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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

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Die neolithische Ansiedelung bei Gross-Czernosek.')
Ausgrabungen in den Jahren 1895 und 1896.
Von Robert Ritter v. Weinzierl in Prag.
(Mit 20 Abbildungen im Texte.)
südöstlich von Lobositz,!) so erscheint die Constatirung
 eines Brandgrabes innerhalb dieser Bestattungsart
 von grosser Wichtigkeit. Warum soll
auch die Verbrennung der Todten erst in der Bronzezeit
 aufgekommen sein? Dass diese Bestattungsart
in der Metallzeit grösstentheils eingeführt wurde und
lurch ganze Culturphasen fortgedauert hat, bis die
christliche Zeit dieser Gewohnheit einen Damm setzte,
ist uns genügend bekannt. Dass diese Bestattungsart
in der Steinzeit bereits theilweise geübt, besser gesagt,
 mit dieser Bestattungsweise begonnen wurde,
lässt sich wohl nicht leugnen, nachdem — ich spreche
hier nur vom nördlichen Böhmen — die Beweise
sich mehren *) und, wie uns die Begräbnissstätte von
Grross-Czernosek lehrt, die Verbrennung der Leiche in
so früher Zeit durchgeführt wurde. Ob wir es hier,
ınter acht Skeletgräbern, mit einer Feuerbestattung
an und für sich zu thun haben, mit einer bereits
angenommenen, irgendwo abgesehenen neuen Form
les -Todtenecultus, oder ob diese Verbrennung auf
rgend einen anderen Umstand zurückzuführen ist,
las zu constatiren ist ein Ding der Unmöglichkeit.
Genug, in der Reihenfolge der neun Gräber befand
sich inmitten eine Grabstätte, kistenartig umstellt
mit Geröll und gedeckt mit einer grossen, schweren
Platte, die eigens und weit hergeschleppt werden musste,
um der in einer elliptischen Einmuldung zusammengehäufelten
 Todtenasche die ewige Ruhe zu sichern.
Wir werden später noch einmal darauf zurücksommen
 und gehen nun zur ausführlichen Beschreibung
der Culturschichten der Grabung IX von 1895 über.
Wenn wir uns den Situationsplan 3?) zur Hand
nehmen, so finden wir auf dem Mittelfelde die
1) Zeitschr. f. Ethnologie, Berlin 1895, S. 49: Weryziern
R. v., Der prähistorische Wohnplatz und die Begräbnissstätte
auf der Lösskuppe südöstlich von Lobositz a. Elbe, S. 55.
a) Kistengräber. ;
?) Mittheilungen d. Anthrop. Gesellsch. in Wien 1895.
Bd, XXV, 8. 189 u. 8. f.
3) Mittheilungen d. Anthrop. Gesellsch. in Wien 1895.
Bd. XXY. S. 31. Fig. 9

Diese letzten beiden Grabungen, die im Anschlusse
an die früheren durchgeführt wurden, bieten eine
Fülle von interessanten Facten, neue Beweise für die
aus früheren, jahrelangen Betrachtungen gefolgerten
Annahmen, so dass sich das Bild, das sich vor
unseren Augen bereits entrollte, immer mehr klärt.
Während wir in der IX. Grabung 1895 ein
schönes Bild gewinnen, wie. sich die bronzezeitliche
Nachbesiedelung vollzogen hat, auch aus den Wohnstätten,
 Feuerherden und Töpfereien eine friedliche
Niederlassung jenes Volkes erkennen, das in seiner
Yortentwicklung gedeihlich weiter schritt, so bringt
uns die X. Grabung 1896 mit einer Ruhestätte in
Berührung, die von grossem Interesse ist, da sie der
Bestattungsart und Tiefe nach wohl als die älteste
Cultusstätte unserer Ansiedelung gelten kann. Diese
liegenden Hocker in Steinkisten oder Steinpackung.
sehr arm an Beigaben, in tiefster Lage gebettet, sind
wohl als die ersten Besiedler unserer Station anzusehen.
 Während die jüngeren neolithischen Skeletgräber
 ein ziemlich reiches Grabinventar aufweisen,
sind diese schmucklos bis im Mergel zwischen grossen
Steinmassen gebettet worden, oft in einer förmlichen
Kiste von Steinplatten. Von weither müssen die verschiedenartigen
 Steinblöcke und Platten hergeschleift
und geschleppt worden sein, um dem Verstorbenen
eine sichere Ruhestätte zu schaffen.
Unter diesen 1896 ausgegrabenen neun neolithischen
 Gräbern befanden sich zwei Bestattungen, mit
denen wir uns zwar später eingehender befassen werden,
die aber dennoch verdienen, vor Allem erwähnt zu
werden. Es ist dies das Grab IV, das Spuren von
;heilweiser Verbrennung aufweist, und das Grab VI,
in welchem eine vollständige Verhrennung econstatirt
 wurde.
Nachdem nun diese Kistengräber als die ältesten
anserer Ansiedelung gelten müssen und ebenso beschaffen
 sind, wie jene älteren neolithischen Gräber
‘) Siehe: Mittheilungen d, Anthrop. Gesellsch, in Wien
(895, Bd. XXV, 8. 29 f.; desgl. S. 189,
Mittheilungen d. Anthrop. Gesellsch. in Wien. Bd. XXVIL 1897.

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