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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

Das Rhinoceros der Diluvialzeit Mährens
als Jagdthier des paläolithischen Menschen.
Von Professor Alexander Makowsky.
“ (Mit einer Tafel.)
Vorwort.

sich auch dort, wie neuestens in Tomsk, die Funde
von Mammutresten mit Steinwerkzeugen und bearbeiteten
 Knochen, welche die Gleichzeitigkeit des
Menschen mit dem Mammut beweisen,
Mit Ausnahme des breiten Oderthales, in welches
on Mährisch-Ostrau bis Weisskirchen im nord-5stlichsten
 Theile des Landes die nordische Kisbedeckung
 hereinreichte, lässt sich in Mähren eine
zlaciale Ablagerung nicht nachweisen, daher die
Annahme eines durch Jahrhunderte anwährenden
efrierens des Bodens völlig unerwiesen, ja unhaltbar
 ist.
Schon im Jahre 1872 hat Graf G. WURMBRAND
n einer Culturschichte bei Joslowitz im südlichen
ähren, viele Meter tief im Löss, Knochen vom Mammut,
Zhinoceros, Renthier und fossilen Pferde, zum Theile
jearbeitet, zusammen mit Steinwerkzeugen und
Zohlenresten in gleicher Lage gefunden. In der
„erühmten Lössstation von Predmost bei Prerau sind
seit dem Jahre 1880 durch Dr. Wangen, Massa und
Dr. Kriz in einer und derselben Lage die Reste von
nindestens 16 grösseren diluvialen Säugethieren,
xvorunter Mammut, Rhinoceros, Urstier, Pferd und
Renthier, in bearbeitetem Zustande, nebst Steinwerkzeugen,
 und anderen Artefacten nachgewiesen
worden.
In einem Zeitraume von mehr als 25 Jahren hat
ler Verfasser theils in mährischen Höhlen, theils in
liluvialen Ablagerungen um Brünn und im südlichen
Vähren so viele Beweise der Gleichzeitigkeit des
Menschen mit dem Mammut gesammelt, dass er
‚ich bemüssigt sieht, in Nachfolgendem einen kleinen,
ber nicht unwichtigen Beitrag zur Lösung dieser
Frage zu liefern.
Brünn, Ostern 1897.
Einschlägige Literatur.
Hochstetter, Ferdinand v.: Ergebnisse der Höhlenforschungen.
 Sitzungsb. d. Akad, d, Wissenschaften,
Wien 1879.
und Dr. Liebe: Diluviale Thierfauna der Wejpustekhöhle.
 Sitzungsb. d. Akad, d. Wissenschaften, Wien 1878.
Kii% M.: Die Lösslager in Pfedmost bei Prerau. Mitth. d.
Anthrop. Ges., Wien, XXIV. Bd. 1894.

Zu den wichtigsten und interessantesten Aufgaben
der Urgeschichte gehört die Lösung der Frage über
die Gleichzeitigkeit des Menschen mit den grossen
diluvialen Säugethieren, dem Mammut und seinem
Zeitgenossen, dem Rhinoceros.
Ungeachtet zahlloser beweisender Funde von
bearbeiteten Skelettheilen dieser Thiere und daraus
gefertigten Artefacten, die man in Höhlen und
Jiluvialen Ablagerungen in Frankreich, Belgien, der
Schweiz, Deutschland (Taubach bei Weimar), Nieder-5sterreich
 und Mähren, durchgängig unweit der
Grenze der grossen nordischen Eisbedeckung der
Glacialperiode nachgewiesen hat, wollen die Zweifel
an dem Vorkommen des paläolithischen Menschen
in der Mammutzeit nicht schwinden. Viele pflichten
der Ansicht nordischer Forscher (StTEENSTRUP U, A.)
bei, dass das Mammut und sein steter Begleiter,
das wollhaarige Rhinoceros, nicht mit dem Menschen
gelebt haben und dass eine ältere Mammutzeit und
eine durch. die zweifellose Anwesenheit des Menschen
bezeichnete jüngere Renthierzeit der Diluvialperiode
angenommen werden müsse, Zeitabschnitte, welche
durch viele Hunderte, ja Tausende von Jahren von
ainander geschieden sein sollten.
Indessen können alle mährischen Forscher der
Ansicht Strexsteur’s, die er gelegentlich der Untersuchung
 der berühmten Mammutstation bei Prerau
in Mähren im Jahre 1888 ausgesprochen hat,!) dass
die Reste des Mammut und Rhinoceros, gleichwie in
Sibirien, aus dem beständig gefrorenen Boden aufgethaut
und durch den Menschen der Renthierzeit bearbeitet
worden seien, aus mehrfachen Gründen nicht beistimmen.
 Abgesehen von der Thatsache, dass die Stosszähne
 und sonstigen Knochen des Mammuts, welche eine
Bearbeitung noch ermöglichen, nur im nördlichsten,
durch sehr rauhes Klima ausgezeichneten Sibirien
gefunden werden, hingegen solche aus südlicheren
Gegenden, völlig morsch und leicht zerbrechlich, eine
nachträgliche Bearbeitung nicht gestatten, so mehren
ı) SteessrteuP, Mitth. d. Anth. Gesell. in Wien, XX, 1890
Mittheilungen d. Anthrop. Gesellsch. in Wien. Bd. XXVILL 1897.
            
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