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Buchbesprechungen
tatsächlich zur Einführung in das jeweilige Sachgebiet geeignet sind, bleibt daher äu
ßerst fraglich.
Das Vorwort verspricht eine schnelle Übersicht und leichte bibliographische Ori
entierung. Leider dient der abschließende 46-seitige Index gerade nicht der raschen
Suche. Da die Nummerierung der Titel aus technischen Gründen offensichtlich nicht
möglich war, müssen jeweils ganze Spalten durchgesehen werden, um ein Stichwort
wiederzufinden. Insbesondere wurden die Suchbegriffe offensichtlich den erfassten
Buch- und Aufsatztiteln entnommen und sind in sich wenig stimmig. Warum das medi
zinische Fachgebiet „Psychiatrie“ pauschal dem Thema „Devianz“ zugeordnet wurde,
obwohl eine solche Wertung doch erst Ergebnis eines noch ausstehenden Forschungs
prozesses sein dürfte, muss offen bleiben. Überhaupt nahmen die Bearbeiter unglück
licherweise eine Systematisierung der Stichworte vor, die den Leser oder die Leserin bei
vielen konkreten Recherchen auf äußerst diffuse Sammelbegriffe verweist, deren Nach
vollzug langes und ermüdendes Umblättern und Suchen in den jeweiligen Spalten nach
sich zieht. Ein Autorenindex, der es ermöglicht hätte, sich zum Beispiel einen Überblick
über die Arbeiten einzelner „Pioniere“ der neuen Sozialgeschichte der Medizin oder
von Spezialisten in bestimmten Themenbereichen zu verschaffen, fehlt leider ganz.
Im Ergebnis muss festgestellt werden, dass mit dieser Bibliographie ein beachtliches
Volumen an mehr oder weniger interessanten und wichtigen Publikationstiteln zusam
mengetragen wurde, mit deren Vollständigkeit und zuverlässiger Einordnung jedoch
nicht zu rechnen ist. Bei einer überarbeiteten Neuauflage ist deshalb nicht nur auf die
Beseitigung sachlicher Fehler und die Vervollständigung der bibliographischen Anga
ben zu hoffen, sondern es sind ebenso die Bereitstellung besserer Recherchemöglich
keiten sowie nicht zuletzt auch qualitative Hinweise zur angegebenen thematischen
Literatur zu erwarten, die zumindest jüngeren Wissenschaftlern und Wissenschaftlerin-
nen tatsächlich den Einstieg in ein neues Forschungsgebiet ermöglichen.
Kassel Christina Vanja
Karl Schwarz: Jüdische Kunst - Jüdische Künstler. Erinnerungen des ersten Direktors
des Berliner Jüdischen Museums. Herausgegeben mit einer Vorbemerkung und Anmer
kungen von Chana C. Schütz und Hermann Simon. Teetz: Hentrich & Hentrich 2001,
309 S., 8 Farbabb., 43 Schwarzweißabb. (Jüdische Memoiren, 4).
Seit den 1980er Jahren erschienen in Deutschland viele Autobiografien von Juden
aus den unterschiedlichsten Regionen, Berufen und Zeiten, denn das Interesse an diesen
Persönlichkeiten ist allgemein hoch. Der vorliegende Band ermöglicht einen Einblick in
das Leben von Dr. Karl Schwarz, geboren 1885 in München, gestorben 1962 in Tel Aviv,
Kunsthistoriker, Zionist, Leiter des Jüdischen Museums in Berlin bis 1933 und danach
des Tel Aviver Museums. Nach Dr. Willy Cohn, Mitarbeiter am Jüdischen Museum in
Breslau, dessen Autobiografie 1995 erschien, ist damit ein sehr intimer Zugang zu einer
weiteren Persönlichkeit des jüdischen Museumswesens der Weimarer Republik mög
lich. Dies ist um so mehr zu begrüßen, als die meisten Quellen über die Jüdischen
Museen im Zuge des Novemberpogroms 1938 vernichtet wurden. Schwarz begann
seine Aufzeichnungen 1940 in Palästina und dürfte zuletzt 1957 daran gearbeitet haben.
Es handelt sich also um eine Niederschrift aus der Perspektive eines Emigranten, wäh
rend Cohn aus der Sicht des in Breslau Verfolgten schrieb.