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Vom paläontologischen und zoogeographischen
Standpunkte aus müssen wir erwarten, dass bei
weiteren Forschungen in Sibirien Höhlenbärenreste
werden gefunden werden; der Höhlenbär erscheint
gleichzeitig mit den grossen Grasfressern, die aus
Sibirien kamen, er muss also mit ihnen auch eingerückt
sein’).
Der Riesenhirsch lebte zur Diluvialzeit auch in
Sibirien; seine Form ist so verschieden von den
pliocänen Hirschen, dass an eine endemische Differenzirung
nicht gedacht werden kann; wir müssen daher
annehmen, dass auch der Riesenhirsch aus
Sibirien zu uns eingewandert sel.
In unseren diluvialen Ablagerungen treffen wir
Reste eines Löwen, einer Hyäne, eines Leoparden
an, also Thiere, die heute in den warmen Gegenden
des Südens zu Hause sind und von denen sich die
Jiluvialen artlich nicht unterscheiden lassen.
Unser Leo spelaeus ist mit dem Felis Leo,
unsere Hyaena spelaea mit der Hyaena crocuta
ı) Ueber die charakteristischen Unterscheidungsmerkmale
zwischen Ursus spelaeus und Ursus arctos werde ich in meiner
Monographie über fossile Thierreste Mährens das Nähere mitheilen.
Hier bemerke ich nur Folgendes:
a) Tscmersxi („Wissenschaftliche Resultate“, S. 71 u. 456)
negirt das Vorhandensein von Höhlenbärenresten in Sibirien
und schreibt, dass auf der Ljachowinsel ein oberer Reisszahn
von Ursus arctos aufgefunden wurde, Dieser Zahn, herrührend
von einem jungen Thiere, misst an der Krone 25°5 mm; wir
haben derartige Zähne von Höhlenbären mit 17—21 and 24mm;
warum soll denn dieses Ljachower Exemplar von dem braunen
Bären und nicht vom Höhlenbären abstammen? Ein Reisszahn
(Pr,) per 25°5 mm Länge bekundet ja einen ausserordentlich
grossen Höhlenbären.
Wenn hier nicht ein Lapsus calami vorliegt (mir scheint,
28 sei der fragliche Zahn ein Molar [M,]), so haben wir thatzächlich
einen Höhlenbären vor uns.
Dies muss ich aber doch entschieden bestreiten, dass
man bei einem einzelnen Reisszahne aus der Form die Species
Ursus spelaeus und Ursus arctos mit Sicherheit bestimmen
könne.
b) Franz BRANDT ( „Meine Untersuchungen in den altaischen
Höhlen“) kennt zwischen Ursus spelaeus und Ursus arctos
keinen anderen Unterschied, als den frühen Ausfall der
falschen Backenzähne; dieses Merkmal aber ist nicht durchgreifend;
es kann also auch hier nicht mit Sicherheit angenommen
werden, dass in den altaischen Höhlen nicht
Höhlenbärenreste vorgefunden wurden. Aus den pliocänen
Formen Ursus arvernensis oder Ursus minutus oder Ursus
etruscus konnte ein Ursus spelaeus sich endemisch nicht
Jifferenzirt haben. Vgl. meine Monographie über das Verhältniss
der diluvialen Fauna zur tertiären Fauna in den
Berichten der Societas Physiocratica. Prag 1895, II. Heft,
S. 1868
ınd unser Höhlenleopard mit Felis pardus artlich
dentisch *).
Man könnte sie am entsprechendsten als fossile
Varietäten betrachten und sie bezeichnen: Felis leo
'ossilis, Hyaena crocuta fossilis und Felis pardus
ossilis, womit zugleich deren diluviales Alter bestimmt
wäre.
Diese Carnivora sind aber zu uns nicht aus
\frika eingewandert, sondern sie erspähten die Gras-'resser
schon in Mittel- und Nordasien und bezleiteten
sie nach Europa.
Zur glacialen Zeit werden sie sich wohl für den
Winter nach dem Süden begeben haben, um im
Sommer ihre alten Reviere aufzusuchen; so wenigstens
lässt sich das ziemlich reichliche Auftreten
1) Ich kann nicht der‘ von F, Fırmor vertretenen Ansicht:
‚Nous pensons en consequence qu'il n’y a pas lieu de con-‘ondre
le felis spelaea avee Lion actuel et qu'il y a lieu de
‚onsiderer comme une espece distincete sous le nom leo
‚pelaeus“ (in seiner „Description des ossements de felis
‚pelaea“ etc. 1871) beitreten,
In diesem Falle, sowie überhaupt in den Fällen, wo es
‚ich um die Bestimmung fossiler Knochen handelt, muss
nan sich immer die Frage stellen: Treten die von dem
Torscher wahrgenommenen Unterschiede zwischen der recenten
ınd der fossilen Art constant bei den fossilen Funden auf
‚der nur bei diesem oder jenem speciellen Funde? Sind diese.
Interschiede constant und auch charakteristisch, so liegt
‚lerdings Grund genug vor, eine von: der recenten unter-‚cheidbare
Species zu schaffen; ist dies nicht der Fall, so
nuss man vor Allem individuelle Form und Grössenver-‚chiedenheiten
berücksichtigen. Ich habe sehr schöne Schädel
ınd Unterkiefer von Felis spelaea, aber ich finde keinen
specifischen Unterschied von dem recenten Löwen, Wie viele
Species müsste man bei Höhlenbären und bei Mammuthen
zufstellen, wenn man derartige individuelle Abweichungen
'ür genügend halten sollte, neue Arten zu. schaffen. Ueber die
ırtliche Identität des Höhlenlöwen mit dem recenten Löwen
schreibt auch W. Boyo Dawxzıns (in seinem Werke „The
britisch pleistocene mammalia“, 1866—1871): „Our investizations
into the osteology of the living Lion an the Felis
ıpelaea have resulted in the identification of the fossil with
he living animal.“
Bezüglich der Hyaena spelaea ist von grosser Wichtigkeit
ı\achstehender Passus in LypDorxEr’s Werke („Indian tertiary
ınd posttertiary Vertebrata“, II, 289): „The occurence of a
pecies of Hyaena in the Siwaliks of India showing conside-‚able
affinity to a species so prevalent in Europa in the
‚leistocene period and now living in South-Africa and presening
no well-marked affinity to the other group of existing
ıyaenas, one of which is now found in India and the adjecent
‚ontries, is a very remarkable fact; and one pointing to the
‚onclusion that Asia rather than Africa should probably by
'egarded as the original home of the hyaenas pag. 290 Either
his or a closely allied form also occured in the pliocene or
‚leistocene of China (H. Sınensıs).“