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Volltext: Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, 3.F. 12=42.1912

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Oder es kommt auch noch zu einer Verschmelzung der beiderseitigen medianen 
Augen, und zwar wird dann bei stark geneigten Gesichtern die Lidspalte des 50 
entstandenen mittleren Auges vertikal verlaufen müssen, wic wir dies am Kopfgriff eines 
Zauberdolches im Museum für Völkerkunde in. Berlin beobachten; während bei weniger 
starker Neigung die Lidspalte horizontal geht, wie es uns die in Abb. 67 wieder- 
vyegebene Mißbildung und das mythologische Gegenstück dazu zeigt (Abb. 68). Auch 
Ahb. 67. Dicephalus mit Syncephalie, 
Abb..68. Detail vom Gändhära-Relief. 
hier ist die Übereinstimmung zwischen pathologischem Original und .der künstle- 
rischen Darstellung eine so vollkommene, daß man sich nur schwer dem Eindruck 
entziehen kann, daß der mythologischen Darstellung — unbeschadet gewisser phan- 
tastischer Zutaten — eine ganz reale Beobachtung zugrunde liegen muß. ; 
Aus dem europäischen Formenkreise findet sich diese Syncephalie außer bei 
einzelnen Därstellungen von Boreas und Argos Panoptes vor allem bei den meisten 
der bereits oben ausführlich behandelten Dar- 
stellungen des gallischen Trikeranos wieder, der 
also in Wirklichkeit gewöhnlich nicht dreiköpfig, 
sondern einköpfig, aber’ dreigesichtig ist, mit drei 
Nasen und vier Augen (Abb. 69). Das gleiche 
gilt auch von den oben erwähnten, spätkaiser- 
zeitlichen Darstellungen auf den belgischen und 
westdeutschen Wochengöttervasen und ebenso 
von manchen Bildern des slawischen Triglaw. 
Wenigstens wird von der ehemals auf der Brücke 
in Grimma befindlichen Triglawstatue ausdrück- 
lich berichtet, daß die drei nebeneinander stehen- 
den Gesichter unter einem Hut gesteckt hätten. 
Wie beim Menschen können Verwachsun- 
gen von Zwillingen oder Mehrlingen auch bei 
Tieren vorkommen und es ist daher verständlich, daß auch derartige Mißbildungen 
zur Entstehung von Sagen Veranlassung gegeben und auf die darstellende Kunst 
eingewirkt haben. Am häufigsten begegnen wir in der Mythologie der Mehr- oder 
Vielköpfigkeit bei Schlangen (Abb. 70), Hinter Vischnus Gestalt erhebt sich in 
indischen Götzendarstellungen eine fünfköpfige Schlange und der Oostasiatische 
Schlangenkönig wird mit zehn Köpfen dargestellt ’). Eine siebenköpfige Schlange als 
Symbol des aus dem Chaos hervorgegangenen Kosmos finden wir bei den Baby- 
‘) Bab, a. 2.0. S. 298.
	        
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