am
c) Merkwürdig war aber die Mischung der Thierarten
in den oberen Partien jener 3:80 m mächtigen
Ablagerung; in der unteren Partie traten die glacialen
Vertreter rein entgegen, in der oberen waren
sie mit Steppenthieren gemischt; da trafen wir auch
an: den Pfeifhasen (Lagomys pusillus), den Zwergnamster
(Cricetus phaeus), das röthliche Ziesel (Spermophilus
rufescens), unser recentes Ziesel (Spermophilus
citilus) und unseren Hamster (Cricetus
vulgaris).
Es folgt daraus, dass diese Steppenthiere zu jener
Zeit nach Mähren eingewandert sein mussten, als
die glacialen Vertreter noch hier gelebt haben; es
waren dies Ueberreste, die dem sich ändernden Klima
eine Zeit hindurch zu widerstehen vermochten,
schliesslich aber demselben doch erlegen sind.
Auch die Mammuthe, die Nashorne und “die
Höhlenbären kamen in dieser oberen Schichtenpartie
vor, aber sehr spärlich; auch ihre Tage waren abgezählt.
d) Nun aber änderte sich die Ablagerung; statt
der gelben Lehmschichte trat eine schwarze humusreiche
Erde auf; diese schwarze Schicht hob sich
sehr markant von der unter ihr liegenden gelben
ab; aber mehr noch als die Farbe der Ablagerung
waren die Einschlüsse derselben überraschend.
Von den diluvialen Thieren war keine Spur mehr
vorhanden !); dagegen erschienen in grosser Zahl
Reste von Thieren, die früher hier nicht vorhanden
waren, nämlich die Hausthiere: das Hausrind (Bos
taurus), das Hausschaf (Ovis aries), die Hausziege
(Capra hircus), das Häusschwein (Sus domestica)
und der Haushund (Canis familiaris). Wie sind diese
auf einmal in so reichlicher Menge in unser Land
gekommen? Hierauf gibt es nur eine Antwort: es
muss sie Jemand hieher geführt haben, worüber
jedoch noch gesprochen werden wird.
Vorderhand constatiren wir nur, dass eben der
Mangel an diluvialen Thierresten und das Vorhandensein
von Hausthierresten diese schwarze Schicht
als alluviale charakterisirt.
Was nun die ausserhalb der Höhlen abgesetzten
diluvialen Ablagerungen in Mähren anbelangt, so
unterscheiden wir: 1. die von Flüssen, Bächen und
1) Merkwürdig ist die Stellung des Renthieres; dasselbe
erscheint lange vor den übrigen glacialen Thieren und hat
am längsten bei uns ausgedauert; ja, es muss sogar in der
postdiluvialen Zeit hie und da als Wanderthier im Winter
erschienen sein, weil sich die Reste von ihm mit Hausthierresten
(wenn auch höchst spärlich) mischen.
®)
‚pülwässern angeschwemmten Schotter und Sande;
2. die von Winden zusammengetragenen Lössdepöts.
Von diesen Fundorten wollen wir uns nur die
schon weltberühmten Lösslager von Pfedmost bei
Prerau näher ansehen ?).
Der aus den Karpathensandsteinen kommende
Becwafluss tritt bei Prerau in die March-Hannaebene;
an dem rechten Ufer. dieses Flusses, !/, Stunde nördich
von Prerau, liegt die Ortschaft Predmost an
ler, östlichen Lehne eines zur Seehöhe 247 m sich
3rhebenden Lösshügels.
Die zwischen Prerau und Pfedmost sich aus->reitende,
von der Be&wa bei hohen Ueberschwemnungen
überfluthete Ebene (daher Inundationsebene)
jegt bei der Seehöhe 214 m, so dass jener Hügel
33 m über diese Ebene sich erhebt und von allen
Seiten isolirt ist.
Das jetzige Be&wabett liegt derzeit bei der See-1öhe
208 m; allein am Beginne der Diluvialperiode
ag dasselbe bedeutend höher; ich fand den Betwasand
am Südrande jenes Hügels (Hradisko genannt)
7e1 der Seehöhe 225 m, also 17 m höher.
Wir finden nun hier Thierreste in verschiedenen
dorizonten, die uns die bei der Külna verzeichnete
Cintheilung der Quartärzeit bestätigen.
Nur müssen wir hier bemerken; dass sich die
JTorizonte in dem Lösse nicht horizontal, sondern
nantelförmig abheben und dass wir unsere Erörterung
aicht mit den präglacialen, sondern mit den glacialen
Schichten beginnen wollen, ;
In dem Garten des Halblähners Josef Chromecek
und dessen Vorfahren) wurden seit mehreren Jahrıunderten
*) in dem hier zum Hausgebrauche und
zur Ziegelbereitung ausgehobenen Lösse Knochen und
Zähne gefunden.
Wissenschaftliche Grabungen begannen jedoch
arst im Jahre 1880 von Dr. Wanker, im Jahre 1882
von Kart, Masga und schliesslich von mir. Wir fanden
1) Da ich hierüber schon in den Mittheilungen d. Anthrop.
Gesellsch. in Wien, 1894, Bd. XXIV, S. 39—50, berichtet habe
ınd in kurzer Zeit über meine hier vorgenommenen umfang-:eichen
Grabungen eine grössere Monographie in diesen Mit-‘heilungen
erscheinen wird, so beschränke ich mich nur auf
lie wichtigsten Data.
®) Wir haben hierüber eine Notiz aus dem Jahre 1571
n der von dem Bischofe der mährischen Brüder, Johann
Blahoslav, ‘herausgegebenen böhmischen Grammatik, in der
as heisst, dass hier Knochen von Riesen, dann Zähne so gross
wie Menschenköpfe, Rippen wie Balken und gewaltige Hörner
offenbar Stosszähne vom Mammuth) ausgegraben wurden.