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Kinen beklagenswerthen Verlust hat die Gesellschaft
durch das Ableben unseres unterstützenden Mitgliedes.
Se. Excellenz Herrn ALFRED RırrER v. ÄRNETH, erlitten.
Herr v. ARNETH war Historiker; unsere Betrachtungsweise
des socialen Menschen musste ihm
ferne liegen. Um so dankbarer gedenken wir der wohlwollenden
Theilnahme, welche dieser hervorragende Mann
seit langer Zeit unserer Gesellschaft zugute kommen
liess. Dessen unerschütterliche Objectivität in der Beurtheilung
einer seinem Arbeitsgebiete ferneliegenden
Richtung zeigte sich glänzend bei der Durchführung
des Werkes: „Die österreichisch-ungarische Monarchie
in Wort und Bild“, sie wurde gemäss der Bestimmung
des verblichenen erlauchten Thronfolgers dem Wesen
nach in seine Hände gelegt. Dieser Umstand trug
wesentlich dazu bei, dass die bei Begründung des
Werkes massgebenden Gesichtspunkte keinerlei Schmälerung
bis zum Ende erfuhren, Wir haben somit die
zwingendsten Gründe, uns den zahlreichen Trauerkundgebungen
anzuschliessen, welche aus allen mit der
Wissenschaft nur irgendwie zusammenhängenden Kreisen
im In- und Auslande 'erflossen sind, Möge das Bild
dieses edlen für den Fortschritt der Wissenschaft begeisterten
österreichischen Patrioten niemals im Andenken
ler Nachwelt erlöschen!
Wir beklagen auch den Verlust, welchen die
ungarische Prähistorik durch den Tod unseres Ehrenmitgliedes
des Herrn Franz PuLszey DE LUB6öczZ %s
ÜzELFALVA erlitten hat, Er bekleidete die officielle
Stellung eines „Inspectors der Museen und Bibliotheken
in Ungarn“, Sein Antheil an der mächtigen Entwicklung
des „Ungarischen Nationalmuseums“ wird hoffentlich
bald von hiezu berufener vaterländischer Seite
geschildert werden. Für die Entwicklung unserer Wissenschaft
erscheint es bedeutungsvoll, dass Franz v. PULSZKEY
vom kunsthistorischen Standpunkte aus an die prähistorische
Archäologie herangetreten ist. Sein 1884
erschienenes Werk: „Die Kupferzeit in Ungar“ wirkte
insoferne grundlegend, als es die Zweifel an der Existenz
einer besonderen „Kupferperiode“ an der Hand
des besonders reichen ungarischen Materiales nachdrücklich
bekämpfte. Auf PuLszkxy’s Wege sind Dr. HAMmper
and Dr. MATtrmÄus Mucmy erfolgreich fortgeschritten.
Schon früher hatte PuLszky in seiner Arbeit: „Die
Denkmäler der Keltenherrschaft in Ungarn 1879“ im
Anschlusse an die westeuropäische Archäologie die La
Tene-Periode in Ungarn nachgewiesen. Seine letzte
Arbeit ist die Beschreibung der prachtvollen Goldfunde
aus der Völkerwanderungszeit, welche von der königl.
ungarischen Regierung für das Nationalmuseum erworben
worden waren. Sie führt den Titel: „Die Goldfunde
von Szilagy-Somlyo“, 1890.
2. Herr Dr. Martin KriZ hält einen Vertrag:
Die Quartärzeit in Mähren und ihr Verhältniss zur
tertiären Periode.
‚ Derselbe wird in erweiterter Form im ersten Hefte
des Bandes XXVIII (1898) der „Mittheilungen“ er.
scheinen.
- 3. Herr Professor Alexander Makowsky be:
richtet über
Neue Funde aus dem Löss von Brünn.
Derselbe betrifft einen Anfangs November 1897 im
‚öss von Brünn in Mähren aufgedeckten prähistorischen
/und, welcher einen neuerlichen Beweis der Gleichzeitigkeit
des Menschen mit der diluvialen Thierwelt
ildet.
Am Südostabhange des Rothen Berges bei Brünn,
woselbst seit vielen Jahren grosse Ziegeleien im Betriebe
ınd viele Reste diluvialer Thiere, selbst einige menschiche
Skeletreste constatirt worden sind (siehe MAKOWSKY,
Löss von Brünn, 1888. Verh. des nat. V. in B.), wurde
schon vor etwa 10 Jahren eine 7 m mächtige Lösslage
abgetragen, deren Unterlage, noch 4 m mächtig,
arst heuer in Verwendung kam.
Bei dieser Gelegenheit fanden sich in einer Tiefe
‚on 3 m (also ursprünglich 10 m tief) auf einer etwas
concaven Fläche eine grosse Anzahl von elfenbeinweissen,
dicht mit Mangandendriten . überzogenen
Knochen diluvialer Thiere, die von festen Mergelkrusten
ingehüllt, zufolge der Wasserdurchlässigkeit der nun
schwächer gewordenen Lössdecke so brüchig und morsch
zeworden waren, dass nur wenige Knochen unzerbrochen
ıerausgelöst werden konnten. Die sorgfältig vorgenomnene
Untersuchung der thierischen Reste an.Ort und
Stelle ergab einige Fusswurzeln und Armknochen eines
ungen Mammut, einen Unterkieferast und gleichfalls
“usswurzeln und Extremitäten von Rhinoceros Tichohinus
(gleichfalls ein junges Thier), sodann viele
Skelettheile von Bison priscus und Equus fossilis.
Nirbelkörper und Rippen dieser Thiere fehlten. Benerkenswerth
ist die Thatsache, dass die Knochen
yunt und lose durcheinander lagen, so z. B. neben
lem Kiefer des Rhinoceros die Fusswurzeln von Bison
ınd Equus, dass ferner kleine Holzkohlenstückchen,
welche den Löss dunkel gefärbt, beigemischt waren.
In Folge der Zerbrechlichkeit der Knochen konnten
weder Schlagmarken noch aufgeschlagene Knochen constatirt
werden; auch Steinwerkzeuge fanden sich nicht
vor. Dessenungeachtet unterliegt es keinem Zweifel,
lass diese kunterbunt nebeneinander geworfenen thieri-3chen
Skelettheile die Reste einer Mahlzeit des Menschen
N der Diluvialperiode sind, dass wir also neuerdings
»ine in dieser Localität schon früher beobachtete Lagerstätte
des diluvialen Menschen vor Augen haben,
Die wichtigsten Knochenreste dieses Fundes sind
len diesbezüglichen Sammlungen des mineralogischen
Museums der technischen Hochschnle in Brünn einverleiht
worden.
4. Unser Präsident, Herr Baron v. Andrian-Werburg,
verdankt der Güte des Herrn Morıtz Enger
in Speier die Mittheilung einer Nummer der „Didaskalia“
(851, welche folgenden für die Beurtheilnng des in
jüngstverflossener Zeit bestandenen „Wortaberglauhens“
nicht unwichtigen Aufsatz enthält:
Im 37. Stück des von M. EncEL redigirten „Voigtländischen
Anzeiger“, Plauen, den 13. September 1817.