“Rhinoceros tichorhinus) und der Höhlenbär (Ursus
spelaeus) die diluviale Periode nicht überlebt haben,
sondern in derselben ausgestorben sind; von der
vierten Species, dem Riesenhirsche (Cervus megaceros),
dessen Reste in Mähren in postdiluvialen
Ablagerungen nicht vorkommen, ist es unsicher, ob
derselbe nicht in anderen Ländern (etwa in Irland
und Schottland) in das Alluvium übergetreten ist,
Mammuthreste finden wir in den Höhlen, aber
noch mehr ausserhalb derselben in den Lösslagern.
Eine geradezu classische Stelle für dieselben
war Piedmost, wo ich eine überwältigende Masse
von Mammuthresten ausgehoben habe *),
Von dem Nashorn kommen Reste in Höhlen und
in Lösslagern vor; gewiss ist es aber, dass sie bestimmte
Thäler für ihren Aufenthalt bevorzugt haben;
zu diesen gehörte das Hadekerthal bei Ochoz.
Der Höhlenbär hauste. aber hauptsächlich im
Höhlengebiete; hier sind seine Reste in ungeheurer
Anzahl in den Höhlen eingebettet.
Die über Europa, Asien und Nordamerika in
grosser Anzahl verbreiteten Mammuthreste weisen
uns zugleich den Weg, den diese Thiere an der
Schwelle des Diluvium gewandert sind; von den
Inseln des Eismeeres beginnend ®), reichen ihre Reste
weit in diese Continente hinein; ihre Heimat musste
in den circumpolaren Ländern gelegen sein und sich
sowohl in der Richtung gegen das paläarktische als
das nearktische Gebiet ‚erstreckt haben.
Wir erkennen dies sofort aus der Verbreitung
des Rhinoceros, das mit dem Mammuth gleichzeitig
1) Vgl. meinen.Artikel: „Ueber einen wichtigen Lösshügel
in Predmost bei Prerau“ in den Mittheilungen der
Section des Ö. T. C., Nr. 5—8, Jahrg. 1897.
2?) Ueber die Verbreitung im hohen Norden Sibiriens und
insbesondere über die fossilen Eislager vergleiche die neueste
Publication von Baron Evvaro TorsL: „Wissenschaftliche
Resultate der von der kaiserlichen Akademie der: Wissenschaften
zur Erforschung des Janalandes und der neusibirischen
Inseln ausgesandten Expedition.“ St, Petersburg 1895.
— Toruı ist der Ansicht, dass die im Eisboden eingefrorenen
sibirischen Mammuthe jung — postglacial seien (S. 86.) —
Araf Uwarow zählt in seinem Werke „Archaeologia Russii“,
Kammenii period 1881, I, S. 123-—160, nicht weniger als
110 Fundorte im asiatischen Gebiete Russlands von den neusibirischen
Inseln bis zum Syr Darja und 268 Fundorte im
europäischen Russland, wo Reste von der Petschora bis zu
den Ufern des Schwarzen und des Kaspischen Meeres reichen.
Nach K. Waerrnorer („Die fossilen Proboscidier des Arnothales
in Toscana, Beiträge zur Paläontologie“, 1891, Bd. VIEH,
S. 107-240) gelangte das Mammuth bis nach Apulien und
traf in Italien mit dem E. antiquus und E, meridionalis
zusammen.
‚aftritt und gleichzeitig untergeht; dieses Thier hat
‚ämlich das Festland Nordamerikas nicht erreicht,
‚eine Reste wurden daselbst noch nicht gefunden;
3s kommen hier pliocäne und miocäne Rhinoceronten
vor, diluviale aber fehlen *).
Dieses Thier musste sich also nach der Abzweigung
von dem tertiären Rhinocerotidenstamme
1äher dem nordasiatischen als dem nordamerikanischen
Continente aufgehalten und hier differenzirt
1aben ?). ;
‘Oft wird die Frage aufgeworfen, ob es nicht
nehrere Arten von Höhlenbären gegeben habe.
Ich habe eine Unzahl Höhlenbären verglichen
ınd kann nur sagen: man wird niemals ganz genau
Jieselben Formen wahrnehmen, überall sind individuelle
Interschiede (Alter, Geschlecht) erkennbar; gross ist
ler Unterschied in den Dimensionen selbst bei erwachsenen
und alten Individuen;
Es gibt kolossale Schädel mit einer Basilarlänge
on 478 mm, aber auch kleine Schädel mit 370 mm
‚on erwachsenen Exemplaren *).:
Ungeachtet diese kleinen Schädel von jenen des
sibirischen braunen Bären an Grösse übertroffen werden,
so stammen sie dennoch von Ursus spelaeus und
nicht von Ursus arctos ab; die Kriterien hierüber
werde ich in meiner Monographie über die diluvialen
Thiere Mährens anführen.
Im Ganzen ist die Stellung des Höhlenbären,
sein Auftreten, ' seine Verbreitung, sein Verhältniss
zu recenten Bärenarten Europas, Asiens und Nordımerikas
und sein Erlöschen nicht völlig aufzeklärt.
Reste des Höhlenbären sind aus Sibirien mit
J3icherheit noch nicht constatirt; aus den pliocänen
Formen Europas konnte er sich nicht differenzirt
aaben, er musste eingewandert sein.
1) LxıDy Joser, „The extinet mammalian Fauna“, pag. 355.
a) Ueber die Verbreitung des Rhinoceros tichorhinus
‘„Atelodus antiquitatis Blumenbach“) schreibt J. F, BrAnDTt
in seinem „Tentamen Synopseos Rhinocerotidum viventium
st. fossilium“, 1878, S. 61: „Reliquiae osseae inde a Sibiria
naxime boreali ad montes Himalayi et in Chinensi regno,
leinde in Europa usque ad Helvetiam et Galliam australem
iaepissime sunt repertae.“ — Vergleiche weiter seinen „Versuch
yıner Monographie der tichorhinen Nashörner“, 1877, 5. 1
»is 132, und „Die diluviale europäisch-asiatische Säugethierfauna“,
1877, S. 119—121.
3) Vergleiche meine Abhandlung „Die Fauna der bei Kiritein
in Mähren gelegenen Vypustekhöhle im XXXIL Bande der
Verhandlungen des naturforschenden Vereines in Brünn. 1893.