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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

19]

und Weingärten, früher gemeinsames Gut, wurden
unter die Mitglieder vertheilt und damit begann es
mit dem Wohlstande der Habaner langsam abwärts zu
gehen.
Von allen Niederlassungen der früheren Anabaptisten
hat sich jene in Gross-Schützen am besten erhalten,
Hier wohnen gegenwärtig noch über 200 Seelen in
47 Häusern beisammen, Wenn man ihren „Habaner-Hof“
 betritt, glaubt man sich in eine andere Weltgegend
versetzt. Wir sehen vor uns eine lange Reihe eigenthümlich
 geformter ebenerdiger Häuser, welche zwei
bis drei Stockwerke hohe Dächer tragen. Diese Dächer,
sowie die ganze Eintheilung der Häuser bilden eine
interessante Specialität der Habaner, welche auf der
Millenniums-Ausstellung gewiss Aufsehen erregen würde,
wenn man rechtzeitig daran gedacht hätte, ein solches
Haus auszustellen, Diese hohen spitzen Dächer sind
trotzdem sie aus Stroh verfertigt sind, unverbrennbar,
denn das Stroh ist mittelst eines eigenen Verfahrens
mit Lehm getränkt und innen mit einem gypsartigen
Mörtel beworfen. In der Hitze sind die Räume unter
einem solchen Dache angenehm kühl und im Winter
warm. Hier befinden sich in zwei bis drei Etagen die
„Oerterle“ oder „Stuberle“ der Habaner, in welchen
sie Getreide oder Waaren aufbewahren, wenn sie dieselben
 nicht als Schlafräume benützen. Die Reinlichkeit
in diesen Häusern ist geradezu beispiellos. Alles weiss
und spiegelblank; in der Küche, wo die emsige Hausfrau
 waltet, schöne, mit grünen Kacheln ausgelegte
Sparherde,
Die Habaner sind Alle Handwerker, in Gross-Schützen
vorwiegend Zeugschmiede, Messerschmiede, Schuster
und Schneider, In Szobotist sind mehr Kürschner,
Schneider, Weber und Tischler. Die Erzeugnisse der
Gross-Schützener Zeug- und Messerschmiede sind berühmt;
 sie lieferten ihre Fleischbarten, Hacken etc.
nach Belgrad, Orsowa, Arad, Szegedin, Temesvär,
Budapest, Wien, Brünn etc. Da die Leute nicht mit
der Zeit vorwärtsschreiten und wenig Verständniss für
die Schaffung eines ergiebigen Absatzgebietes haben,
so werden sie langsam verarmen und aussterben, wenn
ihnen die Regierung nicht unter die Arme greift, Bis
vor Kurzem hat ein Kaufmann in Malaczka fast die
ganzen Erzeugnisse der Schützener Messerschmiede.
besonders deren ausgezeichnete Hacken und Messer,
verkauft. Als der Kaufmann starb, fanden sich nirgends
Aufzeichnungen darüber vor, wohin die Waaren verkauft
 wurden, und jetzt wissen die Habaner nicht, wem
sie ihre Waare schicken sollen. Hier werden gewisse
Artikel mit dem Firmenstempel eines hervorragenden
Budapester Hauses erzeugt und durch dieses in den
Handel gebracht, ohne dass die Welt weiss, dass die
Sachen Erzeugnisse des Gewerbefleisses der Habaner
seien, Gegenwärtig erzeugen die Messerschmiede noch
Hacken aller Art, wie: Holz-, Floss-, Band- und Fleischhacken,
 alle Arten von Hauen, Heindeln, Krampen,
Schaufeln und landwirthschaftlichen Gabeln. Die Messerschmiede
 erzeugen Tischbestecke, Tranchirrequisiten,
Fleischhauer- und Würstlerwerkzeuge. Ihr Absatz be
schränkt sich gegenwärtig fast nur auf die nieder-3sterreichischen

 Märkte, welche sie mit ihren Erzeug-1issen
 besuchen, und bringen sie dort ihre Vorräthe
°ast immer an. Die Habaner erhalten aber auch viele
Bestellungen aus Oesterreich, In Ungarn selbst wird
jetzt mit Ausnahme der Gegend bei Sommerein und
Szenicz wenig von den Erzeugnissen der Habaner
verkauft.
Es wäre jammerschade, wenn von Seite der Regierung
 nichts geschehen würde, um diese fleissigen,
tüchtigen und nüchternen Handwerker vor dem Unterzange
 zu retten. Hier gab es auch einmal sehr tüchtige
Jafner, welche Kunstwerke an bemalten Geschirren erzeugten,
 die heute von Liebhabern gesammelt werden.
Jieses Handwerk ist ganz zu Grunde gegangen.
Schliesslich noch einige Worte über die Herkunft
der Habaner, Jene in Gross-Schützen sind ohne Zweifel
germanischen Ursprunges, Auf diesen deuten ihre
Namen: Walter, Müller, Bernhauser, Weiss, Horn,
Pittl, Kleinadler, Maier, Schmied etc. hin. Die Alten
sprechen heute noch „habanerisch“, eine Art Platt-Jeutsch,
 und nennen den Dienstag „Erchtig“ (Erichs-;ag),
 den Donnerstag „Pfingstig“ etc,
Die Jüngeren können kaum mehr habanerisch, Sie
sprechen deutsch, slovakisch und ungarisch. Ihre Kinder
arziehen die Habaner zu tüchtigen Leuten.

Im Anschlusse daran hat Herr Dr. ABRENDTS in Arnstadt
 (Thüringen) in der Nr. 24 derselben Zeitschrift
vom 9. November 1895 unter dem Titel: „Erchtag,
Pfingstag, Samstag und andere deutsche Lehnwörter“
nach Dr. FrIEDrRICH KLUGE, Professor an der Univerzität
 Freiburg in Baden) folgende Bemerkungen publicirt :
Am Schlusse des fesselnden Aufsatzes von Herrn
EnGYyELI über die Habaner (in Nr. 22, Beilage II
les „Marchthal-Boten“) wird mitgetheilt, dass nur noch
Jie alten Leute dieses Stammes ihr Habanerisch,
ine Art Plattdeutsch, reden, in welchem z. B. der
Dienstag „Erchtig“ (Erichstag), der Donnerstag
„Pfingstig“ genannt werde, In Bezug auf Erchtig und
>fingstig sei auf eine in dem am 1. Juni d. J, auszegebenen
 „wissenschaftlichen Beihefte Nr. VIIE zur
Zeitschrift des allgemeinen deutschen Sprachvereines“
nthaltene sprachgeschichtliche Erläuterung des Proessors
 KLuGE über „die deutschen Namen der Wochen-;age“
 hingewiesen, Daselbst und in seinem „Etymo-.ogischen
 Wörterbuche der deutschen Sprache“ (Strassourg,
 bei TRÜBNER) erwähnt genannter Sprachforscher
eim Worte Dienstag (welches im Altdeutschen „Tag
les Gottes“ besagte) das denselben Tag bezeichnende
haierische Wort „Ertag“ oder „Erchtag“, dessen ur-;prüngliche,
 aus dem deutschen Heidenthum der alten
3Zaiwaren (heutigen Baiern) stammende Bedeutung dem
Wortlaute nach bis jetzt noch nicht zuverlässig erklärt
xerden konnte. Auch über das Wort „Pfinztag“ oder
„Pfingstag“, welches dem gemeindeuteschen Worte
Donnerstag entspricht, berichtet Kıvucz a, a. O., dass
as schon ScHMELLER, der weil. berühmte KErforscher
der baijerischen Mundart und Verfasser eines bezüg-
            
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