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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

Was die Zeit der Einwanderung der Hellenen
nach Griechenland anlangt, so haben wir zur Bestimmung
 derselben einen wichtigen Anhaltspunkt in
der von den Alten herrührenden chronologischen
Fixirung der dorischen Wanderung; dieselbe setzt
die ältere attische Berechnung in das Jahr 1149 v. Chr.
War die dorische Wanderung auch der letzte hellenische
 Einbruch nach Griechenland, so kann schon mit
Rücksicht auf den einheitlichen Charakter der griechischen
 Sprache nicht angenommen werden, dass die
Einwanderung der übrigen hellenischen Stämme durch
einen grossen Zeitraum von der Kinwanderung der
Dorer getrennt war. Zu dieser Annahme gelangen
wir auch noch auf einem anderen Wege. Schon
SCHLIEMANN hat bemerkt, dass mit höchster Wahrscheinlichkeit
 angenommen werden könne, dass sowohl
 Tiryns als Mykenä zur Zeit einer grossen Umwälzung
 zerstört worden seien, in einer Umwälzung.
die so vernichtend und verheerend in ihrer Wirkung.
so furchtbar in ihren Folgen gewesen, dass die
Civilisation Griechenlands vollends untergegangen
und dass auf ihren Trümmern eine neue, von der
früheren durchaus verschiedene Cultur entstanden,
die daher auch in allen Zweigen des menschlichen
Gewerbefleisses etwas von dem Früheren durchaus
Verschiedenartiges geschaffen habe. Indem SCHLIEMANN
die dorische Invasion mit dieser furchtbaren Umwälzung
 in Verbindung bringt, fährt er fort: „Die
Einwanderer wurden entweder zu Seclaven gemacht
oder getödtet oder gezwungen, in Masse zu emigriren,
 und entstand so die grosse, sogenannte äolische
Auswanderung nach Kleinasien. Durch diese grosse
historische Begebenheit erklärt es sich auf sehr
natürliche Weise, dass die blühende, aber ganz
eigenthümliche Civilisation, welche wir in den Alterthümern
 von Tiryns und Mykenä vertreten finden,
plötzlich spurlos verschwindet. Es kann aber wohl
keinem Zweifel unterliegen, dass sich die Alles zer:
störende grosse Umwälzung nicht, wie man anzunehmen
 pflegt. hlas auf den Pelononnes heschränkte.

Ravaısson’s hingewiesen werden (Academle des Inseriptions
et Belles-Lettres. Compte-rendus des s6ances de l’annee 1895
p. 242 et 244). Was dieser und andere Gelehrte zu Gunsten
der Annahme des hellenischen Ursprunges der Denkmäler
dieser Culturperiode vorgebracht haben, findet ebensogut
seine Erklärung, wenn man ein anderes arisches Volk wie die
Thraker als Schöpfer derselben betrachtet. Der eigenthümliche
 von der Kunstüähnng der Semiten und Hamiten abweichende
 Charakter derselhen liegt eben in der tiefgehenden
Verschiedenheit der arischen Rasse als solcher gegenüber der
sem1tisch-hamitischen Rasse hbeeründet

‚sondern muss sich auch auf das nordöstliche Griechenand
 und allerwenigstens, wenn auch in viel milderem
ärade, über Attika ausgedehnt haben, denn die den
urynthischen und mykenischen so nahe verwandten
Sulturproduete, die uns im Kuppelgrabe von Menidi.
ıuf den Akropolen von Athen und Megara, in Eleusis.
n den Gräbern von Spata und Aliki, sowie in denen
Jer Inseln Salamis und Aegina entgegentreten, verschwinden
 auch hier plötzlich und spurlos.“ !)
Es möge dahingestellt bleiben, ob Tiryns und
WMykenä gerade durch die Dorer zerstört und die
\uswanderung der Aeoler nach Kleinasien durch den
Zinbruch desselben Volksstammes veranlasst worden
sei: so viel ist im höchsten Grade wahrscheinlich.
lass die FKinwanderungen der hellenischen Stämme
ne wenigstens theilweise Auswanderung der vora1ellenischen
 Bevölkerung nach Kleinasien zur Folge
a1aben mussten. Damit hängt es aber jedenfalls zuammen,
 wenn plötzlich im fünften Jahre der
Regierung König Merneptah’s, des Sohnes und Nach-'olgers
 Ramses IT. (gestorben 1230 v. Chr.), im Verne
 mit den Turufa, Sardana, Sakarusa und Ruka
Lykier) auch der vorhellenische Volksstamm der
\qualwasa, an dessen Identität mit den homerischen
AyaıFol wohl nicht gezweifelt werden kann, „von
len Ländern des Meeres“, ‚unter welchen wir wohl
lie Inseln und Küsten im Norden des Mittelmeeres,
unsbesondere des Aegäischen Meeres zu verstehen
ıaben, im Osten Aegyptens erscheinen. Ein ähnlicher
Zinbruch kleinasiatisch - griechischer Völker (der
Sardana, Turusa, Sakarusa, Sakkari, Pursta, Uasas)
nit Weib und Kind und aller Habe erfolgte im
ıchten Jahre der Regierung Ramses III, (um 1180
7. Chr.) im nördlichen Syrien. Im Bunde mit diesen
Völkern erscheint gleichfalls ein vorhellenischer
Volksstamm, die Danauna, die man wohl gleichfalls
ohne Bedenken mit den hamer Agvxol identificiren
kann.)
Demgemäss können wir den Beginn der hellenischen
 Wanderungen in das XML. Jahrhundert
setzen und damit stimmt es, dass die jüngsten sicher
bestimmbaren ägyptischen Skarabäen, die in Mykenä
gefunden wurden, dem XIV. Jahrhunderte angehören,
Jedenfalls war bereits zur Zeit, als die Hellenen
aus ihren mitteleuropäischen Stammsitzen nach
Griechenland kamen, die grosse Periode der Ausbreitung,
 während welcher der grösste Theil Europas
1) SchLieManNN, Tiryns 97,
2) Meyer. Geschichte des Alterthums. I. 312, 317.
            
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