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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

— ‚3) .
ist folgendes merkwürdige Actenstück enthalten, überschrieben
 :
„Der Feuersegen,
Von Gottes Gnaden, Wir Ernst August, Herzog zu
Sachsen, Jülich, Cleve und Berg etc.
Fügen hiermit allen Unsern nachgesetzten Fürstlichen
Beamten, Adelichen, Gerichtshaltern und Räthen in den
Städten zu wissen, und ist denenselben schon vorhin
bekannt, wasmaßen Wir aus Landesväterlicher Fürsorge
alles was zur Conversation Unserer Lande und getreuen
Unterthanen gereichen kann, sorgfältig vorkehren und
verordnen,
Wie nun durch Brandschaden viele in großes Armuth
gerathen können, dahero gleichen Unglück zeitig zu
steuern, Wir in Gnaden befohlen, daß in jeder Stadt
und Dorf verschiedene hölzerne Teller, worauf schon
gegessen, und mit der Figur und Buchstaben, wie der
beigefügte Abriß !) besaget, des Freytags bei abnehmenden
 Monden zwischen elf und zwölf Uhr mit frische
Dinte und neuen Federn beschrieben vorräthig sey,
Sodann aber, wenn eine Feuersbrunst, wovor der große
Gott hiesige Lande in Gnaden bewahre wolle, entstehen
sollte, ein solcher nur bemeldeter Teller mit den Worten:
„Im Namen Gottes“ ins Feuer geworfen und woferne das
Feuer dennoch weiter um sich greifen wollte, dreimal
solches wiederholt werden sollte, dadurch denn die
Gluth ohnfehlbar gedämpfet wird, dergleichen nun
haben die regierenden Bürgermeister in den Städten,
auf dem Lande aber die Gerichtsschöppen und Schultheißen
 in Verwahrung aufzubehalten und bei entstandener
 Noth beschriebenermaßen zu gebrauehen,
hiernächst. aber, weil dieses jeden Bürger und Bauer
zu wissen nöthig ist, solches bei sich zu behalten.
Hieran vollbringen Dieselben unserer Respection gnädigen
Willen. Gegeben in unserer Residenz Weymar den
24. December 1742. Ernst August.“
5. Herr Ludwig Hans Fischer übersendet eine
vorläufige Mittheilung über eine
Prähistorische Ansiedelung in Ober-St. Veit
. (Wien, XII. Bezirk).
Unmittelbar hinter der Einsiedelei in Ober-St. Veit
arhebt sich ein Hügel, welcher der letzte Ausläufer
eines Bergrückens ist, der von den Höhen des kaiserlichen
 Thiergartens gegen das Wiener Becken abfällt.
Die Mineralogen beschäftigte dieser Höhenrücken längst,
weil er ein buntes Gemisch verschiedener Gesteinsarten
in sich birgt, insbesondere Jaspisarten, Sandstein und
zahlreiche Versteinerungen (Ammoniten).
Die ganze Lage des Hügels und das Vorkommen
der harten Steine brachte mich auf die Vermuthung,
dass hier eine prähistorische Ansiedlung gewesen sein
konnte. In der That fand ich auch bald Topfscherben,
welche keinen Zweifel über meine Vermuthung übrig
liessen. Eine Versuchsgrabung, welche ich im Spätherbste
 vorigen Jahres vornahm, ergab ein reiches
1) Dieser’ Abriss enthält ein Zeichen in Form eines
Ankers, rechts die Buchstaben G. A., links die Buchstaben
A. L., unten Consamatum est und drei Kreuze,
Mittheilnngen d. Anthrop. Gesellsch. in Wien. Bd. XXVIL 1897, Sitzune

Material, so dass ich in diesem Sommer auf Kosten
ler Anthropologischen Gesellschaft Grabungen in
zrösserem Stile an verschiedenen Stellen vornahm. Von
ler Commune Wien, der jenes Terrain gehört, erhielt
ich hiezu bereitwilligst die Bewilligung.
Das Resultat meiner Grabungen, welche ich durch
i4 Tage vornahm, war ein sehr befriedigendes, wennzleich
 ich nur einen verhältnissmässig kleinen Theil der
Fundstelle durchgraben konnte, Die circa 200 Schritte
ange Fundstelle am Nordabhange des Hügels ist nur
:heilweise in ungestörter Lage und heute von Wiesen
and Buschwerk bedeckt. Gegen die Mauer des Thieryartens
 zu waren aber einst Weingärten, daher das
Zrdreich bereits umgewühlt. An einzelnen Stellen fand
ich aber doch ungestörte Lagen, in welchen ich die
Grundrisse der Wohngebäude noch ziemlich erkennen
konnte und innerhalb dieser fand ich die am besten
arhaltenen Artefacte, so dass mehrere Gefässe ganz
oder nahezu ganz zu restauriren waren.
Die vorgefundenen Gefässe und Gefässscherben sind
'ast durchwegs ornamentirt und sehr reichhaltig in den
Formen, zumeist topf-, krug- oder kesselförmig. Der
Iypus der‘ Gefässe erinnert sehr an jene, welche in
Fischau, Göttweig und jenseits der Donau gefunden werden.
Werkzeuge fand ich zahlreiche aus Bein und Horn,
ebenso aus Stein, darunter Messer, Klopfsteine aller
Art, Steinmeissel, Steinbeile mit Loch, Mahlsteine etc. ;
ausserdem Spinnwirtel aller Art und ein grosses Webgewicht.

Unter den zahlreichen Knochen, welche sich vorfanden,
 waren besonders viele vom Rind, Schwein,
Hirsch und Reh; ausserdem aber fand ich auch solche
vom Pferd.
Unter den Nahrungsmitteln scheint die Gerste eine
yrosse Rolle gespielt zu haben, da ich sie in verkohltem
 Zustande an mehreren Stellen constatiren konnte.
Funde an Metallen fehlen gänzlich, jedoch wären
diese nicht ausgeschlossen, da ich viele Anhaltspunkte
für deren Vorkommen habe. So fand ich einen Beinpfriem,
 welche ganz blaugrün gefärbt war und offenbar
1eben einem bereits verwitterten Bronzegegenstand
zelegen ist.
Die Fundamente der Wohnhäuser, welche zerstreut
am Hügel lagen, zeigen eine rechteckige Form, welche
man oft ziemlich deutlich an dem vorbenannten Mauer
bewurf erkennt.
6. Herr Kälmän Freiherr v. Miske berichtet:
Ueber einige Funde aus Velem-St. Veit.
(Mit 9 Textfiguren.)
Meine Sammlung von Funden aus Velem-St. Veit
‘vgl. oben S. [13]) umfasst gegenwärtig circa 1600 Stücke,
aus welchen ich einige zur Beschreibung und Abbildung
zuswähle; zunächst eine Emailperle (Fig. 11). Um den
walzenförmigen Körper der Perle befinden sich an den
Enden und in der Mitte drei ringförmige Bänder, welche
3inst mit dünnen, schräg gestellten, abwechselnd weissen
and gelben Linien besetzt waren, zwischen welchen die
blaue Farbe des den Körper bildenden Glases hervorsah.
Durch den Mittelring wird die Perle in zwei Felder getheilt.
harıchte
            
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