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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

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Die alkalische Reaction der dunklen Erde, vermischt
 mit grösseren und kleineren Holzkohlen, die
in derselben oft eingebetteten Knochen, durch die
Hitze mehr oder weniger verändert, unterscheidet
diese kleinen Partien von anderen nicht selten im
Löss vorkommenden schwarzen Erdschichten. Letztere,
in weiter Verbreitung und bis zu 1'/, m mächtig,
sind das Product einer einstigen Vegetation; daher
zeigt ihre Erde eine humöse, saure Reaction und
geht allmälig in den normalen gelben Löss über.
In diesen humusreichen, blauschwarzen Erdschichten
 haben sich, wenigstens um Brünn, hin
und wieder Lössschneckengehäuse, niemals aber diluviale
 Knochenreste vorgefunden. Diese dunklen Erdschichten
 als das Product von Bränden — ähnlich den
Prairiebränden von Nordamerika — deuten zu wollen
(Masga), ist schon wegen der fehlenden alkalischen
Reaction der Erde und ihrer bedeutenden Mächtigkeit
ganz ausgeschlossen.
Wen wir nun die Fauna des Löss in nähere
Betrachtung ziehen, so verdienen ‚die um Brünn
spärlich ‚vertretenen Gehäuse sehr kleiner Landschnecken
 der Gattungen Helix, Pupa und Succinea
volle Beachtung. Ihre noch lebenden Vertreter finden
sich nur mehr in der Region des hohen Nordens
oder der Alpen und bezeugen durch ihren nordischalpinen
 Charakter das kalte Klima der Diluvialzeit.!)
Von Wirbelthieren finden wir im Löss nur die
Reste von Landsäugethieren, die allem Anscheine
nach dort verendeten, wo wir ihre Skeletreste finden.
weil die Knochen niemals vom Wasser abgerollt sind.
Mit Berücksichtigung des Zweckes dieser Abhandlung
 und mit Hinweis auf die einschlägige
Literatur wollen wir hier nur die im Löss der Umgebung
 von Brünn vorfindlichen grösseren Säugethiere
 in Betracht ziehen, welche dem Menschen
zur Nahrung gedient und von demselben erlegt
worden sind.
Das häufigste Jagdthier war das fossile Pferd,
welches sich durch robusten Bau, Grösse und hakenförmige
 Eckzähne von dem heutigen Pferde unterscheidet.
 In gleicher Lagerung mit demselben treten
am häufigsten das Wollnashorn und Mammut, seltener
Wisent (Bos priscus) und Renthier, noch seltener
Riesenhirsch und Edelhirsch (letzterer massenhaft
bei Pausram) auf.
Vermengt mit diesen finden sich hie und da die
Knochen und Coprolithen vom Höhlenbären und von
5A Rzenag, Die pleistocäne Conchylienfauna Mährens.
Verhandl. d. naturf. Ver. in Brünn. XXIII. Bd.

ler Lösshyäne (H. prisca), seltener vom Wolfe, Höhlenöwen
 (Felis opelau) und Dachs, offenbar Spuren von
Zaubthieren, die an den Lagerplätzen des Menschen
Nachlese gehalten haben.
Von ganz hervorragender Bedeutung sind die
Spuren der Anwesenheit des Menschen während der
Jiluvialzeit Mährens,
Schon WurmsranD hat 1872 in der Lössstation
ron Joslowitz rohe Steinwerkzeuge vermengt mit
zufgeschlagenen und bearbeiteten Knochen vom Mammut,
 Rhinoceros und Pferd in einer Holzkohle enthaltenden
 Culturschicht nachgewiesen. Menschliche
Knochen jedoch fanden sich nicht vor.
In der Lössstation von Pfedmost haben WAnkELö,
Masga und Kriz zahlreiche Artefacte aus Stein,
Knochen und Zähnen mit Resten vom Mammut und
anderen diluvialen Säugethierresten und selbst einen
menschlichen Unterkiefer gefunden. (Siehe Literatur.)
Im Löss der Umgebung Brünn hat der Verfasser
schon in den Jahren 1883—1890 ausser spärlichen
Steinwerkzeugen einzelne menschliche Skelettheile,
“heils direct in Verbindung mit diluvialen Thiercesten,
 theils in der Nähe derselben, in Tiefen von
3—6 m aufgefunden, welche nach eingehender Untersuchung
 von dem hervorragenden Anthropologen
Prof, SCHAAFFHAUSEN in Bonn als diluvial bezeichnet
worden sind, obgleich von Kinigen (MaAsga) der
Jiluviale Charakter derselhen in Zweifel gezogen
wurde,
Diese Zweifel über die Anwesenheit des Menschen
während der Lössperiode in der Umgebung von Brünn
sind indessen gänzlich beseitigt worden durch den
wichtigen Fund des Jahres 1891, indem sich ge-,egentlich
 des Strassencanalbaues in der Franz Josefstrasse
 in Brünn in einer Tiefe von 4!/, m einige
Skelettheile des paläolithischen Menschen, zum Theile
jedeckt von Mammutknochen, Theile vom Rhinoceros,
Pferd und Renthier, überdies mehrere Artefacte aus
Stein, Zähnen, Knochen und endlich ein aus Mammutstosszahn
 hergestelltes Idol vorgefunden hahen. (Siehe
Literatur.)
Einen weiteren Beweis von der Gleichzeitigkeit
les Menschen mit den diluvialen Thieren, namentlich
mit Mammut und Rhinoceros, soll diese Abhandlung
(jefern, insbesondere durch den Nachweis von Schlagmarken
 und bearbeiteten Knochen des Rhinoceros,
In den Kalksteinhöhlen der Umgebung
Brünns (Sloup, Kiritein, Kritschen) finden sich die
‘ossilen Säugethierreste durchgängig ın gestörter
agerung, nicht selten in grösseren Mengen angehäuft

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