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‚st, so hat die Sünde vielleicht doch etwas mit der Blindheit zu tun. In der Darstellung
des Herabstürzens in Tamoanchan ist, wie wir sehen werden, der Begriff der Sünde
ebenfalls mit untergelaufen, obwohl die Interpreten hier nur im Hinblick auf das christliche
Paradies von Sünde sprechen, Heißt doch Teteoinnan, beziehungsweise Xochiquetzal in
ihrer Eigenschaft als erste Frau, die gesündigt hat, auch »itzpapalotl, diosa de la
vasıra y pecado«,') d. h. sie trägt den Namen der Herrin von Tamoanchan. Ferner
scheint die erwähnte im C. Laud (29) auf einem Toten sitzende Göttin (Teteoinnan?) mit
verbundenen Augen die Todesstrafe für eine begangene Sünde auszudrücken, was aus
späteren Erörterungen hervorgehen wird.
In Boturinis »Idea de una Nueva Historia General de la America Septentrional«
(16 f.)?) wird ein Gott Teotlacanexquimilli aufgeführt, der der Patron der unehelich
Geborenen gewesen und von der »Diosa Venus que diximos rustica y deshonesta«, d.h.
der Tlagolteotl, begleitet gewesen sei. Entsprechend den verhüllten Augen Itzlacoliuhquis heißt
nun tlacanexquimilli »der ganze Mensch mit Asche verhüllt«, und Teotlacanexquimilli erklärt
Boturini dementsprechend als »vulto cenieiento, vulto de obseuridad y neblina, o dios sin
pies ni cabeza,« d. h. als Nachtgestalt. Sahagun (V, C. 12) erwähnt unter dem Namen tlaca-
nexquimilli Spukgestalten (fantasmas) ohne
Kopf und Füße, reale Blendwerke Tezeat-
'ipocas, die in der Nacht umgehen. Das alles
larf man für einen weiteren Hinweis auf
die Ideenverwandtschaft von Nacht, ver-
yundene Augen und Sünde, beziehungsweise
Strafe ansehen.
Daß die Bußübungen vorzugsweise in
ler Nacht vorgenommen wurden, ist bekannt.
Selbstverständlich geschah das deshalb, weil
lie betreffenden strafenden Gottheiten gerade
dann ihr Wesen trieben und mit Strafen drohten.
50 ist wohl auch Cinteotl, der der Maisgott,
aber auch Itztlacoliuhqui, der der furchtbare
Gott der Fröste ist, die die Saaten vernichten,
dazu gekommen, ein Gott der Strafe für begangene Sünden zu werden. Denn wenn
Tezcatlipoca gelegentlich für ihn eintritt, der als Gott der Strafe bekannt ist, so muß man
doch erwarten, daß auch der eigentliche Itztlacoliuhqui, d. h. der Maisgott, als Gott der
Kälte gedacht, zugleich der die Sünder strafende Gott ist. Diese Verbindung kann nur so
hergestellt werden, daß durch die die Saaten vernichtenden Nachtfröste der schreckliche.
in der Nacht umgehende strafende Gott gekennzeichnet wird. Bekannt ist die Darstellung
eines Schneefalles, die große Hungersnot zur Folge hatte (Abb. 52). So ist augenscheinlich
die Angabe, daß die Menschen dabei starben, aufzufassen. Die Ursache ist die Vernichtung
der Felder, Freilich wird man kaum an Schnee dabei denken können, da er im Sommer
nicht vorkommt und im Winter äußerst selten ist, wohl aber an Hagel oder Frost. Neben
großer Dürre*) wird ebenso oft auch Frost als Anlaß einer Hungersnot erwähnt. So
heißt es z. B. bei Torquemada (II, C. 47): Unter der Regierung Motecuhcomas des
Älteren »entstand eine fast allgemeine Hungersnot auf der ganzen Tierra fria, denn zur Zeit.
als die Felder schon junge Maiskolben trugen (d. h. als die Ähren noch nicht reif waren).
5% T’-n tantas nieves, que morian los ombres.«
* Mall „-Pem. PR] 29 4
‘) C. Tell.-Rem, Bl. 18, 2. 3, 1.
) Siehe Seler, Tonalamatl in Congres Internat. des Americanistes. VII, 648 f.
‘\ Siehe z. B. Torauemada, Il C. 73.