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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

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vorliegen. Von durchbohrten Hämmern mit mehr oder
minder ausgebildetem Knauf am Bahnende, wie solche
anter Anderem in den Pfahlbauten des Ostalpengebietes
nicht selten sind, ergaben sich zahlreiche Bruchstücke.
Hornstein, daneben auch Obsidian, wurden hieselbst
 intensiv verarbeitet, Prismatische Messer, von
den kleinsten Splittern bis zu ansehnlicher Länge, zierliche
 Pfeilspitzen (bemerkenswerther Weise auch Pfeilspitzen
 aus Obsidian), kleine Rundschaber, wie sie
ähnlich auch auf den Feuersteinwerkstätten im Elbe-,
Oder- und Weichselgebiete sich finden, Nuclei, Abfallsplitter
 und Späne mit Schlagmarken, kämen in Unmasse
 vor. Auch Knocheninstrumente haben sich erhalten,
 hauptsächlich sind es Nadeln und Pfriemen;
ain in der Wohnstätte von Vukovar aufgefundener halbkreisförmiger
 Beinkamm (im Museum zu Esseg) dürfte
jedoch kaum mehr prähistorisch sein, da analoge
Formen anderwärts erst in der römischen Kaiserzeit
üblich wurden. Von anderen. Werkzeugen und Geräthen
hätten wir noch Schlag- und Wetzsteine, durchbohrte
Steinkugeln, sowie Webstuhlgewichte in verschiedenen
Grössen, Wirtel, spulenartige Rollen, radförmige Scheiben
und. stempelartige Glätter, Alles aus Thon, zu erwähnen.
Gegenstände aus Metall kamen auf diesen Stationen
kaum zum Vorschein.
Aeusserst zahlreich und von hohem Werthe sind
die ‘keramischen Reste, von denen die meisten der
neolithischen Zeit angehören; neben einer Fülle von
ornamentirten Scherben wurden erfreulicherweise auch
viele Gefässe in mehr oder minder gutem Zustande
ausgegraben. Sehr überrascht war ich, hier genau dieselben
 Gefässformen und Ornamente, wie sie aus dem
Laibacher Moor bekannt sind, vorzufinden, Ich notirte
grosse Krüge mit breitem Henkel, kleine Henkeltöpfchen,
runde Schalen in verschiedenen Grössen mit mehreren
Füssen, kleine Schälchen mit fussartig ausgebildetem
Boden, flache Untersätze mit Füssen, Henkeltassen u. s. W.,
welche alle nicht nur in der Form, sondern auch im
Ornament vollkommen mit der neolithischen Keramik
aus dem Laibacher Moor übereinstimmen. Die merkwürdigen
 eingestochenen und eingeritzten Bandmuster,
die aus concentrischen Kreisen bestehenden „Sonnen“
(im Centrum leer oder ein Kreuz enthaltend), über
Eck gestellte Vierecke, Zickzackornamente u. dgl. m.,
all’ das kehrt hier wieder, in derselben Eigenart, mit
denselben Details.*)
Während die Oberfläche der krainischen Gefässe
mehr von stumpfer, schwarzer oder gelblicher Färbung
ist, sind unsere slavonischen zum grossen Theile
schwarz-, gelb-, rothgelb- und bräunlichglänzend. Eine
Anzahl Scherben hat grosse, zapfenförmige Fortsätze,
andere zeigen (an Stelle der Henkel) breite, ornamentirte
 Griffe. Unter den neolithischen Ornamenten, deren
manche auffallend tief eingestochen sind, treten neben
den charakteristischen geometrischen Mustern gelegentlich
 auch figürliche Elemente auf, so z. B. an einem
Bodenstück von VuGedol (Museum in Agram), WO
1) Unter Anderem fehlen nicht der Zackenrand an der
Seite der aus mehreren Linien bestehenden Streifen oder die
Innenverzierung der Fussschalen.

zleichsam als Bodenstempel ein Mann mit erhobenen
\rmen, ganz ähnlich wie auf den Oedenburger Hallstattzefässen,
 dargestellt ist. Von grosser Wichtigkeit ist
:erner auch das Vorkommen von Erzeugnissen einer
orimitiven neolithischen Thonplastik auf diesen Wohn-;tätten,
 Im städtischen Museum zu Esseg ist aus Vukovar
‚on Herrn NusEr eine Thonfigur der Art; wie sie in
Zutmir und den verwandten siebenbürgischen Stajonen
 auftreten, deponirt; vom Gesicht sind bei diesem
'dol Nase und Augen angegeben, die Arme sind durch
zurze Fortsätze angedeutet, den Leib bedeckt auf der
Torder- und Rückseite eine Art Fischgrätenmuster.
Ob eine Gruppe von Gefässresten mit Ornamenten,
xie sie im Laibacher Moor nicht vorhanden sind,!) noch
;twa der neolithischen Periode zugerechnet werden
larf, darüber bin ich im Zweifel; diese Stücke ernnern
 mich mehr an gewisse Gattungen der ungarischen
 bronzezeitlichen Topfwaare.
Von jüngeren keramischen Erzeugnissen seien aus
ler Hallstatt-Zeit ein kleines, bauchiges Gefäss mit drei-'achem
 Halse (Vukovar; städtisches Museum zu Esseg),
zleine Buckelgefässe der bekannten Villanovaform, sowie
Scherben von derartigen grossen Urnen genannt. Typische
Hallstattsachen sind in Slavonien noch sehr spärlich
zertreten, deswegen verdienen diese Stücke immerhin
inige Beachtung. In der La Tene-Periode lagen diese
\nsiedlungen gleichfalls nicht verödet da, wie zahl-;eiche
 graugelbliche, auf der Aussenseite gerippte
Scherben aus Glimmerschüppchen enthaltendem Thon,
welche in die zweite Hälfte der La Töne-Zeit zu setzen
und und die im Donaubecken eine sehr weite Veroreitung
 haben, beweisen, Einige Gefässreste dürften
sogar erst in die römische Zeit zu stellen sein,
Die neolithischen Funde von diesen Plätzen gehören
‚usschliesslich der Periode der sogenannten Bandkeramik
 an, wie sowohl aus den typischen Steinwerkzeugen,
 als auch aus der Topfwaare und ihrer Ornamentik
 hervorgeht. Wir bemerkten schon, dass in den
Pfahlbauten des Laibacher Moores eine ganz gleichırtige
 Gefässgattung wie in unseren slavonischen Wohnstätten
 auftritt. Bisher nahm das Laibacher Moor
nnerhalb der Stufe der neolithischen Bandkeramik in
zewisser Hinsicht eine ganz isolirte-Stellung ein, durch
lie neuen Stationen in Slavonien wird das Gebiet
Jieser localen Gruppe der bandverzierten Gattung jeloch
 ganz beträchtlich erweitert (die Entfernung von
Laibach bis zur Donau bei Vukovar beträgt nahezu
350 km).
Mit den keramischen Funden aus den weiter südich
 und Östlich gelegenen Ansiedlungen derselben
1e0olithischen Stufe, deren Steinwerkzeuge mit denen
zon anderen gleichalterigen Gruppen im Wesentlichen
ibereinstimmen, zeigen die krainisch-slavonischen keinen
jesonderen Zusammenhang. Butmir und Kraljieino
zuvno bei Zepce in Bosnien, Tordos und seine Verwandten
 in Siebenbürgen, sowie die Niederlassungen

1) Ein seltsames Spiralmuster, eine Art „laufender Hund“,
mit gekreuzter Schraffirung, gefüllte langgestreckte Dreiacke
 ete.
            
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