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Volltext: Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, 3.F. 3=33.1903

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‚st, so hat die Sünde vielleicht doch etwas mit der Blindheit zu tun. In der Darstellung 
des Herabstürzens in Tamoanchan ist, wie wir sehen werden, der Begriff der Sünde 
ebenfalls mit untergelaufen, obwohl die Interpreten hier nur im Hinblick auf das christliche 
Paradies von Sünde sprechen, Heißt doch Teteoinnan, beziehungsweise Xochiquetzal in 
ihrer Eigenschaft als erste Frau, die gesündigt hat, auch »itzpapalotl, diosa de la 
vasıra y pecado«,') d. h. sie trägt den Namen der Herrin von Tamoanchan. Ferner 
scheint die erwähnte im C. Laud (29) auf einem Toten sitzende Göttin (Teteoinnan?) mit 
verbundenen Augen die Todesstrafe für eine begangene Sünde auszudrücken, was aus 
späteren Erörterungen hervorgehen wird. 
In Boturinis »Idea de una Nueva Historia General de la America Septentrional« 
(16 f.)?) wird ein Gott Teotlacanexquimilli aufgeführt, der der Patron der unehelich 
Geborenen gewesen und von der »Diosa Venus que diximos rustica y deshonesta«, d.h. 
der Tlagolteotl, begleitet gewesen sei. Entsprechend den verhüllten Augen Itzlacoliuhquis heißt 
nun tlacanexquimilli »der ganze Mensch mit Asche verhüllt«, und Teotlacanexquimilli erklärt 
Boturini dementsprechend als »vulto cenieiento, vulto de obseuridad y neblina, o dios sin 
pies ni cabeza,« d. h. als Nachtgestalt. Sahagun (V, C. 12) erwähnt unter dem Namen tlaca- 
nexquimilli Spukgestalten (fantasmas) ohne 
Kopf und Füße, reale Blendwerke Tezeat- 
'ipocas, die in der Nacht umgehen. Das alles 
larf man für einen weiteren Hinweis auf 
die Ideenverwandtschaft von Nacht, ver- 
yundene Augen und Sünde, beziehungsweise 
Strafe ansehen. 
Daß die Bußübungen vorzugsweise in 
ler Nacht vorgenommen wurden, ist bekannt. 
Selbstverständlich geschah das deshalb, weil 
lie betreffenden strafenden Gottheiten gerade 
dann ihr Wesen trieben und mit Strafen drohten. 
50 ist wohl auch Cinteotl, der der Maisgott, 
aber auch Itztlacoliuhqui, der der furchtbare 
Gott der Fröste ist, die die Saaten vernichten, 
dazu gekommen, ein Gott der Strafe für begangene Sünden zu werden. Denn wenn 
Tezcatlipoca gelegentlich für ihn eintritt, der als Gott der Strafe bekannt ist, so muß man 
doch erwarten, daß auch der eigentliche Itztlacoliuhqui, d. h. der Maisgott, als Gott der 
Kälte gedacht, zugleich der die Sünder strafende Gott ist. Diese Verbindung kann nur so 
hergestellt werden, daß durch die die Saaten vernichtenden Nachtfröste der schreckliche. 
in der Nacht umgehende strafende Gott gekennzeichnet wird. Bekannt ist die Darstellung 
eines Schneefalles, die große Hungersnot zur Folge hatte (Abb. 52). So ist augenscheinlich 
die Angabe, daß die Menschen dabei starben, aufzufassen. Die Ursache ist die Vernichtung 
der Felder, Freilich wird man kaum an Schnee dabei denken können, da er im Sommer 
nicht vorkommt und im Winter äußerst selten ist, wohl aber an Hagel oder Frost. Neben 
großer Dürre*) wird ebenso oft auch Frost als Anlaß einer Hungersnot erwähnt. So 
heißt es z. B. bei Torquemada (II, C. 47): Unter der Regierung Motecuhcomas des 
Älteren »entstand eine fast allgemeine Hungersnot auf der ganzen Tierra fria, denn zur Zeit. 
als die Felder schon junge Maiskolben trugen (d. h. als die Ähren noch nicht reif waren). 
5% T’-n tantas nieves, que morian los ombres.« 
* Mall „-Pem. PR] 29 4 
‘) C. Tell.-Rem, Bl. 18, 2. 3, 1. 
) Siehe Seler, Tonalamatl in Congres Internat. des Americanistes. VII, 648 f. 
‘\ Siehe z. B. Torauemada, Il C. 73.
	        
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