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Volltext: Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, 3.F. 3=33.1903

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Seine Augen endlich sind mit einem Tuche verbunden oder fehlen überhaupt, es 
ist offenbar lediglich der Ausdruck der schwärzesten Nacht, die den Mexikanern der In- 
begriff aller Schreckgestalten ist, ja noch mehr als Nacht, die doch nie ganz dunkel ist. 
Ein einfacher gekrümmter Strich war ihnen das im Tode geschlossene Auge, das aus 
seiner Höhle getriebene Auge galt als Sinnbild des Opfers, der Selbstmarterung; hier war 
ein drittes besonders dämonisches Bild gefunden. Es ist sonst nur noch bei dem weib- 
lichen Dämon zu finden, der im C. Borgia (47) die Reihe der fünf Ciuapipiltin einleitet, 
bei den Erd- und Todesgöttinnen C. Borgia (31) und bei der Erdgöttin im C. Laud 
/29), die wohl die Teteoinnan-Tlagolteotl, das Herz der Erde, vorstellen soll, und die auf 
pinem Toten sitzt. Endlich ist ein Mensch in der Darstellung Tamoanchans, des 
Hauses des Herabsteigens, mit verbundenen Augen gezeichnet.') Dieser Ort ist zwar 
Xochitlicacan, Ort der Blumen genannt, ist aber 
auch, weil man dort in die Unterwelt herabstieg. 
ein Aufenthalt des Schreckens, dessen Patron der 
furchtbare Itzpapalotl ist. Ein Tempel, von Nacht 
erfüllt, mit einem Opfermeser mitten darin, deutet 
im C. Borbonicus auf diese Unterwelt hin. Im 
Aubinschen Tonalamatl ist dem Menschen mit 
verbundenen Augen der Kopf vom Rumpf getrennt, 
d. h. er ist geopfert. Das Symbol von Tamoanchan 
ist ein gebrochener, blutender Blütenbaum, der ent- 
sprechend den Interpreten und den Angaben der 
historischen Quellen schließlich in der Tat nichts 
anderes als ein Zeichen des Schreckens, ein Porten- 
tum ist, hergeleitet von der Bedeutung des Todes. 
des Herabstürzens, was ursprünglich durch den 
Bruch gekennzeichnet ist (vergleiche Abb. 51). 
Haben doch viele Indianer und andere Naturvölker die Sitte, die Geräte, die sie den Toten in 
die andere Welt mitgeben wollen, zu zerbrechen, um sie dadurch auch dem Tode zu über- 
liefern. Dahin gehören auch die zerrissenen blutenden Feuerschlangen, der zerbrochene Stein- 
reiber auf dem Mahlstein, die zerbrochenen spitzen Opferknochen und die zahlreichen 
übrigen geborstenen Dinge, die in den Bilderhandschriften vorkommen. In diese ganze 
Tamoanchan-Gruppe gehört nun auch das Schreckbild des verbundenen Auges, 
Doch könnte es noch eine prägnantere Bedeutung haben, nämlich die der Sünde oder 
Strafe dafür. Im C. Telleriano-Remensis (Bl. 16, 2) heißt es zu dem Namen Itztlacoliuhqui 
der zwölften Woche: el sefor del pecado o cequedad y asi lo pintan los 0jos atapados. 
Verblendung (Blindheit) und Sünde aufeinander zu beziehen, ist zwar für einen Pater 
absolut selbstverständlich, so daß man dieser Verbindung nicht von vorneherein trauen 
darf. Unter Sünde wird man wohl im Mexikanischen das Unterlassen irgend einer 
religiösen Verpflichtung, Opfer, Selbstpeinigung u. dgl. m. verstehen können, so daß alle 
Bußübungen überhaupt etwas mit Sünde zu tun haben, nämlich insofern, als sie dadurch 
ferngehalten oder gebüßt wurde. Außerdem aber galt besonders Ehebruch und unerlaubtes 
Pulquetrinken als Sünde, das kraft des bürgerlichen Gesetzes sogar mit dem Tode bestraft 
wurde, aber auch unter der Verfolgung der Götter steht. Da nun die genannte 
Teteoinnan und die Ciuapipiltin diejenigen Gottheiten sind, vor denen man für den Ehe- 
hruch Buße tut. und Itztlacoliuhaui auch besonders der Gott der Strafe für den Ehebruch 
\bb. 51. Xochitlieacan-Tamoanchan. C, Borg. 24. 
; I5 Waorhe der Bilderschriften.
	        
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