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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 18=28.1898

in der senkrechten, 8—-10 m hohen Lösswand 1°50 bis
2 m unter der Oberfläche einen schwarzen Lehmstreifen,
 der eine ausserordentliche Menge von Thierresten
 (vornehmlich Mammuthresten) und von Artefacten
 enthielt; dies ist die berühmte Culturschichte
des diluvialen Menschen von Predmost.
Unter den Thierarten waren sehr zahlreich
vertreten Eisfüchse, Schneehasen, das Renthier,
der Moschusochs, der Halsbandlemming, -der Vielfrass,
 das Schneehuhn, das Moorhuhn, dann die
alpinen Species Gemse und Steinbock. Diese Thierarten
 documentiren uns den glacialen Abschnitt des
Diluviums.
Ich fand jedoch Reste vom Mammuth, von Höhlenbären
 und vom Pferde 8 m tiefer unter der obigen
glacialen Schichte; diese Thiere lebten hier also
lange Zeiträume vor Ankunft der glacialen Vertreter
 und deshalb nenne ich diese Schichten präglacial.

Seit der Bildung der aus der glacialen Zeit
stammenden Culturschichte hat sich im Garten des
Chromecek eine Lössdecke von 1:50—2-—83 m gebildet;
 Mammuthknochen kommen, wenn auch sehr
spärlich und, zerstreut über der glacialen  Culturschichte
 1 m hoch noch vor; diese stehen mit der
Culturschichte in gar keiner Verbindung; diese obere
Schichte wird wohl dem postglacialen oder dem
Steppenabschnitte der Diluvialperiode angehören.

JII. Die Fauna.
Die Fauna eines Landes ist nicht der Inbegriff
von zufällig zusammengelaufenen Thierarten, sondern
das nothwendige, naturgemässe Product eines viele
Tausende von Jahren dauernden Processes, an welchem
geologische, geographische, klimatische und culturelle
Factoren mitgewirkt haben; die Fauna eines
Landes hat ihre Geschichte.
Wir werden die Tragweite dieser Worte besser
verstehen, wenn wir von der Gegenwart stufenweise
in die Vergangenheit herabsteigen und an der Schwelle
des Diluvium stehen bleiben. Die geschriebene Geschichte
 wird uns den Faden bis zur Grenze der
Prähistorie in die Hand legen; von da ab müssen
wir aus dem in dem Schoosse der Erde aufbewahrten
Archive die nöthigen Data für unseren Bericht schöpfen.
Wie mannigfaltig auch die uns umgebende Thierwelt
 zu sein scheint, so einfach ist ihre Trennung
in zwei Hauptgruppen:
@) In die der gezüchteten oder domesticirten
Thiere und jene

6) der wilden Thiere,
Die gezüchteten Thiere bestehen aus dem Hauszeflügel
 und den eigentlichen alten Hausthieren oder
Jaussäugethieren. .
Das Hausgeflügel ist historischen Datums '), theils
ıus dem Westen, Süden und Südosten zu uns einzeführt
 (wie Haushuhn, Perlhuhn, Truthuhn, Pfau) ?),
heils local aus wilden Formen gezähmt (wie die
zans, die Ente und die Taube). Die nationes barbarae
Mittel- und Nordeuropas konnten ein Hausgeflügel
so lange nicht züchten, so lange sie sich der Hauptsache
 nach mit Viehzucht begnügt und daher an das
Wanderleben angewiesen waren.
Erst, nachdem sie sich an feste Ansiedelungen
zewöhnt hatten und zum intensiveren Ackerbau gezwungen
 waren, konnte Hausgeflügel bei ihnen Einyang
 finden.
Wir treffen auch in den älteren alluvialen Ab-‚agerungen
 (z. B. neolithischen Stationen) keine Reste
ron Hausgeflügel: so kamen beispielsweise in der
Xülna diese Reste in der schwarzen Schicht nur in
ler obersten 030 m mächtigen Partie vor 8).
Von den Haussäugethieren ist die Katze die
‚üngste von Italien herstammende Acquisition; noch
m X. und XI Jahrhunderte war sie in Mittel- und
Nordeuropa wenig verbreitet; wir finden auch ihre
Jeberreste nur in historischen Schichten.
Das Pferd (Equus caballus) wurde von den einzelnen
 Völkerschaften schon in der Vorgeschichte,
I. h. vor der Geburt Christi, aus dem in Mittel-3uropa
 verbreiteten, aus der Diluvialzeit stammenden
wilden Pferde gezähmt *).
1) Das Haushuhn allein spätprähistorischen Datums.
?) Das Truthuhn aus Amerika, das Perlhuhn aus Nordıfrika,
 das Haushuhn aus Armenien, wohin dasselbe aus
Indien gelangte, und der Pfau aus Italien, wohin er über
3riechenland aus Indien gebracht wurde.
®) Cäsar fand das Haushuhn bei den britischen Celten;
»r bemerkt aber dazu: Leporem et gallinam et anserem
zustare fas non putant (V. 12. de bello Gallico).
*) Ich muss hier vollkommen der von Dr. A. Nemung
.„Fossile Pferde aus deutschem Diluvium und ihre Beziehun gen
zu den lebenden Pferden“, Berlin 1884) vertretenen Ansicht
iber die Abstammung unseres Hauspferdes vom diluvialen
wilden Pferde beipflichten.
Ebenso sagt L. Rürmrerer („Weitere Beiträge zur Beırtheilung
 der Pferde des Quartärs“, AbhaudInngen der
'chweizerischen paläontologischen Gesellschaft, Vol, IT, 19—21):
\us-.der ‚gehr einlässlichen Untersuchung der Pferdezähne ist
ıichts mit grösserer Bestimmtheit hervorgegangen, als dass
ich auf keiner Altersstufe derselben Merkmale finden lassen,
welche berechtigen würden, ihnen einen anderen Namen als
len des heutigen Pferdes zu geben.
            
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