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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

ein Idealbild betrachtet werden darf, dieselbe als
eine ganz bedeutende, der Cultur der Achäer ebenoürtige
 erscheinen lässt.!) Von dieser Höhe der Cultuır
sind allerdings die Thraker in späterer Zeit herabgesunken.

Mit Rücksicht auf die Wichtigkeit der Frage
nach der Nationalität der vorhellenisch-arischen Bevölkerung
 Griechenlands darf nicht unerwähnt bleiben,
dass Dümmser die Vermuthung ausgesprochen hat,
dass vielleicht die vorgeschichtliche Bevölkerung
Trojas semitisch gewesen sei. Seine Vermuthung
beruht hauptsächlich auf der vollkommenen Uebereinstimmung
 der alttroischen und altkyprischen Cultur,
eine Uebereinstimmung, die sowohl formeller wie
technischer Natur sei, indem nicht nur die Formen
der meisten Thongefässe, sondern auch sämmtliche
Waffen und Idole, sowie die Herstellung der Thongefässe,
 die Art des Schlämmens, Brennens, die
Politur der Oberfläche, die eingeritzten und weissen
gefüllten Ornamente identisch seien, wie ja auch
OnnzFraLschH-RiıcHTER die altkyprische Cultur ein
Gegenstück der alttrojanischen nennt.”) Und da er
die ältesten Nekropolen auf Kypern einer vielleicht
semitischen, jedenfalls aber vorphönischen Binnenbevölkerung
 zuschreibt und die so weitgehende
Uebereinstimmung an zwei Punkten, welche in jener
Zeit schwerlich durch Schifffahrt verbunden waren,
nur durch Identität der Bevölkerung erklärt werden
könne, gelangt er zum Schlusse, dass vielleicht auch
die vorgeschichtliche Bevölkerung Trojas eine semitische
 gewesen sel.®)
Dagegen ist zu bemerken, dass die Cultur der
ersten prähistorischen Stadt Trojas sowie der ältesten
Ansiedelung von Mykenä und Tiryns mit der Cultur
der mitteleuropäischen Stein-Kupferzeit identisch ist
konnte doch SchLIEMANN fast allen in diesen ge:
fundenen Gefässformen, Geräthen und Waffen aus
Stein, Knochen und Metall analoge Formen mitteleuropäischer
 Herkunft zur Seite stellen.*) Da es ganz
1) Heisıc, Das homer. Epos. Zweite Aufl. Leinzig 1887
S. 6—12.
») OnnseFaLsch-Rıchter, M., Kypros. Berlin 1893. Vorwort
VII. Auf den Tafeln CXLVI—CXLIX zeigt derselbe die frappirenden
 Aehnlichkeiten der trojanischen Hissarlik-Cultur und
der frühen kyprischen der Kupfer-Bronzezeit. Doch hält er
die älteste Bevölkerung Kyperns für keine semitische, sonderr
für eine europäische, und zwar phrygisch-thrakische.
3) DümmıEer, F., Mittheilungen von den griech, Inseln
Athen, Mittheil., XI, 212,
4) ScHLIEMANN, Ilios 244—298 und Tiryns 65—93. Furt
WÄNGLER (Anhang zum XI. Bd, d. Beitr, z. Anthrop. u. Urgesch
Baverns. München 1895. S. 15) bemerkt. dass die ganze Cultur

zusgeschlossen ist, dass diese Cultur durch Semiten
1ach Mitteleuropa gekommen ist, so muss auch die
Vermuthung, dass die Troier Semiten gewesen, als
ınrichtig zurückgewiesen werden und kann aus der
Identität der alttroischen und altkyprischen Cultur
aur der Schluss gezogen werden, dass bereits in sehr
'rüher Zeit in Kypern sich Thraker angesiedelt haben,
in Schluss, den auch wirklich OHnrFALSCH-RicHTER
zezogen hat.)
Dazu kommt noch, dass wir Zeugnisse aus dem
\lterthum besitzen, die nicht nur die Troier?), sondern
zuch noch andere kleinasiatische Völker als Thraker
jezeichnen und nach denen dieselben nicht aus Kleinısien
 nach Europa, sondern umgekehrt aus Europa
nach Kleinasien gekommen sind. So werden aus-Irücklich
 die Thyner und Bithyner als thrakische
Stämme bezeichnet; ®) ebenso die Phryger*) und
Myser,°) deren Namen auf der Balkanhalbinsel in
Jen Namen der Briger und Möser wiederkehren. Auch
aus dem von Hrzronor erwähnten Umstande, dass
an dem uralten Tempel des karischen Zeus zu Mylassa
lie Myser und Lyder als Brüder der Karer theil
aatten,‘) können wir entnehmen, dass die drei genannten
 Völker stammverwandt waren, dass also
auch die Lyder und Karer zu demselben Stamme
zehörten, wie die ausdrücklich als Thraker bezeugten
Myser. Und von den Armeniern, deren Sprache sich
noch bis heute erhalten hat, sagt derselbe HE:roDor,
Jass sie Abkömmlinge der Phryger seien.") Diırrexler
 Bewohner der ersten Stadt Trojas im engsten Zusammenhange
 mit der in Mitteleuropa während der Kupferzeit herrschenden
 stehe. „Troja stellt nur einen Ausläufer mitteleuropäischer
 Cultur dar, und seine Bewohner waren aller
Wahrscheinlichkeit nach europäischer Herkunft.“
1) OnneraALscH-RıcHTER, a, a. 0. 260.
2) ScHLIEMANN, Ilios 144.
3) Hrov., I, 28, VII, 75; Tavkyp. IV, 75: Strago. VI. C. 295.
IT, C. 541.
4) Huron., VII, 73; Sreano, X, C. 471, und XII, C. 572. Die
Richtigkeit der alten Tradition ist in neuester Zeit durch die
Untersuchungen A. Körre’s glänzend bestätigt worden. Ein
jei der Station Bos-öjük im nordwestlichen Phrygien befindlicher
 Tumulus, den dieser Forscher untersucht hat, wurde
mit einem gleichfalls von demselben untersuchten Tumulus
bei Salonik als wesentlich übereinstimmend befunden, wie
auch die in dem phrygischen Grabhügel gemachten, sehr
zahlreichen Funde in Thon, Bronze, Knochen und Stein den
'roischen genau gleichen sollen. Verh. d. Berl. Ges, f. Anthrop..
Sthn. u. Urg. 1896, 8. 123.
5) Straso, XII, 541.
6) Herop,, I, 171.
7) Huron,, VII, 73. Evooxus bei Steph. B. v. ’Appevi@ und
bei Eusthath. in Dionys. Perieg. v. 694 sagt: ’ApısvıoL tö YEvog
:% Dovyiac “al TB Cwvd nid OpuYiCouoLV
            
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