— 78
worden ist, so konnte aus den in verschiedenen
Gegenden gesammelten Skelettheilen mit voller Sicherheit
das in Sibirien, Ungarn, Niederösterreich und
Osteuropa überhaupt constatirte Rhinoceros tichorhinus
Fisch (Rh. antiquitatis Bl.) bestimmt werden
Diese Art unterscheidet sich durch kürzere, wenngleich
stärkere Extremitätsknochen, also durch gedrungene
Bauart von dem schlankeren, um ein Drittel
grösseren Rhinoceros Merckii Jäg., welches, in Westund
Südeuropa in Gesellschaft mit Elephas antiquus
Falc vorkommend, auch bei Taubach (Weimar) nachgewiesen
worden ist.')
Vor Allem muss die Thatsache hervorgehoben
werden, dass Mammut und Rhinoceros, wie alle
übrigen Pachydermen, keine Mark- oder Röhrenknochen,
wie z, B. Pferd, Hirsch, Rind ete., besitzen.
Deshalb sind auch die Knochen der Extremitäten
nicht hohl, sondern im Inneren mit einem
spongiösen Knochengewebe versehen, dessen einzelne
Zellen mit Mark erfüllt sind und gegen die Mitte
des Knochens immer grossmaschiger werden. Wenn
wir daher im Inneren des Knochens vom Rhinoceros
eine Höhlung finden, so konnte sie nur auf künstlichem
Wege vom Menschen durch Beseitigung des
Knochengewebes hergestellt worden sein. In den
meisten Fällen sehen wiran der Innenwand des Knochens
die Kratzspuren, offenbar in dem festen Knochengewebe
durch Steinwerkzeuge erzeugt, schraubenförmig
über einander und die Höhlung selbst mit Lehm, Sand,
Kohlenstückchen oder auch oft mit fester Aschenrinde
versehen.
Die wichtigsten Belegstücke von bearbeiteten
Knochen des Rhinoceros, die sich grösstentheils im
Mineraliencabinete der technischen Hochschule in
Brünn vorfinden, sind nun folgende:
l. Schädel und Theile desselben. Nachweislich
wurde schon im Jahre 1852 bei der Grabung
eines Weinkellers in der Schreibwaldstrasse
‘Lehmstätte) ein vollständiger Schädel gefunden, jedoch
der Zähne halber zerschlagen.
Ein vortrefflich erhaltener Schädel, im Juli 1879
in der unteren Ziegelei am Rothen Berge aufgedeckt,
Mahlzähnen über 30 Stück Knochen von jungen und alten
Thieren, von welchen einige in Aschenrinden gelegen und
calcinirt sind und mehrere Extremitätenknochen eine deutliche
Bearbeitung und Aushöhlung nebst Schlagmarken aufweisen,
Von Rhinoceros tichorhinus besitzt das Cabinet 96 Stück
theils ganze Knochen, theils Bruchstücke, grösstentheils bearbeitet,
und überdies 50 Stück lose Zähne.
1) A. Porrıs, Rhinoceros Merckii Jäg, Palaeontographica
Dunker 1878
35 cm lang, wurde nachträglich an das naturhistorische
Hofmuseum in Wien abgetreten.‘)
Ein gleichfalls gut erhaltener Schädel fand sich
im Herbste 1896 im Diluvialschotter der Ziegelei
ım Fusse des Spielberges, Dieser Schädel, 75 cm
lang, im Besitze des Franzensmuseums in Brünn,
'st, wie die gleichzeitig gefundenen Rippenstücke,
an Rückenwirbel und ein bearbeiteter Humerus, mit
Juarzgeröllen stark überzogen.
Die technische Hochschule besitzt nur mehrere
Bruchstücke vom Oberschädel und neun Stück Unterzieferbruchstücke
von jungen und alten Exemplaren,
heils aus den Höhlen, theils aus dem Löss.
Das in Taf. I, Fig. 1, abgebildete Bruchstück
aines 1896 (St. Thomas-Ziegelei) gefundenen Unterxiefers
zeigt deutliche Schlagmarken und den linken
Kieferast abgeschlagen. Dazu kommen noch viele
lose Zähne, theils vom Ober-, theils vom Unterkiefer,
2. Wirbelkörper. Von diesen zählt die Sammung
nur drei vollständige Halswirbel und vier abzeschlagene,
am oberen Ende theilweise ausgekratzte
Dornfortsätze von Rückenwirbeln (Wranamühle).
3. Schulterblatt. Ein zum Theile ausgekratztes
Bruchstück einer linksseitigen Scapula.
4. Rippen. Im Ganzen zwölf Stück; sieben daon
gehören einem Thiere (Franz Josefstrasse) an. Es
sind 45—60 mm breite und bis 75 cm lange Bruchstücke.
Eine Rippe zeigt deutliche Schlagmarken.
Taf. I, Fig. 2.) Die im Lössfunde der Franz Josefstrasse
zleichzeitig gefundenen kleinen Knochenscheiben von
35—60 mm Durchmesser (siehe Mitth. d. Anthrop.
Ges. Wien. XXII. Bd., Taf. III, Fig. 6) stammen ohne
Zweifel von Rippen des Rhinoceros.
5. Becken, Zwei Untertheile des rechten Beckens
mit 110 mm Durchmesser der Gelenkspfanne; ferner
mehrere abgebrochene und theilweise ausgehöhlte
Beckenäste.
6. Oberarmknochen(Humerus). Von diesem
wichtigen und häufigsten Skeletbestandtheile liegen
21 Stücke vor; alle zeigen das obere (proximale) Ende
auf gleiche Weise schief abgeschlagen; 18 Stück
ind im Inneren tief ausgehöhlt und mit schraubentörmigen
Kratzspuren versehen, so zwar, dass die
Knochenwand am Rande oft nur mehr 2 mm dick
ist. Bei einigen ist mit ganzer oder theilweiser Bezeitigung
des unteren Gelenkkopfes das Knochengewebe
in der Achse des Knochens ganz durchlöchert
oder mit Lehm- und Kohlenstücken verstopft. Ab-1)
MAxowskKy, Verhandl. des naturh, Vereines in Brünn.
XVIIL. Bd. 1880.