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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

69] —

Zu Punkt 4 der Tagesordnung, Erörterung der zur
Förderung des Werkes weiter erforderlichen Massnahmen,
 wird beschlossen, dass das Format des
schweizerischen Werkes 48:33:5—34, bedruckte
Fläche. mit Kopf 39:23'5, allgemein angenommen
werden soll. Die genaue Mittheilung wird Herr GRERLICH
den beiden Stellen Berlin und Wien machen. — Ebenso
soll die Ausstattung in Bezug auf Papier und Druck
sich ganz der des schweizerischen Werkes anschliessen,
Die nach der Herausgabe entbehrlichen Blätter
sollen den Verfassern zurückgegeben werden, falls der
Wunsch besonders ausgesprochen wird.
Der beschreibende Text der Aufnahmen soll nach
folgenden Gesichtspunkten geordnet werden:
1. Geschichtliche und wirthschaftliche Notizen,
2, Lage des Gehöftes und seiner einzelnen Bauwerke,

3. Anordnung und Eintheilung der Gebäude.
4. Constructive und architektonische Ausbildung.
5. Bemerkenswerthe Einzelheiten des Inneren und
Aeusseren,
Das bisher an Zeichnungen und Beschreibungen
gesammelte Material soll, soweit Niederdeutschland in
Frage kommt, an Herrn Lurscm und, soweit es Öberdeutschland
 betrifft, an Herrn ScHÄFER gesandt werden.
Beide Herren werden für eine Versicherung der werthvollen
 Zeichnungen gegen Feuerschaden auf Kosten
des Deutschen Verbandes Sorge tragen,
Die nächste Sitzung soll am Sonntag den 28. September
 1897 stattfinden, und zwar auf freundliche
Einladung der Wiener Herren in Wien.“

Die Anthropologische Gesellschaft in Wien hat nun
anlässlich der dritten Delegirten-Conferenz in Wien am
4. October d. J. folgendes Memorandum an den Ausschuss
 gerichtet, welches von Herrn Oberst i. R. GrsTAv
BANCALARI in Linz verfasst wurde.
„Das im Februar d. J. versandte Protokoll (Berlin,
30. August 1896) der versammelten Vertreter der
Comit6s lässt einen langsamen, aber befriedigenden
Verlauf dieser Riesenarbeit hoffen. Es war vom Beginne
an klar, dass sie nicht rasch und dass sie erst nach
längerer Zeit mit dem Erfolge einer gewissen Vollständigkeit
 verlaufen könne. Es wäre bedauerlich, wenn
die Herausgabe des Werkes übereilt würde, besonders
aus folgendem Grunde:
Der Zweck ist die Darlegung der Entwicklungsgeschichte
 des Bauernhauses, Diese Geschichte ist an
einem und demselben Orte nicht zu erkunden. Jede
Gegend besitzt unter Neuestem (Werke der modernen,
rechnenden Bautechnik) und Neuerem (Werke der volksthümlichen
 Bautechnik der Landpolire) allerdings auch
einige, oft recht versteckte, meist in abgelegenen Oertlichkeiten
 oder in Winkeln des Gehöftes u. dgl. erhaltenen
 Reste eines primitiveren Typus, z. B, Haustheile
 mit Blockbau und sanft geböschten Legschindeldächern,
 oder Rauchhäuser neben Ziegelmauer, Patentziegel-
 oder Steinpappedächern und Sparherden, Aus
diesen Stücken lässt sich dann wohl eine lückenhafte
Akira der Fntwiceklung der Bauweise dieses Bezirkes

zewinnen. Die richtige und einleuchtende Erklärung
ler Entwicklungsstufen und vieler typischer Details
edoch findet sich fast immer „anderswo“ und nach
Erfahrung gewiegter Hausforscher immer dort, wo man
lies am wenigsten erwartet. Das Gebiet der sogeaannten
 Cimbern z. B. hat wenig Aufschlüsse geboten,
jas Gebiet der Siebenbürger Sachsen (eigentlich Rheinranken)
 gar keine oder ganz andere, als die erwarteten,
negative. Anderswo hat das Gegentheil stattgefunden,
Jede Lücke der Hausforschung, jede Vernachlässigung
.rgend eines Thales,. einer Gegend kann somit eine
Lücke in der Entwicklungsgeschichte verschulden; denn
las ist ja wohl ein längst anerkannter Satz, dass das
Vacheinander der menschlichen Lebenserscheinungen,
ler durch die Lebensfürsorge bedingten Hervorbringungen
änzig und allein an den verschiedenen, heutzutage
also gleichzeitig) neben einander oder oft weit von
aäinander zu beobachtenden Erscheinungen studirt werden
kann. So hat z. B. die Wurzel unserer religiösen Vorstellungen,
 unserer socialen, besonders unserer Familien-‚erhältnisse
 u. s. w. erst blossgelegt werden können
durch Beobachtungen an Naturvölkern, ehe unsere
Sultur dieselben modificirt oder verwischt hat, Auch
ler Hausbau muss nach dieser Methode studirt werden,
Einigen Aufschluss wird wohl auch die Beobachtung
jei Naturvölkern bieten; die Hauptaufschlüsse für die
Zntwicklung der gegenwärtigen Hausformen aber sind
rielleicht innerhalb Mitteleuropas zu suchen. Der Umstand,
 dass die Gegenden sich verschieden verhalten
yegen jede Neuerung, besonders aber gegen Modernisirung;
 dass man z. B. im Thale Wildalpen Wohnungen
trifft, wie sie wahrscheinlich vor 400 Jahren auch
ıoch in Stadt Steyr bestanden haben u: dgl., gibt der
Annahme, dass man die Aufeinanderfolge der Wohnırten
 durch die Ermittlung aller typisch verschiedenen
Wohnarten verschiedener Bereiche ermitteln könne, eine
’este Grundlage, Darum legen wir ein. besonderes Gewicht
 auf Vollständigkeit, d. h; es sollte kein distineter
 Typus Mitteleuropas versäumt, übersehen werden.
in dieser Beziehung wäre als ein abschreckendes Bei:
spiel die französische officielle Publication „Enquöte sur
les conditions de l’habitation en France, les maisons
types“, Paris, E. LErovux 1894, wärmstens zu empfehlen.
Jie hatte allerdings nicht den Zweck, die Entwickungsgeschichte
 der Typen zu ermitteln, Aber gerade
die Lückenhaftigkeit des gesammelten Materiales trägt
Schuld, dass man aus dem Gebrachten so wenig lernen
zann. Die einzelnen Typen sind zumeist unverständich
 durch Mangel an Beziehung auf andere, aber auch
Jurch mangelhafte Darstellung.
Es ist klar, dass diese Forderung der möglichsten
Vollständigkeit durch den Kostenpunkt arg bedrängt
wird. Wir halten nun dafür, dass ausser den programmnässigen
 Hauptbildern der Haupttypen billige Neben-»lätter
 eingefügt werden, ähnlich wie dies EıcL in
seinem bekannten „Salzburgerhause“ so zweckmässig
zethan hat, Manches kann schematisch angedeutet,
Manches in kleinem Massstabe gezeichnet werden. So
zönnte man allerlei Varianten berücksichtigen und hielurch
 mehr Anhaltspunkte für die Typenkarte ermitteln
            
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