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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

[68] —

der 4. Abschnitt die Bauernhäuser in der Schweiz
and ihren Grenzgebieten in Aufnahmezeichnungen mit
beschreibendem Texte zur Darstellung bringen.
Jeder der vier Abschnitte soll einzeln käuflich sein,
Das Format soll dem des Wasmuth’schen Verlages
gleichen, Die Zeichnungen der zur Classe I gehörigen
Aufnahmen sollen der Regel nach auf den Massstab 1:100
gebracht werden; es soll aber zulässig sein, besonders
werthvolle Facaden auch in der Grösse der Originalaufnahme,
 also im Massstabe 1:50 wiederzugeben, Für
die Tafeln soll Photolithographie, für die Abbildungen
im Texte Strichätzung gewählt werden. Die Ausstattung
des Werkes, dessen Druck mit lateinischen Lettern
erfolgen soll, muss eine würdige sein, soll aber nicht
zu einem Prachtwerke gesteigert werden.
Es wird in Aussicht gestellt, das Werk in
Commissionsverlag herauszugeben, und zwar derart.
dass für jedes der drei Ländergebiete ein besonderer
Verleger gesucht wird. Letzteres erscheint schon aus
dem Grunde nöthig, weil für die Herausgabe die
Unterstützung dreier Staatsregierungen nachzusuchen
sein wird, Diese Unterstützung soll in der Form erbeten
 werden, dass seitens der Staatsregierungen die
Abnahme einer bestimmten Anzahl von Exemplaren zuı
Vertheilung an Bibliotheken und Lehranstalten sichergestellt
 wird,
Die Leitung der Herstellung des Werkes muss eine
einheitliche sein. Herr Frırsch erbietet sich zu derselben.
 Der Ausschuss nimmt dies Anerbieten dankbarst
 an.
Der Zeitpunkt, wann das Werk ganz vollendet sein
kann, lässt sich auch nur mit annähernder Sicherheit
nicht übersehen. Der Ausschuss hält aber eine möglichste
 Beschleunigung, namentlich in Bezug auf die
Sammlung des Stoffes schon deshalb für dringend
nöthig, weil dem Bestande alter werthvoller Bauernhäuser
 fast überall täglich Gefahr droht. Die Sichtung
und Verarbeitung des Stoffes soll dagegen nicht überstürzt,
 sondern mit grösster Sorgfalt vorgenommen
werden. ;
Es wurde deshalb beschlossen, als letzte Frist für
die Einreichung des gesammelten Materiales aus allen
drei Ländergebieten gleichmässig den 1. Juli 1897
anzusetzen, jedoch mit der Massgabe, dass es höchst
erwünscht sei, etwa fertige Aufnahmezeichnungen auch
schon früher an die Sammelstellen einzusenden.
Ferner vereinbarte der Ausschuss, dass seine nächste
Berathung im Anschlusse an die Wanderversammlung
des Deutschen Verbandes im Jahre 1896 in Berlin
stattfinden solle.
Die von den Vereinen des Deutschen Verbandes
eingereichten Aufnahmezeichnungen wurden Herrn
LuTtscyH zur Durchsicht übergeben.“

Die zweite Delegirten-Conferenz fand am 30. August
1896 in Berlin statt. Das Protokoll der Verhandlung
des Ausschusses der Herausgabe eines Werkes über die
Entwicklungsgeschichte des Bauernhauses in Deutschland,
 Oesterreich und der Schweiz lautet, wie folgt.

„Anwesend die Herren: HinNcKkeLDEYN und FrırscH
aus Berlin, v. WırLEMANS und BAcH aus Wien, GERLICH
aus Zürich, LuTsocH aus Breslau, ScHÄFER aus Karlsruhe.
Zu Punkt 1 der Tagesordnung, Bericht über die
seitens des Oesterreichischen Ingenieur- und Architektenvereines
 getroffenen Massnahmen, theilen die Herren
7, WıELEMANS und BAcm mit, dass der Oesterreichische
Verein die Vorarbeiten für die Aufnahmen von Bauernhäusern
 fleissig gefördert und auch andere Vereine
zur Mitarbeit gewonnen hat.. Die Staatsarchitekten sind
von den Ministerien zur Mitwirkung bei dem Unternehmen
 aufgefordert. Von der Regierung werden von
1897 ab jährlich für 3 Jahre je fl. 500 zur Verfügung
zestellt. Auch die Landesausschüsse, namentlich in
Niederösterreich, werden voraussichtlich Geldmittel zu
jewilligen bereit sein. Eine Liste der Mitarbeiter ist
zedruckt. Ein reiches Material an photographischen Auf-1ahmen
 und gedruckten Abbildungen wurde vorgelegt.
Zu Punkt 2 der Tagesordnung, Stellungnahme des
Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereines zu
dem Unternehmen, berichtet Herr GERLICH, dass sich
in der Schweiz wegen der Organisation des Vereines
und weil in ihm vorwiegend Ingenieure vertreten sind,
mancherlei Schwierigkeiten ergeben haben. Es ist indessen
 zu hoffen, dass sie sich werden überwinden
lassen.
Zunächst ist mit Herrn Architekten Gros ein Ver-;rag
 über Lieferung von sechs Aufnahmen abgeschlossen,
Jie Heranziehung von Studirenden dürfte für die
Schweiz nicht unmittelbar von Erfolg sein; es soll indessen
 mit den Herren LAsıus, BLUNTSCHLI und KRAMER
von Seiten des Herrn GERLICH verhandelt werden,
Zu Punkt 3 der Tagesordnung, betreffend das bisher
 in Deutschland gesammelte Material, wird berichtet,
dass sowohl aus Oberdeutschland, wie aus Niederdeutschland
 eine Reihe vortrefflicher Aufnahmen eingegangen
 sind, Die Zeichnungen sind im Saale ausgelegt.

In einzelnen Gebieten, wie z. B. im Regierungsbezirke
 Posen, fehlt es noch an Mitarbeitern.
Herr LurTscr verspricht, sich mit geeigneten Persönlichkeiten
 direct in Verbindung zu setzen, um die
Lücken auszufüllen,
Herr HIncKeELDEYN will sich bemühen, das Interesse
der preussischen Baubeamten für die Aufnahmen anzuregen.

Es ist zu erwarten, dass bis zum Juli 1897 noch
weitere Beiträge eingehen.
Herr ScHÄFER theilt mit, dass er mit den einleitenden
 Schritten des Badischen Architektenvereines
nicht ganz einverstanden sei und Abänderungen vorgeschlagen
 habe. Er hofft auf Unterstützung der Regierung
 behufs Entsendung von Docenten und von
Studirenden. Ein Verzeichniss der aufzunehmenden
Bauwerke ist aufgestellt. Bei der grossherzoglichen
Regierung ist die Gewährung des Betrages von Mk, 5000
beantragt; die Bewilligung sei so gut wie sicher.
Herr ScHÄreErR berichtet weiter, dass er sich bemühen
 werde, auch in Württemberg geeignete Kräfte
zur Mitarbeit zu gewinnen.
            
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