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und die sich auch auf der Wochengöttervase von dem germanischen spätkaiserzeit-
lichen Gräberfelde vom Fliegenberg bei Troisdorf, Siegkreis, wiederfindet (Abb. 65).
5. Reinach und Bertrand, denen ich hier zunächst folge, haben in diesem Tricephalus
den von Cäsar als gallischen Hauptgott genannten Merkur erblicken wollen, während
ihn E. Krüger ganz neuerdings, nach der auch von mir geteilten Ansicht Kossinnas,
aber ohne hinreichenden Grund, mit Mars identifiziert. Dieser dreiköpfige Gott er-
scheint entweder allein, wie auf dem 1837 entdeckten und zum ersten Male 1847 von
E. Charton publizierten Altar von Reims, den Charton für eine aus dem 17. Jahr-
hundert stammende allegorische Personifikation der schönen Künste, der Landwirt-
schaft und des Handels erklärte, und wie an acht anderen kleineren, nicht weit von
der ersten Fundstelle entdeckten Altären, oder in Verbindung mit zwei anderen Gott-
heiten, wie auf dem Altar von Dennevy, wo er auf dem rechten Flügel der Götter-
trias steht, und auf dem Altar von Beaune, wo er in der Mitte zwischen den beiden
anderen Gottheiten sitzt. Besonders bemerkenswert ist bei dem Altar von Beaune
wie bei einigen anderen Darstellungen die Ver-
bindung mit dem gehörnten Gotte Kernunnos,
dem wir auch sonst öfter sowohl in Figuren-
gruppen wie als Einzeldarstellungen meist
nach altgallischer Art mit untergeschlagenen
Beinen sitzend begegnen, und dem außer dem
typischen Torques meist noch eine Schlange
mit Widderkopf, bisweilen auch nur ein Wid-
der- oder ein Stierkopf als Symbol beigefügt
ist. Diesen gehörnten Kernunnos und die
Widderkopfschlange finden wir nur wieder an
dem berühmten, 1891 in Gundestrup entdeck-
ten Silberkessel, der auch sonst in stilistischer
Hinsicht und namentlich in den Darstellungen
der menschlichen Gesichter mit der altgalli-
Schen Kunst die engste Berührung erkennen
‚äßt, und Widderköpfe zeigt auch der bekannte “Gräserielde vom Filegenberge ber Troisdort, Siegkreisn
Fund von Vettersfelde. Bertrand hat daher alle
diese Erscheinungen einschließlich der gallischen Triaden auf asiatisch-buddhistische
Einflüsse zurückführen wollen, die sich zunächst über Südostdeutschland nach Däne-
mark und von dort weiter nach Ostgallien erstreckt haben sollen, und zwar denkt
er sich die Übertragung von Dänemark nach Gallien durch wandernde keltische
Stämme, die ursprünglich in Norddeutschland und der kimmerischen Halbinsel ge-
wohnt hätten und dann später nach Gallien abgezogen seien. Aber eine solche Her-
leitung ist schlechterdings ausgeschlossen; denn abgesehen davon, daß alle ver-
bindenden Zwischenglieder auf dem langen, von Bertrand angesetzten Überland-
wege fehlen, und abgesehen davon, daß auf der kimmerischen Halbinsel sicher nie-
mals keltische, sondern immer germanische Stämme gesessen haben, wird dies auch
durch die chronologischen Tatsachen unmöglich gemacht. Die Entstehungszeit des
Silberkessels von Gundestrup ist, wie dies die Ausführungen Kossinnas in höchstem
Grade wahrscheinlich machen, das 2. bis 3. Jahrhundert n. Chr. und ins 3. Jahr-
hundert ist auch die oben erwähnte Wochengöttervase vom Fliegenberg zu datieren.
Die französischen Tricephalusdarstellungen gehen dagegen, wenn sie sich auch noch
bis in die mittlere Kaiserzeit erhalten haben, in ihren Anfängen sicher in weit frühere