verbreitet erscheint, nämlich die der Beutelratten
‘Didelphyidae); diese wanderten aus Süd- nach Nordamerika
erst in der postpliocänen Zeit ein. -
Es sprechen viele Umstände (insbesondere auch
Aoristische) dafür, dass Südamerika, Südafrika und
Australien ehemals mit einander ‘verbunden waren
(vielleicht auch die circumpolaren Länder der südlichen
Hemisphäre, allwo eine zweite Wiege der
speciell südlichen Fauna- und Floraformen stand).
Die paläontologischen Funde aus Südamerika
bekunden die überraschende Thatsache, ‚dass dieser
Continent bis zur pliocänen Epoche mit Nordamerika
nicht zusammenhing, sondern durch lange Zeiträume
für sich abgeschlossen ein selbstständiges Entwicklungscentrum
für eine höchst merkwürdige
Fauna bildete. Erst in der pliocänen Zeit entstand
eine Landbrücke, die es ermöglichte, dass Landsäugethiere
von Süden nach Norden und umgekehrt
wandern konnten; viele Formen aber verblieben in
ihren alten Sitzen und machen die höchst eigenthümlichen
Gestalten Südamerikas aus, z. B. die Faulthiere
(Bradypoda), der Ameisenbär (Myrmaecophaga),
das Gürtelthier (Dasypus), die Gürtelmaus (Chlamydophorus),
platyrhine Affen (Cebidae mit Greifschwanz
und Pithecidae mit schlaffem Schwanze),
Krallaffen (Hapalidae), Meerschweinchen (Caviidae),
Dasyprocta (Aguti), Dolichotis (Mara), Chinchilla
(Wollmaus), Lagidium (Hasenmaus), Lagostomus ( Viscacha).
Südamerikas eocäne und miocäne Säugethierreste
verrathen ebenfalls eine ganz eigenthümliche Fauna;
es sind keine Anzeichen vorhanden, die auf eine
Verbindung mit Nordamerika oder mit der nordweltlichen
Fauna hinweisen würden; erst im Pliocän
Iringen die nordamerikanischen Formen: Tapirus,
Auchenia (Lama), Hippidium, Mastodon, Canis, später
Jlann Equus, Machairodus, Felis, Mephitis (Stinkthier),
Lutra, Nasua (Rüsselbär), Dicotyles (Pecarischwein),.
Cervus, Lepus in Südamerika ein ?).
ı) Vgl. A. R. Wangacg, Die geographische Verbreitung
der Thiere. — W. Marscnaıı, Atlas der Thierverbreitung,
1889. — Brenn, Thierleben. — Lunwıe, LEunıss, Synopsis
Thierreich, I, S. 155—208. — K.L ScmmarDa, Geographische
Verbreitung der Thiere, zweites Buch, 5. 226—582, — Fr.
Ave, Quensteprt, Petrefactenkunde 1885 besonders über Edentata
(Megatherium, Megalonyx, Mylodon, Dasypus, Chlamydotherium,
Toxodon u. s. w. S. 59—66). Didelphys und
Monotremata (118—120)., — K. A. Zırrgr, Paläontologie,
IV. Bd. Mammalia. — Dr. Runosr Hozanks, Paläontologie,
S. 519570. — F. J. Pıcrer, Trait@ de Paleontologie, I,
:27—399, Mammiferes.
Mittheilungen d. Anthrop. Gesellsch. in Wien. Bd. XXVIIL 1898.
Das grossartigste und für uns das wichtigste Entvicklungscentrum
bildet aber die eben genannte
\rctogaea.
Wir werden dies sofort leicht einsehen.
Europa muss als ein Appendix von Asien beyachtet
werden; die Fauna beider war in den früheren
Derioden fast identisch und ist es zum grossen Theile
»is jetzt.
Nachstehende Thierarten leben in dem alten wie
{em neuen Continente, d. i. im paläarktischen und
ı1earktischen Gebiete (Region):
Il. Canidae: 1. Lupus, der Wolf; 2. C. vulpes,
Jer gemeine Fuchs; 3. C. lagopus, der Eisfuchs,
II: Mustelidae: 1. Mustela canadensis, Abart
Jer M. martes; 2. Gulo borealis, der Vielfrass.
II. Ursidae: 1. Ursus ferox, Abart des Ursus
ırktos; 2. Ursus maritimus, Eisbär.
IV. Felidae: 1. Felis Iynx, der Luchs variatio
;anadensis seu borealis und Lynx rufus.
V. Cervidae: 1. C. alces, das Elen; 2. C,
;arandus, das Rennthier; 3. C. canadensis varlatio
maral.
VI. Bovidae: Bison americanus = Bos bison =
Bison europaeus == Auerochs; 2. Ovibos == Moschusıchs
(in Asien ausgerottet).
VII. Ovina: 1. Caprovis varlatio Ovis montana
Dickhornschaf.
VIII. Rodentia: 1. Arvicolidae = Wühlencatten;
2. Myonidae = Lemminge; 3. Castor fiber
— der Biber variatio canadensis; 4. Arctomys Ludovicianus,
Abart: von Arctomys Boback; 5, Sciurus
:inereus = Katzeneichhörnchen; 6. Tamias ameri-3anus,
Backenhörnchen. Abart von Tamias striatus,
sibirisches Backenhörnchen; 7. Spermophilus Hoodi
Richardson, Leopardenziesel, Abart von Spermophilus
zitillus; 8. Pteromys volucella (Assapan), virginisches
Alughörnchen, Abart von Pteromys vulgaris von
Sibirien; 9. Jaculus hudsonianus, Hüpfmaus, Abart
zon Dipus; 10. Lepus variabilis, Schneehase; 11.
Lagomys, der Pfeifhase.
Die Verbreitung dieser langen Reihe von Thierırten,
die über die genannten Continente sich erstreckt,
zwingt uns zum ernsten Nachdenken über
Jie Wege, welche diese Thiere gewandelt sind und
wo ihre eigentliche Wiege ın der grossen Arktogaea
stand !).
1) Max ScnLosser (Biologisches Centralblatt 1888—1889,
3A. VIII: Ueber Beziehungen der ausgestorbenen Säugethier-'auna
und ihr Verhältniss zur Säugethierfauna der Gegenwart)
immt zwei Hauptentwicklungscentra, nämlich Mitteleuropa