Wir finden hier das diluviale Pferd (Equus caballus)
nit dem pliocänen (Equus Stenonis), das diluviale
Mammuth (Elephas primigenius mit dem pliocänen
Elephas meridionalis und Elephas antiquus, den
Höhlenbären Ursus spelaeus und den pliocänen Bären
Ursus arvernensis, den pliocinen Machairodus und
die diluviale Hyaena spelaea sive crocuta mit dem
Canis lupus und Canis vulpes, Mustela martes, dem
Gulo luscus und die Lutra vulgaris; wir treffen
hier das pliocäne Trogontherium Cuvier1 und den
diluvialen Castor fiber, den Cervus elaphus, Cervus
alces und Cervus capreolus mit den pliocänen
Hirschen, Cervus Sedgwickii Falconer, Cervus vertisornis,
Cervus Polignacus, das pliocäne Flusspferd
(Hippopotamus major) und das pliocäne Nashorn
"Rhinoceros etruscus) mit dem. diluvialen Auerochsen
Bos bison und dem Urochsen Bos primigenius u. s. w.
u. 8. W.')
Derartige Mischfaunen treffen wir auch an in
den Sand- und Kiesablagerungen von Saint-Prest
‘Eure-et-Loire), Chagny (Saöne-et-Loire), Durford
‘Gard), im Sande von Leffe (Lombardei ete,) im
Arnothale u. s, w.
Hieraus geht mit aller Evidenz hervor, dass
sich die diluvialen Vertreter aus tertiären endemisch
nicht haben entwickeln können und dass sie daher
eingewandert sind.
Die Wege führen uns nach Osten, nach Asien,
und vornehmlich nach Sibirien?); hier mögen sie
‚ängere Zeiten verweilt haben, aber ihre Wiege liegt
wahrscheinlicherweise nördlicher, nämlich in den
eircumpolaren Ländern, aus denen sie mit den herabrückenden
Waldungen gegen Süden und dann gegen
Westen vorgedrungen waren.
Die jetzige arktische Fauna besteht aus blossen
Relicten der ehemaligen zahlreichen Thierwelt; nur
jene wenigen Arten sind in der Polarwelt zurücknachträglich
von Neuem mit Gestalten bevölkert zu sein, die
von Asien her von der neuerdings spriessenden Nahrung sich
anlocken liessen.
ı) Vgl. E T. Nzxwrox: The Vertebrata on the pliocene
Deposits of Britain 1891, pag. 114—116, und W. Boyp DaAwsısns:
In the alleged Existence of Ovibos moschatus in the Forestbed
and on its Range in Space and Time, Quartely Journal
of the Geological Society of London 1883, pag. 571—581.
2?) Der Moschusochs (ovibos moschatus) kommt allerdings
jetzt weder in Sibirien noch auf den Inseln des sibirischen
Eismeeres vor; allein seine Reste werden in den diluvialen
Ablagerungen Sibiriens und Russlands häufig genug gefunden.
(Tscnurskr, Wissenschaftliche Resultate, 1892, S. 153—186. —
Nıxz. Dimitri Anortsaumx, Ovibos fossilis (Moskau 1890 russisch
— Ovcebyk von dem Lenaufer.)
zeblieben bezw. zurückgewandert, die sich an die
ı1arten Lebensbedingungen im Laufe der Zeit accomnodirt
haben.
Unsere Wandervögel verkünden uns zweimal des
Jahres, dass ihre Urheimat in der Polaris liegt.
IV. Die Flora.
Welch’ einen fesselnden Anblick gewähren uns
m Sommer unsere Gefilde!
Die reifenden Saaten gleichen einem breiten
Strome, einem sanft wellenden Wasser, die hoch
amporgeschossenen Maisstämme bilden förmliche
Jaine, üppig grünende und buntgeschmückte Erdipfelfelder,
weithin ausgedehnte Rübenlehnen lachen
ıns entgegen und von den Gehängen verkünden die
zut‘ bestellten Weinberge, sowie die sorgsam cul-:ivirten
Obstbäume eine reichliche Ernte; in der
Terne breitet sich die Wiese aus, eingesäumt vom
ıohen Laub- und Nadelwalde.
Ob dies Alles von jeher so war? fragen wir unwillkürlich;
so war es gewiss nicht von jeher, auch
lie Flora eines Landes hat ihre Geschichte.
Unsere Flora. gleicht einem prächtigen Mosaikbilde,
zusammengesetzt aus verschieden gefärbten,
aber auch verschieden alten Steinchen.
Aus diesem Bilde nehmen wir also die in der
ıistorischen Zeit eingesetzten Steinchen für die
Cartoffelpflanze. (Solanum tuberosum, eingeführt aus
\merika 1565), für den Türkenweizen (Zea Mays,
äungeführt nach dem Jahre 1493 aus Südamerika),
lie Weinrebe und sämmtliche OÖbstarten!) heraus.
Die Rübe, die Hülsenfrüchte und die Getreidearten
eichen zwar in .die prähistorische Zeit hinein (vor
lie Geburt Christi), allein in die diluviale Periode
steigen sie nicht hinab; in dieser haben wir es nur
mit der wilden Flora zu thun. \
An der Schwelle des Diluvium in dem präzlacialen
Abschnitte finden wir unsere Waldbäume,
lie eigentlichen Träger der Flora (an den Wald
xnüpft sich das Unterholz und eine Menge von
Waldpflanzen; den Wald säumen die Ränder und
1) Wildlinge von Birnbäumen (Pyrus), Aepfelbäumen (Pyrus
malus), Mispeln (Mespilus), Eberesche (Sorbus), Pflaumen
Prunus) waren in den Wäldern gewiss häufig; aber die ver-»delten
Sorten, das Impfen und Pfropfen wurden eingeführt.
Die .Weinrebe (Vitis) und der Nussbaum (Juglans)
kehrten in veredelter Gestalt in ihre alte tertiäre Heimat
murück, Vgl. A, v5: CAnDoLLe, Origine des plantes cultivees,
‚886, pag. 23—350. V. Henn, Culturpflanzen und Hausthiere,
‚887, 8. 59, 135, 157, 175, 310, 318, 348 ete.