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Sie sind theils durch höhlenbewohnende Raubthiere
in das Innere der Höhlen eingeschleppt, theils durch
Wasserfluthen in die Tiefen eingeschwemmt und
gleich den im Wasser umgekommenen Raubthieren
im Höhlenlehm vergraben worden. Daher finden wir
Mammut und Wollnashorn, Pferd und Rind, Renthier
und Steinbock (Wejpustekhöhle), gemengt mit
den Knochen massenhaft zu Grunde gegangener
Höhlenbären (in allen Altersstadien), Höhlenhyäne
und Höhlenlöwe (selten) mit vielen kleineren Raubthieren,
wie Wolf, Höhlenfuchs, Fjälfrass (Gulo borealis),
Luchs und mehreren kleineren Raubthieren, deren
Reste in der .diluvialen und nachfolgenden Zeit in
den Höhlen nach und nach angehäuft worden sind.
Für die Beurtheilung der Altersbestimmung und
Gleichzeitigkeit bieten daher die fossilen Thierreste
in den Höhlen einen sehr unsicheren Maassstab.
IX. Erhaltungszustände der diluvialen Thierreste.
Die theils im Löss, theils im Höhlenlehm eingebetteten
dihıvialen Thierreste befinden sich in sehr
angleichen Erhaltungszuständen und von verschiedenem
Aussehen.
Die im Höhlenlehm mitunter in bedeutenden
Tiefen eingeschleppten und eingeschwemmten Knochen
sind, abgesehen von der Abrollung einzelner Exemplare,
zumeist sehr gut erhalten, von gelblicher
Farbe, oft mit beträchtlichem Leimgehalte; sie zeigen
scharfe Bruchränder und, wenn Schlagmarken vorhanden
sind, diese glatt, mit denselben Dendriten
besetzt, wie die sonstige Oberfläche der Knochen.
Die besondere Glätte der Schlagmarken ist durch
das Schlagen mit dem Steinwerkzeuge bewirkt
worden, wodurch mit gleichzeitigem Austritte des
Knochenfettes eine Verdichtung des Gewebes herbeigeführt
wurde. Dieser durch den Schlag verursachte
Knochenbruch unterscheidet sich daher leieht vom
gewöhnlichen splitterigen Bruche des Knochens.
: Dieser Erhaltungszustand der Knochen in Höhlen
muss auf die Verhinderung des Luft- und Wasserzutrittes
in dem durch Kalksinterdecken geschützten
Höhlenlehm zurückgeführt werden.
Wesentlich von diesen unterscheiden sich in der
Kegel die im Löss gelagerten Knochen, weil in Folge
der leichteren Wasser- und Luftdurchlässigkeit des
mit Sand gemengten Diluvialthones eine grössere
oder geringere Auslaugung der Knochen stattgefunden
hat. Daher erscheinen die Knochen in oberen Lagen
gebleicht und leicht zerbrechlich, die Schlagmarken
oft rauh und schwer erkennbar: dabei ist die Oberläche
der Knochen seltener von Mangandendriten
besetzt, häufig durch eingedrungene Pflanzenwurzeln
corrodirt und mit feinen Rinnen versehen.
In einem besseren Erhaltungszustande befinden
sich die Knochen im Löss entweder nur in sehr
“efen Lagen (bei 5—12 m Tiefe) oder wenn sie in
feinem, mit Asche gemengtem Lehm eingehüllt sind,
wobei sich eine feste, oft nicht absprengbare, mergelartige
Hülle gebildet hat.
Diese Rinde ist offenbar dadurch entstanden,
lass der Knochen, nachdem das Fleisch und Mark
demselben entnommen war, ın die heisse Asche geworfen
und so gänzlich von dieser eingehüllt wurde.
Deshalb erscheinen derlei Knochen wie gebrannt,
saleinirt und durch den Einfluss der Hitze nicht
selten in Theile zersprungen.
Sehr häufig bemerken wir in der Umhüllungskruste
grössere oder kleinere Holzkohlenstücke.
Bei nicht wenigen Knochen, die sorgfältig aus
der mergeligen Aschenkruste herausgelöst wurden,
zeigten sich feine Ueberzüge von Russ und Asche,
wobei die Schlagmarken besser erhalten sind.
Am auffälligsten jedoch sind die hie und da
vorgefundenen, durch mergelige Asche fest verbackenen
Knochenbreccien, d. h. Bruchstücke von
Knochen entweder eines und desselben oder auch
von verschiedenen Thieren. So besitzt das Cabinet
der technischen Hochschule in Brünn unter Anderem
eine Knochenbreccie vom Unterkiefer des Pferdes, mit
sinem Geweihstück des Renthieres fest verkittet;
ferner einen Radius des Pferdes mit einem Metatarsalknochen
des Rhinoceros u. del.
Derlei Funde von Knochenbreccien mit gefritteten
Knochen und Gesteinstrümmern, die sonst im Löss
nicht vorkommen und möglicherweise zum Aufschlagen
der Knochen gedient haben mochten, ın
Verbindung mit Holzkohlenlagen, schliessen wohl
jeden Zweifel aus, dass daselbst Lagerplätze des
Menschen in der Diluvialzeit gewesen sind, welche
nunmehr die verschütteten Reste von einstigen Mahlzeiten
einschliessen.
III, Das diluviale Rhinoceros der Umgebung von
Brünn.
Wie oben bemerkt, hat Graf WurmBranD in der
Lössstation von Joslowitz die Knochen des Rhinoceros
ın Gesellschaft mit denen des Mammuts und fossilen
Pferdes aufgedeckt. Auch dem Verfasser gelang es,
eim Besuche dieser Station daselbst einen Astrarzalus
und Metacarnus des Rhinoceros zu finden.