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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

und sehr leicht zerbrechlich, die Skelettheile am gewachsenen
 Boden anhaftend. In der Schädelgegend war
nur so viel Raum vorhanden, dass die Schädel hart
aneinander lagen; etwaige Zwischenräume waren mit
Steinchen ausgefüllt. Die grossen Deckplatten mussten
häufig in Stücke zertrümmert werden,
In Folge der vorgeschrittenen Jahreszeit musste im
Juni die Grabung aufgegeben werden, da die Grasnutzung
 nicht beeinträchtigt werden durfte; die weitere
Arbeit konnte erst wieder im November aufgenommen
werden, und zwar am 3. November, wo das sechste
Grab am Südostabhange geöffnet wurde. In ähnlicher
Lage, wie Grab 1 und 5, liegt Nr. 6. Unter einer
35 cm mächtigen Humusschichte lag eine einzige Steinplatte
 von 2:2 m Länge, 1 m Breite und 13 cm Dicke,
Da die Steinplatte zu gross und schwer war, so wurde
sie mit einem mächtigen Schlägel zertrümmert. Sie lag
auf einer starken, 30 cm tiefen, in der Mitte verengten
Fassung aus Sandsteinplatten bestehend, in der Mitte
40 cm, beim Kopfe und den Füssen 46 cm breit. Von
den sechs in einer Lage Nordsüd befindlichen Skeletten
waren nur zwei Schädel anfänglich sichtbar, während
die übrigen darunter liegenden, sowie auch die Beckenund
 Fusspartie mit viel Erde bedeckt waren. Es lagen
darin zwei alte Individuen, vermuthlich Mann und
Weib. Zur Rechten des Weibes lag ein Kind und ober
den Schädeln der Alten, jedoch tiefer und hart an der
Wand, lagen drei Schädel, vermuthlich den erwachsenen
Kindern angehörig, die zuerst beerdigt wurden. Eine
sorgfältige Durchsuchung des über den morschen Skelettheilen
 liegenden Erdreiches in der Hals-, Brust-,
Becken- und Fussgegend ergab auch nicht die geringste
 Spur irgendwelcher Beigabe oder eines sonstigen
Anzeichens davon. Anfänglich der Meinung, dass die
Gräber beraubt wurden, musste ich beim Oeffnen dieses
Grabes zur Ueberzeugung kommen, das dasselbe völlig
intact war; nur Wurzeln, die bei der Kopfgegend eingedrungen
 waren, verschlemmten hier die Erde zu einer
compacten und schwer zu beseitigenden Masse. Malterkrümelchen
 wurden in. der Erde hier nicht beobachtet.
 Der widrige kalte Ostwind erschwerte die Arbeit
so sehr, dass wir mit der Untersuchung des einen
Grabes‘ durch volle vier Stunden beschäftigt waren,
Am 6. November wurde am Morgen mit der Bloss-Jegung
 eines neuen Grabes, das ich mit Nr. 7 bezeichne
 und das in gleicher Lage, wie die drei vorhergehenden,
 links von der alten zur Fortezza führenden
Weganlage situirt ist. Es liegt nicht in gleicher Höhe
mit den übrigen, sondern um circa 3 m höher, wie
denn überhaupt in der Anlage der Gräber eine grosse
Unregelmässigkeit zu beobachten ist. Die Gräber sind
mit einem Worte nicht in Quer- und nicht in Längsreihen,
 sondern ganz unregelmässig angelegt. Auch
bezüglich der Tiefe der einzelnen Gräber muss ich bemerken,
 dass nicht immer das gleiche Maass eingehalten
 wurde, da die Mächtigkeit der über der Deckplatte
 aufgelagerten Erde und zugehöriger Rasendecke
zwischen !/, m bis zu 1m und darüber varlirte, Die
Mächtigkeit der Erdschichte betrug hier !/, m. Nachdem
 die Deckplatte völlig blossgeleyt war. zeigte sich.

lass dieselbe an ihrer Oberfläche sehr uneben war.
'hre Länge betrug 24 m, die Breite dagegen nur
76 cm. Da dieselbe nicht mit einem Male gehoben
werden konnte, so wurde sie zertrümmert, insbesondere
wurde aber darauf gesehen, dass der über den Schädeln
zelegene Theil der Deckplatte, also ungefähr die Hälfte,
yanz gehoben werden konnte, um eine etwaige Ver-'etzung
 der Schädel zu vermeiden,
Nachdem die Deckplatte ganz entfernt war, zeigte
Jie circa 20 cm breite Steinfassung eine andere Form,
wie bei den vorhergehenden, nämlich nicht rechteckig,
zegen die Mitte einerseits eingeschnürt, sondern trapez-’örmig,
 länglich. Die innere Weite bei den Köpfen beug
 50 cm, bei den Füssen dagegen nur 25 cm. Die
jussere Länge betrug 2 m. Auf der linken Seite, bei
jen Füssen, fehlte ein circa !/, m langes Stück der
35 cm tiefen Steinfassung. Das Innere des Grabes war
‘nsbesondere bei den Füssen und den Schädeln mit
ziel Erde angefüllt, nur in der Beckengegend waren
lie Knochen sichtbar und mit einer schwarzen, fett-„länzenden
 Erdkruste überzogen, die fest an den Knochen
anhaftete. An den Seiten waren Klumpen von jenem
:harakteristischen Erdreich, wie es durch Regenwürmer
aerausgearbeitet und an der Oberfläche von Wiesen
näufig nach Regen beobachtet wird. Das hinwegzeschaffte
 Erdreich zeigte sich auch hier von mörtelihnlichen
 Krümelchen durchsetzt, sehr zäh und compact,
 so dass es nur mit dem Messer geschnitten werden
zonnte, Dadurch erklärt sich auch die Schwierigkeit,
Schädel und Knochen unversehrt zu fördern. Die mit
Jen Knochen zusammenverwachsene Erde verlangsamt
Jie Förderung sehr und bewirkt, dass einzelne Knochen
brechen oder sich aus ihren Nähten loslösen und so
m Boden haften bleiben, aus dem sie dann schwer
zanz herausgelöst werden können. Die Lage der Schädel
war auch hier eine verschiedene. Ein Schädel lag
1ormal, der zweite mit dem Hinterhauptloche nach aufwärts
 und ganz verkrümmter Wirbelsäule, ein dritter
in seitlicher Lage, drei andere lagen hart an der Wand
der Fassung und tiefer. Es waren im Ganzen sechs
Schädel; doch muss die merkwürdige Thatsache constatirt
 werden, dass sich ein Hüft- und Kreuzbein
anter einem Schädel vorfand. Wirbelsäulen und Extremitätenknochen
 waren nur von zwei Individuen vorhanden,
 und zwar nur von den zu oberst gelegenen,
während die Skelettheile der übrigen nicht eonstatirt
werden konnten. Auch von den sechs Schädeln waren
nur zwei Unterkiefer gehoben worden, von den übrigen
waren dieselben nicht vorhanden, Bei sorgfältiger Durchsuchung
 überzeugte ich mich, dass nicht alle Leichname
 ganz beerdigt wurden, sondern einige ganz, von
anderen nur Theile, wie der Kopf. Es drängt sich hier
die Vermuthung auf, als ob hier zu zwei regelrecht
bestatteten Individuen einzelne Skelettheile und Schädel
ron vier anderen Individuen nachbestattet wurden, Bei
ler Beschaffenheit der Knochen und ihrem mürben
Irhaltungszustande lässt sich mit Sicherheit die Anzahl
 der bestatteten Individuen nur aus der Anzahl
Jer Cranien bestimmen. Ob aber die Leichname bei
Jer Nachhestattung oder diejenigen der ersten Bestat-
            
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