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fullscreen: Curare, 27.2004

Teilnehmende Beobachtung in religiösen Kontexten 
209 
Teilnehmende Beobachtung in religiösen Kontexten 
— Erfahrung und Reflexion als Methode?* 
ANNEMARIE GRONOVER 
Zusammenfassung Teilnehmende Beobachtung gilt als der Königsweg ethnologischer Feldforschung. Wie der 
dynamische Spagat zwischen aktiver Teilnahme und distanzierter Beobachtung bei der Untersuchung religiöser 
Phänomene die Erfahrungen des Forschers/der Forscherin sowie der Akteure beeinflussen und die Ausgangsbasis 
der Datenerhebung bilden kann, ist Thema dieses Aufsatzes. 
Participant Observation in Religious Contexts — Experience and Reflection as Method? 
Abstract Participant observation is considered to be the silver bullet of anthropological fieldwork. The article at 
hand addresses the questions how the researchers’ and actors’ experiences are affected by the dynamic balancing 
act of active participation and distanced observation while researching religious phenomena and how this experi- 
ance is to become the starting basis of methodological data collection. 
Keywords (Schlagwörter) participant observation (teilnehmende Beobachtung) — fieldwork (Feldforschung) — re- 
ligion — method — experience and reflection — stigmata in religious context (Stigmen) — discourses — Sicily (Sizilien) 
Ausgangspunkt 
Die teilnehmende Beobachtung wird oft als der me- 
thodische Königsweg der ethnologischen Datener- 
hebung dargestellt, was zuweilen zu einer Gleich- 
setzung von Feldforschung und teilnehmender Be- 
obachtung führt. Die ethnologische Feldforschung 
beinhaltet jedoch einen längeren stationären Auf- 
anthalt in einer fremden Kultur, in der der Forscher/ 
die Forscherin Normen, Werte und Verhaltensre- 
geln akzeptiert, um ein Teil des Fremden zu werden. 
Dabei bleibt die teilnehmende Beobachtung jedoch 
‚bloße‘ Methode. Ein Motiv für die Verwechslung 
dieser Begriffe mag darin liegen, dass die physische 
Nähe beziehungsweise die Anwesenheit des For- 
schers/der Forscherin eine grundlegende Vorausset- 
zung für die Feldforschung und teilnehmende Beob- 
achtung ist (HAUSER-SCHÄUBLIN 2003: 33f). 
Die qualitative Leistung der Methode teilneh- 
nende Beobachtung liegt in den beiden Strategien 
der idealerweise objektiven Außenposition gegen- 
über sozialen Situationen und der intersubjektiven 
Teilnahme an ihnen. Dieser holistische Ansatz soll 
dem Forschenden das Feld von außen und von innen 
arschließen, wobei der nicht zu lösende „Spagat“ 
von Distanz und Nähe der Methode immanent ist. 
An der Schnittstelle dieses Spagates erfährt der For- 
scher/die Forscherin das Feld — die gemachte Erfah- 
ung ist somit Teil der Datenproduktion. Die Gren- 
zen zwischen dem Eigenen und dem Fremden, die 
in der teilnehmenden Beobachtung durch die gegen- 
zeitig bedingte Nähe und Distanz vom Forscher und 
seinem Feld bestimmt werden, sind Daten, die in ei- 
ner dichten Beschreibung interpretiert dargestellt 
werden (GEERTZ 1983). An dieser Stelle geht es 
nicht um eine ethnologische Interpretation des Phä- 
nomens der Stigmen (Interpretation siehe GRONO- 
VER 2005). Unter ethnologischer Perspektive in 
Volkskunde, Psychologie und Religionsgeschichte 
st das Phänomen der Stigmen ein breit erforschtes 
Thema (z.B. CAROLL 1987, CLOUGH & MITCHELL 
2001, GÖTZ VON OHLENHUSEN 1995, MÜLLER 
2000). Die hier vorgestellte ethnografische Fallge- 
schichte soll vielmehr als Beispiel dafür dienen, wie 
jersönliche und gemeinschaftsbezogene Erfahrun- 
gen den Forschungsprozess in seiner Methodenwahl 
zeziehungsweise Kombination beeinflussen kön- 
nen. 
In meiner Feldforschung über religiöse Weltbil- 
der und Praxis in Palermo! stellte die teilnehmende 
Beobachtung durch den Wechsel zwischen innen 
und außen für mich ein ständiges, dem Forschungs- 
prozess inhärentes methodisches Kernproblem dar. 
Zum einen drängte sich die Frage auf, wie ich mit 
—  überarbeiteter Vortrag der 16. Fachtagung Ethnomedizin: 30 Jahre Fachtagungen der AGEM. Eine Aktualisierung der Diskus- 
sion, Heidelberg, 12.-14. Dezember 2003 
>urare 27(2004)3: 209-214
	        
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