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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

7. Herr Professor Dr. IL. Karl Moser in Triest
berichtet über:
Die Plattengräber von S. Michele ob Alt-Muggia
in Istrien. !)
(Mit 2 Textfiguren.) ;
Bereits gegen Ende December des Vorjahres war
es mir vergönnt, über diese merkwürdigen Gräber an
die k. k. Central-Commission für Kunst- und historische
Denkmale zu berichten, indem ich damals die theils
yeöffneten und beraubten Gräber, sowie zwei in deren
Nähe befindliche, noch unversehrte Gräber öffnete und
auf deren Inhalt prüfte. Hiebei ergab sich die sonderbare
 Thatsache, dass diese Gräber ein oder mehrere
menschliche Skelette mit Nachbegräbnissen enthielten,
deren Skelette in gestörter Lage, entweder mit seitlicher
 Lage des Kopfes oder mit der Lage des Gesichtes
nach abwärts oder gar mit verkrümmter Körperlage.
beobachtet wurden. Leider wurden in gar keinem
Falle Beigaben vorgefunden, SO dass eine Feststellung
des Alters dieser Gräber bis nun zur Unmöglichkeit
gehörte. Auf Wunsch des verehrten Präsidenten der
Wiener Anthropologischen Gesellschaft wurde ich zu
weiteren Ausgrabungen angeeifert, welche mich in den
Stand setzten, einige ergänzende Beobachtungen zu
machen.
Das grosse, ausgedehnte Gräberfeld nimmt die ganze
Südostseite des Berges von S. Michele (202 m) ein;
den Berg selbst, der gegen Nordwest steil abfällt,
krönt die in den Dreissiger-Jahren‘ angelegte Festung,
Fortezza Nr. 3, mit Casematte und Wallgraben, welch’
letzterer um das viereckige Fort (in Fig. 20) bis zu
einer Tiefe von ungefähr 7 m steil eingeschnitten ist.
{n diesem Einschnitte nun nimmt man beiderseits die
geöffneten Plattengräber in zwei untereinander stehenden
 Reihen in abwechselnder Folge wahr; doch gestattet
 nur die Nordost- und Südseite einen Ueberblick
über dieselben, da an den beiden anderen Flanken des
Wallgrabens die Strauchvegetation die Gräber zum
Theile verdeckt und deren Untersuchung durch in die
Gräber eingedrungene Baumwurzeln erheblich erschwert
wird. Die von mir an Ort und Stelle angefertigte
Zeichnung in Fig. 21 zeigt die Ansicht der Gräber
von Nordost gesehen, an der inneren Flanke des Wallgrabens,
 darüber die dünne Culturschichte mit Kohlenstückchen
 und Brocken von gebranntem Thon untermischt
 und darüber den Rasen, aus dem die Mauern
der Festung hervorragen.
Auf dem Südostabhange des Berges dagegen liegen
zahlreiche Gräber zerstreut, die sich manchmal durch
leichte Bodensenkungen in der Wiesenfläche kenntlich
machen, meistentheils fehlt aber jede äussere Spur.
Von den im Wallgraben befindlichen Gräbern wurden
am 13. und 14, April d. J. zwei völlig intacte Gräber
and eines auf der erwähnten Wiesenfläche aufgedeckt.
Das erste Grab, von rechteckiger Steinfassung umgeben,
 barg das morsche Skelet eines Kindes, dessen
ı) Siehe den Bericht an die k, k. Central-Commission für
Kunst- und historische Denkmale. December 1896.

Knochen so zart waren, dass nur der defecte Schädel
yehoben werden konnte. Die grosse Deckplatte, die in
len Berg hineinragt, blieb unberührt. Das Grab konnte
nur einfach ausgeräumt werden, Die Lage des Skeletes
Vordwest bis Südost, mit dem Gesichte nach Südost
schauend, war sonst normal, aber mit viel Erde bedeckt.
[n der Erde weisse Malterkrümelchen, eine Erscheinung,
lie wir fast bei allen Gräbern beobachteten. Der gewachsene
 Boden, auf dem das Skelet lag, zeigte sich
wie mit einer zarten Aschenschichte bestreut. Beim
Iinwegschaffen des Erdreiches vor dem Grabe sammelte
ch die Hälfte einer Thonschale auf, kann jedoch versichern,
 dass dieses Bruchstück nicht diesem Grabe anyehörte,
 sondern einfach in der Erde aufgelesen wurde,
Jieses Bruchstück wäre mithin das einzige Artefact, das
sich überhaupt während der ganzen Arbeit vorgefunden
hatte.

fe

Fig. 20. Situation der Gräber von S. Michele.

Gegenüber in gleicher Höhe, in der äusseren
Böschung des Wallgrabens, war ein zweites Plattenzrab,
 das jedoch durch eingewachsene Wurzeln von
\kazien in seinem Inhalte zerstört war. Der hier ge-1obene
 Unterkiefer beweist, dass das Skelet einem
ungen Individuum angehörte, Da- die in der äusseren
ınd inneren Böschung befindlichen Gräber schwer zuzänglich
 waren, theils wegen der Höhe und Steilheit
ler Böschung, theils aber deswegen, weil die Arbeit
wegen des Strauchwerkes eine vergebliche und zeit-;‚aubende
 war, verliess ich diese Stelle und begab mich
auf die sanft geneigte Böschung des Berges, die einen
schönen Weidegrund darstellt,
Gegen den Rand dieser grossen Böschung am Süd-»stabhange
 des Berges wurde dann das erste Massenzrab
 geöffnet (Nr. 1 in Fig. 20). Aeusserlich durch eine
3odensenkung markirt, lag unter ‚einer circa 30 cm
Jicken Rasendecke eine kolossale dicke Sandsteinplatte
von über 2 m Länge und 1 m Breite, die den Eindruck
instiger Bearbeitung machte und äusserlich wie innerich
 keine Spur eines sonstigen Zeichens trug. Beim
            
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