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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

Grabung VI verzeichnet. Von dieser wurde im Vorjahre
 westlich bis zum Feldrain (e) gegraben.
Gerade dort, dem höchsten Punkte der Ansiedelung,
 glaubte ich, wie schon früher erwähnt,!) die
bronzezeitliche Nachbesiedelung constatiren zu müssen,
um mit einer sorgfältig durchgeführten Grabung den
Beweis für die früher ausgesprochene Annahme einer
Nachbesiedelung erbringen zu können.
Das Resultat der Arbeit blieb nicht hinter‘ den
Wünschen zurück,
In westlicher Richtung weiter und vertical abgrabend,
 zeigt sich uns ein Profil, dessen Culturschichte
 2m tief ist und bis auf den Mergel herabreicht.
 Diese mächtige neolithische Culturschichte, die
ungestört auflagert, zeigt stellenweise eingesenkte
Wohnstätten, Töpfereien und Feuerherde, die selbst
bis auf den Mergel herabreichen und von oben in
die neolithische Schichte eingeschachtet sind. Zwischen
diesen bronzezeitlichen Gruben finden wir Intervalle,
wo die ältere, ungestörte Schichte bis zur Ackerkrume
 aufsteigt und in ihren horizontalen Lagerungen
einen festen Zusammenhang zeigt.
Auch im Farbenton unterscheiden sich die beiden
Schichten, die ineinander geschoben sind, oft wesentlich.
 Die Contur hebt sich dann in Folge dessen
ziemlich scharf ab, doch muss immer genau auf den
Inhalt dieser Culturgruben geachtet und Schritt für
Schritt jede, auch die kleinste Erdbewegung genau
untersucht werden.
Indem die Nordwand des Mittelfeldes stehen blieb
und dadurch eine genaue OÖrientirung stets ermöglicht
 war, wurde westwärts, vertical abgegraben.
Zunächst wurde ein mächtiger Feuerherd von
2 m Durchmesser in einer Tiefe von 1 m angeschürft.
Derselbe kennzeichnete sich in einer langen, schmalen,
apitzelliptischen Form mit verlaufenden Schichten
nach aufwärts, so dass die KEinsenkung genau
gekennzeichnet war. Dessen Inhalt bestand aus‘
Holzasche, Holzkohlenstücken und einigen rohen
Scherben, mitunter schwach graphitirt.
Südlich von diesem Feuerherde, aber nur 0°7 m tief,
lag eingebettet ein Kindesskelet, dessen Lebensalter
einige Monate gezählt haben konnte. In seiner nächsten
Umgebung war diese Bestattung durch nichts gekennzeichet.

_ Erhalten waren wenige Knöchelchen und deı
Stirntheil mit den Augenhöhlen. Die Knochen zeigen
keinerlei Brandspuren, so dass es eine Bestattung
ı\ Desreleichen. S. 189.

d8

ist, die in den oberen auslaufenden Schichten des
vorbesprochenen bronzezeitlichen Feuerherdes eingesenkt
 wurde.
Die Zeitstellung ist genau charakterisirt durch
ain kleines bronzenes Armband, das einzige Inventar
les Grabes,
Dieses kleine Armband, das in seiner Grösse dem
zarten Alter des Todten entspricht, besteht aus einem
zlatten, nicht ornamentirten Reifen, der nicht ganz
zusammengebogen ist.
Westwärts folgte, nach einem kurzen Intervall in
ler neolithischen Schichte, ein 1°6 m tief einzesenkter
 Brandherd, der aus einer mächtiger Schichte
von Holzasche bestand. Nördlich von diesem wurde
3in solcher in derselben Tiefe angeschürft, der aber
in die Feldwand hineinreicht.
Daneben südwestlich lag, 12 m tief, ein Feuerherd
 eingesenkt, der ausser Holzasche viele rohe
Topfscherben vom Lausitzer Typus (ohne Ornament),
viele Thierknochen, Unioschalen und Herdsteine enthielt.
 In den obersten Schichten wurde ein kleiner
Steinmeissel gefunden, der den bronzezeitlichen Funden
zuzuzählen ist.
Nun folgt westwärts ein 2m langer Intervall der
unberührten neolithischen Culturschichte.
Der nun folgende Feuerherd (Fig. 744) ist in
seiner Ausdehnung sehr bedeutend.
In einer Tiefe von 1°5m hatte derselbe eine
kreisförmige Ausdehnung von 3m Durchmesser, dessen
Aschenlager eine Mächtigkeit von 0:8 m.
In der Holzasche und den nach aufwärts auslaufenden
 Schichten wurden eine grosse Zahl roher,
massiver Scherben vom Lausitzer Typus, offenbar von
Nutzgefässen herrührend, gefunden, ferner ein Beinmeissel,
 ein abgenützter Glätter aus Bein, viele
Knochenfragmente und Herdsteine.
Auf der Asche lag ein Urnendeckplattenfragment
and ein Sandstein mit Spuren von Bearbeitung und
seitlichen Einkerbungen.
Dieser grosse Brandplatz, der an der Basis horizontal
 verlief (wie die übrigen), enthielt auch eine
Zefässbrennerei. Dieselbe war seitlich, im Beginne, bis
in den Mergel (Fig. 74a) 0:3 m eingetieft, bei einem
Durchmesser von 1 m. Ueber diesem Herde lagen
viele grosse Herdsteine, starke, gebrannte Lehmstücke
 (Fig. 74%), ziegelartig geformt, die mit Weizen-;preu
 gemengt sind und wahrscheinlich Fragmente
säines Gefässbrennofens darstellen (Fig, 75). Ueber
liesem Herde lagen in der Asche unzählige rohe,
+heils auch zerschmolzene Gefässscherben von ver-
            
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