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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 18=28.1898

OÖ —

Wir werden gleich sehen, dass in den circumpolaren
 Gebieten die Wiege unserer Wälder (ja unserer
Flora) war.
Die Wälder und die von ihnen eingeschlossenen
Wiesen, Raine, sowie die sie umgebenden Gehänge
3zind - gemeiniglich der Aufenthaltsort der Thiere;
wandern die Wälder, so wandert auch ihre Fauna *).
Wenn wir also die eireumpolaren Länder als’ die
Wiege der Wälder und der Säugethiere annehmen,
so ist deren Verbreitung auf eine höchst einfache
und naturgemässe Weise aufgeklärt; sonst aber
oleibt sie ein Räthsel. .
Allerdings hat sowohl die paläarktische als auch
die nearktische Region ihre eigenen charakteristischen
Thierarten; dies kann ja nicht anders sein, denn
selbst bei dem Vorhandensein jener circumpolaren
Wiege oder der Polaris mussten sich in den grossen
Continenten auch noch andere Thierarten selbstständig
 entwickelt haben.
Auch die Verbreitung der tertiären Fauna bestätigt
 uns diese Thatsache, obwohl unsere Kenntnisse
in dieser Richtung noch sehr lückenhaft sind und
gs auch bleiben, selange uns nicht die tertiären, in
Sibirien und den eircumpolaren Ländern eingebetteten
Thiere bekannt sein werden 3).

und das nördliche Nordamerika an (die Existenz eines dritten
in Centralasien sei nicht ausgeschlossen, aber noch nicht
hinreichend mit Thatsachen belegt). Wir sehen, es fehlt nur
noch ein Schritt zu unserer Polaris, der sich aber vom
zoogeographischen, phytopaläontologischen und pflanzengeographischen
 Standpunkte aus von selbst ergibt. Ueber die
diluvialen Thiere schreibt SchHLosser (in den Beiträgen zur
Paläontologie Oesterreich-Ungarns, 1891, Bd. VIII, S. 106):
„Die diluvialen Typen stammen aller Wahrscheinlichkeit nach
aus Asien und sind so ziemlich gleichzeitig nach Nordamerika
ınd Europa eingewandert.“
ı) Hiemit ist allerdings nicht gesagt, dass alle höher
organisirten Thiere an den bezüglichen Wald gefesselt wären;
wir wissen ja, dass der Machairodus, das Mastodon, der
Tapirus u. s. w. aus den pliocänen Walddistrieten Nordamerikas
 nach Südamerika gewandert sind, ohne dass zugleich
 die nordamerikanische Waldflora mit übersiedelt war.
Indess verlassen nicht alle diese leicht beweglichen Thierarten
 ihren Heimatswald, sondern nur die auswanderungslustigen
 oder die zum Auswandern gezwungenen Individuen;
der Stamm verbleibt und erst mit dem Walde selbst verlassen
 sie den alten Standort.
Käfer, Hautflügler, Schmetterlinge, Spinnen, Ameisen,
Schnecken u. s. w. müssen mit dem Walde weiter rücken
oder sie gehen zu Grunde.
?) Ueber die tertiären Säugethiere Europas und ihre Horizontirung
 vgl. Max ScHLosser in den Beiträgen zur Paläontologie
Oesterreich-Ungarns, VIILBd., 1—268, VI. Bd., S. 1—54, 80—144,
VII, 107—162, dann in den Paläontographica, 1884, Bd. XXXI,

Immerhin können wir aber jetzt schon sagen:
%i) Zur miocänen Zeit hatte Europa mit Nordiber
 Nager, S. 19—161 und 323—328, und Morphologisches
"ahrbuch, 1888, Bd. XII, S.1—136: Ueber Hufthiere. Ueber jene
Vordamerikas vor Allen das wichtige und klare Werk von
Joser LeiDy, The extinet mammalian Fauna of Dacota and
Nebraska mit 30 Tafeln. Philadelphia 1869, Zuerst Geologie
ler Tertiärformation von Prof, HAypens, S. 9—21, dann Paläntologie
 von Ley, S, 23-—472, dann die vielen Arbeiten von
%. D. Core, 0. C. Marsn, Scorr and Ossorn, Ueber Südımerika
 hauptsächlich das grosse Werk von F. AmMzGEINO:
Jontribuciones al conocimiento de les Mamiferos fossiles de
a republica Argentina, mit einem Atlas von 2000 Figuren,
3uenos Aires 1889, und die Schriften von H. BurmMEeIıstER,
Joreno u. s. w. — Ueber europäische wichtige Fundorte verzleiche
 noch: ALBERT. GAUuDrRY, Animaux fossiles du Mont
L6beron (Vaucluse). Etude sur les Vertebr6s. Paris 1873, pag. 1
dis 180, Pl. I—XXI (mit Leberon sind nach Gauprry gleichzeitig
 Pikermi, Baltavär, Concud). PAvurL Gervars, Zoologie et
Paleontologie francaise, pag. 1—544, mit einem grossen Atlas.
— C. J. Forsyrm Mayor, Considerazioni sulla Fauna dei
Mammiferi pliocenici et postpliocenici della Toscana in den
\tti de la societh Toscana di scienze naturali residente in
?jsa Vol. I, 1875, Abhandlung in drei Theilen, S. 740 und
5, 223, Ueber die Fauna aus dem oberen Arnothale, S. 224
is 245, aus dem unteren Arnothale und im II. Bd , Jahrg. 1877,
53. 207—227, Ueber Caniden, — Franz ToviA, Ueber einige
;äugethierreste von Görlach bei Turnau in Steiermark. Jahrbuch
ler k. k. geologischen Reichsanstalt, 1884, Bd. XXXIV, S. 385
is 401. — Derselbe, Ueber Amphicyon, Hyaemoschus und
Ahinoceros von Turnau. Sitzungsberichte der kaiserl. Akaiemie
 der Wissenschaften, 1884, Bd. XC, Separat, S. 1—21.
— EnovArD Svtzss, Ueber die grossen Raubthiere der öster-’eichischen
 Tertiärablagerungen. Sitzungsberichte der kaiser].
\kademie der Wissenschaften, 1860, Bd. XXXIX, 8. 217 bis
232 (handelt über Baltavär). — Ueber dieselbe Localität
). Pzraö, Ueber die fossilen Säugethierüberreste von Baltavär
m Supplement zum Földtani Közlöny, Bd. XV, 1885, S. 455
is 464, und im ungarischen Texte, S. 273—283. — R. Hozunzs,
Säugethierreste aus der Braunkohle von Görlach bei Turnau
n Steiermark. Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt,
‚882, Bd. XXXII, S. 153—164. — Derselbe, Ueber Anthrazsotherium
 magnum von Trifail daselbst, 1876, Bd. XXVI,
3. 209—242, — Derselbe, Ueber die fossilen Säugethierfaunen
ler Steiermark. Separat aus den Mittheilungen des naturvissenschaftlichen
 Vereines für Steiermark, 1877, S. 1—325.
X. Frırscn, Das Pliocän im Thalgebiete der zahmen Gera in
"hüringen. Jahrbuch der königl. preussischen geologischen
‚andesanstalt, 1885, S. 389—437. — R, A. Wzırsorer, Die
‘ossilen Proboscidier des Arnothales in Toscana in den Beiträgen
zur Paläontologie Oesterreich-Ungarns, 1891, Bd. VII, S. 107
is 240. — Derselbe, Die fossilen Hyänen des Arnothales in
ien Denkschriften der kaiserl, Akademie der Wissenschaften,
889, Bd. LV, S. 1—24. — Derselbe, Ueber die tertiären
‚andsäugethiere Italiens im Jahrbuche der k.k geologischen
geichsanstalt, 1889, Bd, XXXIX, 5. 55—82, — FrRızDrRICH TELLER,
Neue Anthracotherienreste aus Südsteiermark und Dalmatien
ın den obigen Beiträgen, 1886, Bd. IV, S. 45—133. — MicHAEL
/ACEK, Ueber österreichische Mastodonten und ihre Beziehungen
            
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