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in ihrer vollen Ursprünglichkeit erhalten hat. Es sind
dies Nachkommen der um die Mitte des XVI. Jahrhunderts
unter Ferdinand I. aus. Mähren und Böhmen
vertriebenen Anabaptisten (Wiedertäufer), einer christlichen
religiösen Secte, die zu Anfang des XVI. Jahrhunderts
in der Schweiz, Deutschland und Holland
stark verbreitet war.
Als Kaiser Karl V. mit den vereinigten Fürsten
dem Anabaptistenkönig Johannes von Leyden (Johann
Bockelmann aus Leyden), sowie dessen Reich am
24, Juni 1535 in Münster ein jähes Ende bereitete,
zerstreuten sich die in Deutschland nicht mehr geduldeten
Wiedertäufer nach allen Richtungen, Die erste
Ankunft der Anabaptisten in Ungarn fällt in das Jahr
1546. Ueber die Ankunft und Verbreitung derselben,
sowie über deren abwechslungsreiche Schicksale bis
zur gezwungenen Annahme des katholischen Glaubens
während der Regierungszeit Maria Theresias belehren
uns theils geschriebene Chroniken, theils von eifrigen
Forschern ermittelte Anhaltspunkte, welche ein ziemlich
genaues Bild dieser interessanten Episode unserer culturgeschichtlichen
Entwicklung bieten. So hat der bekannte
Sammler und Erforscher der kleinen Karpathen,
Herr Moxız SpITzER in Szelesküt, dem wir schön manche
interessante Funde verdanken, viel schätzenswerthes
Material über die Anabaptisten gesammelt, welches er
dem Schreiber dieses in freundlichster Weise zur Benützung
überliess. Gelegentlich eines unter der Führung
des genannten Herrn unternommenen Ausfluges zu den
„Habanern“ in Nagy-Levärd hatte ich Gelegenheit, das
mir überlassene geschichtliche Material ans eigener Anschauung
zu ergänzen,
Wie bereits erwähnt, fällt das erste Erscheinen der
Anabaptisten in Ungarn in das Jahr 1546, in welchem
Jahre dieselben durch Kaiser Ferdinand I, gezwungen
wurden, aus Mähren und Böhmen auszuwandern, Sie
überschritten die March und kamen in die Holitscher
und Sassiner Herrschaften, welche damals einem gewissen
Peter Bakito gehörten. Von hier gingen sie
etwas später in die Berencser Herrschaft des Grafen
Franz Nyäry über und siedelten sich in den Orten
Szobotist und Broczkö, später auch in St. Johann,
Gross-Schützen, St. Georgen, Dejthe, Vittenz, Kozsolna
etc. an. Sie kauften sich Grundstücke, Weingärten
und Häuser und betrieben alle Gattungen Gewerbe
mit grossem Fleiss, Die Anabaptisten waren ein
friedliebendes, arbeitsames Volk und hatten darum auch
bald viele Neider und Feinde, Sie bildeten kleine Gemeinden
und lebten in Gütergemeinschaft. Sie wohnten
und arbeiteten gemeinsam und wenn sich ihre Zahl
vermehrte, bauten sie zu den vorhandenen neue Häuser
dazu. Die ersten Jahre der Anabaptisten in Ungarn
waren sehr wechselvoll und schwer. Sie wurden wiederholt
aus ihren Niederlassungen vertrieben und beraubt.
Der Aufstand Bocskay’s im Jahre 1604 und die von
ihm auf der Bereneser Herrschaft verübten Grausamkeiten
zwangen sie zur Flucht in die Wälder und über
die Grenze nach Oesterreich und Mähren, wo sie bis
zum Jahre 1613 verweilten. Am Georgitage dieses
Jahres wurden sie durch die Herren von Berencs wieder
‚urückberufen, Aber schon im Jahre 1619 hatten sie
ınter der kaiserlichen Soldateska, welche nach der
Niederlage des böhmischen Grafen Thun vor Wien
zegen General Dampierre das Land überschwemmte,
viel zu leiden, speciell in den Orten Broczk6ö, St. Johann
ınd Gross-Schützen, wo man sie als „böhmische
3rüder“ verfolgte. Kaum von dieser Plage befreit,
zamen ihnen die Polen und Croaten auf den Hals,
welche am 11. Juli 1620 die March überschritten.
Im Jahre 1622 erhielten die Anabaptisten in
Ungarn neue Zuzüge aus Mähren und Oesterreich, da
Kaiser Ferdinand II, am 22. September auf Vorschlag
jes Cardinals Fürsten Franz Dietrichstein den Befehl
zab, dass alle Anabaptisten oder Herrenhuter aus dem
Zeiche auszuwandern haben. In Folge dieser Ausweisung
nussten die Anabaptisten gegen 24 Gemeinden Mährens
ınd Oesterreichs, in denen sie über 100 Jahre gewohnt
hatten, verlassen und über die March nach Ungarn
ziehen. Die Sage erzählt, dass die Anabaptisten, welche
3s in Mähren zu einem grossen Wohlstande gebracht
hatten, beim Verlassen des Landes gar nichts von
hrem Eigenthum mit sich nehmen durften, Nur vier
Wagen voll Obst waren ihnen mitzunehmen gestattet.
Die Anabaptisten wussten aber ihre Gegner zu üÜberisten,
indem sie das Obst mit Ducaten spickten, Den
Jährmann, welcher sie über die March brachte, bezahlten
sie mit drei Aepfeln, in welchen derselbe
später die verborgenen Ducaten fand,
Die anabaptistischen Chroniken erzählen viel von
Jen schweren Zeiten, welche ihre Gemeinden während
der Insurrection Gabriel Bethlen’s (dieser nahm viele
anabaptistische Handwerker mit nach Siebenbürgen),
ferner durch gelegte grosse Brände in Berencs und Szobotist,
dann während der Revolution Georg Räköczy’s I.
im Jahre 1643, dann zwei Jahre später durch die
Ichweden unter dem General Dürstenstein, nachher
xieder durch die Slovaken, welche ihnen ihre während
Jes Krieges verborgenen Schätze raubten und schliesslich
durch die Türken erlitten. Während der ersten Türkenınvasion
waren viele Anabaptistenbrüder als Gefangene
"ortgeschleppt worden. Eine am 6. April 1665 in
3zobotist abgehaltene Versammlung von 10 Gemeinden
eschloss, den gefangenen Brüdern Hilfe zu bringen.
Is begab sich eine Deputation mit Geschenken zum
‚ürkischen Pascha nach Ofen, welcher über deren Bitte
lie gefangenen Brüder freigab. Ein hierauf bezügliches
Schreiben des Pascha in arabischer Sprache wird heute
noch durch die „Habaner“ in Gross-Schützen als Anlenken
aufbewahrt. Die erwähnte Versammlung ent-;endete
ausserdem noch eine Deputation zu den Glaubens-»rüdern
in Holland, welche in Frisien, Flandern,
Tellanden und Amsterdam freundliche Aufnahme und
“‚eichliche Unterstützung fanden, Das von der Deputation
1ach Hause gebrachte Geld wurde durch die Aeltesten
ın die Gemeinden Szobotist, Broczkö, St. Johann,
äross-Schützen, Dejthe, Gutwasser, Kosolna, Csaskov,
Trencsin, Puchö und Seblahov vertheilt.
Das Meiste hatten die Anabaptisten laut ihren
Shroniken unter Emerich Tököly zu leiden, welcher mit
seinem ungeheuren Heere im Jahre 1678 das Land