1802-1858) zurück.
Darüber hinaus zeugen Korrespondenzen von Anregungen und geistigem Austausch.
Kontakte bestanden über einen Zeitraum von nahezu 35 Jahren. Beide hatten in jugendlichem
Alter in gleichen Gegenden Brasiliens Naturerlebnisse erfahren, die zum Fundament
ihres jeweiligen Lebenswerkes wurden. Martius hat in Südamerika Sammlungen angelegt
und außerdem gezeichnet und gemalt. Die motivische Ausgestaltung seiner Werke wurde
von ihm mit Akribie überwacht. Sowohl Martius als auch Rugendas haben auf diesem Gebiet,
differenziert nach ihren persönlichen Zielvorstellungen, ein wissenschaftlich fundiertes
Abbild der Natur gegeben, das unter ästhetisch-künstlerischen Gesichtspunkten höchsten
Anforderungen gerecht wird. Urheber ihrer Anschauungen waren Goethe und Alexander
von Humboldt.
Humboldt hatte im Verlauf seiner großen iberoamerikanischen Forschungsexpedition
1799 bis 1804 und in der Auswertung seiner tropischen Landschaftserlebnisse konkrete
Vorstellungen zur künstlerischen Darstellung exotischer Erdregionen
entwickelt1•
Er
wünschte, daß professionelle Maler Tropenlandschaften aufgrund eigener Anschauung
bildlich erfassten. Dabei kam es ihm auf auf die Wiedergabe der ausdruckprägenden Formen
an, wozu er Pflanzen, Bergsilhouetten, Wolkenbildungen und anderes zählte. Vegetationsabbildungen
sollten Klimazonen repräsentieren. Humboldt strebte Darstellungen an, die
einen »Überblick über die Natur im Großen« geben und die für den Betrachter lehrreich
und anregend sein konnten. Mit künstlerisch-physiognomischen Landschaftsmotiven wollte
er die wissenschaftliche Erschließung der Tropen unterstützen. Gleichzeitig erhoffte er sich
durch die Kenntnis und Verbreitung von fremden Naturfmmen eine Bereicherung der europäischen
Malerei.
Die Auseinandersetzung mit der Landschaft unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten
war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts für viele Künstler wichtig. Das galt besonders
für die deutschen Romantiker. Carl Gustav Carus, den mit Martius später eine »Altersfreundschaft
in Briefen« verbinden sollte, hatte Humboldts Schrift »Ansichten der Natur«
ausgewertet. 1815 bis 1824 schrieb er seine berühmten »Neun Briefe über Landschaftsmalerei«,
in denen er sich eingehend zur Physiognomie der Gebirge äußerte. Er forderte,
1
Vgl. Humboldt 1849 u. Humboldt 1869: 76--94: >>Landschaftsmalerei in ihrem Einfluß auf die Belebung
des Naturstudiums. -Graphische Darstellung der Physiognomik der Gewächse. -Charakteristik ihrer
Gestaltung unter verschiedenen Zonen«.
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