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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

— 59

Aus diesem Grunde möchte ich die uns jetzt vorliegende
 Begräbnissstätte, ungcachtet der Nähe der
früheren Skeletgräber und der Gleichartigkeit der
Gräüberanlage, als älter hinstellen.
Westlich von diesem Grabe stand in schräger Stellung
 eine ebenso mächtige Phonolithplatte wie jene
des Grabes VI, in verticaler Stellung.
2m westlich von dieser Platte wurde das
Grab VIII aufgedeckt, dessen Skelet ebenso
gelagert war, wie dasjenige des Grabes V. Da bei
stark gekrümmter Wirbelsäule die Beine bis zum
Kinn emporgezogen waren, so verringerten sich die
Dimensionen und es misst dieses Grab in der Länge
blos 0:6 m, während die Breite 0:45 m beträgt.
Das männliche Skelet, etwa 30 Jahre alt, war
von schwächlicher Constitution. Dasselbe lag in einem
Brandherde und war mit Asche gedeckt. Die Knochen
waren mit caleinirtem Aschenansatze förmlich üher-Diese

 Lagerung des Bestatteten auf einem Feuererde
 und die Inerustirung sämmtlicher Knochen
mit der Asche, wie auch der gleichzeitige Fund von
Schweinsknochen lassen weniger auf Kannibalismus
schliessen, als auf eine mit der Bestattung gleichzeitig
 stattgefundene Opferung. 1m südwestlich von
liesem Grabe wurde die letzte Bestattung dieser
\bgrabung gefunden.
Grab IX stimmt in der Lagerung des Skeletes
mit I, II und VII vollkommen überein. Dadurch, dass
lie Beine weniger stark angezogen sind, ist es länger
als die übrigen (1'3 m), hat aber dieselbe Breite
zon 05 m. Die Tiefe des Grabes ist mit der des
arabes VII gleich. Mit wenig Steinen umgeben, lagerte
jstlich vom Kopfe in südlicher Richtung ein
mächtiger Felsblock. Der Schädel dieses jüngeren
Weibes ist zwar zerdrückt, doch dürfte derselbe
wieder hergestellt werden können. In unmittelharer

Fig. 90. Neolithische Urnen aus Grab Yı'

zogen und wie zusammengebacken. Neben den Unterschenkelknochen
 lagen Fussknochen vom Schweine,
ebenfalls incrustirt und mit den menschlichen Knochen
zusammengekittet.
Der Schädel ist deformirt, jedoch nicht ganz
zertrümmert. Während beiderseits die Ohrpartien eingedrückt
 sind, ist der Unterkiefer aus seiner linksseitigen
 Einlenkung herausgedrückt und steht vollständig
 umgedreht über dem Gesichte. Der siebente
Halswirbel klebt am Gaumen und ein Zahn des Oberkiefers
 ist an der Basis des Schädels mit caleinirter
Asche überzogen. Eine Messung des Schädels würde
nur ein ungenaues Resultat ergeben. Beigaben wurden
keine gefunden. Die Knochen sind theilweise stark
gebräunt, aber nicht verbrannt; der linke Unterschenkelknochen
 weist einen starken Spalt auf, welcher
von unten über zwei Drittel seiner Länge aufwärts
verläuft. An demselben sind keinerlei Schlagspuren
zu sehen, weshalb die Verwundung des Knochens
schwer erklärlich ist.

Vähe des Skeletes wurde ein abgebrochenes Segment
nes Steinringes!) gefunden, welches an seinen
Bruchflächen zugeschliffen und zweimal angebohrt
wurde (Fig. 91), um offenbar als Amulet getragen zu
werden. Dies die einzige Beigabe des Grubes.
Dieses Steinringfragment ist der erste Fund dieser
Art in unserer Umgebung. Amulete aus Stein, Bein.
Torn und Muschelschale werden öfters in den neoithischen
 Gräbern gefunden und wäre ein solches
zus rothem Steine von unserer Ansiedelung, welches
in aufgeworfener Erde gefunden wurde, erwähnenswerth.
 Fig. 92a?) zeiet eine einfache Strich-1)

 Dieses Fragment besteht aus einem marmorartigen,
veissen Stein, Solche Ringe kennen wir aus neolithischen
3egrähnissstätten Thüringens (Rössen).
2) Im Besitze des Herrn Apothekers Focxz-Wien, Die Abıldung
 nach einer freundlichst mitgetheilten Zeichnung, -——-m
 Corr.-Blatt d. deutschen Gesellsch, f. Anthrop., Ethnol. u.
Urgesch., XXVIT. Jahrg., Nr. 8, wird ein ganz gleiches Arteact,
 aus demselben Materiale gefertigt. abgebildet und einyvehend
 beschriehen.
            
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