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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

— [44]

brochene lateinische Inschriften öfter auf römischen
Gläsern, den sogenannten Diatreta,!) bobachtet worden
Wenn hienach sowohl die Legende als deren Technik
schon von anderen Funden aus dem grossen römischen
Gebiete her bekannt sind, so dürften beide vereint doch
nicht oft auf demselben Gegenstande angetroffen werden,
wie es bei unserer Fibel der Fall ist. Es bleibt dieselbe
 daher immer ein seltenes Fundstück von hohem
Interesse. ?)
Auch die ganze Arbeit an der Fibel zeugt von
grosser Kunst, Herr TELGE in Berlin, bekanntlich der
beste technische Kenner alter Goldfunde, welcher die
grosse Güte hatte, die einzelnen Stücke der Fibel, die
durch den Transport sich etwas abgelöst hatten, kunstgerecht
 zusammenzusetzen und, so weit es anging, zu
säubern, bewunderte die geschickte Verwendung der
verschiedenen Metalle zu einem so wirkungsvollen Schmuck
und die kunstvolle Verbindung der einzelnen Theile
miteinander, wie ich sie oben, wesentlich nach seiner
technischen Prüfung, beschrieben habe.
Allen diesen Herren, die mich durch Rath und That
bei dieser Untersuchung unterstützt haben, sage ich
zugleich im Namen des Musealvereines den besten Dank,
7. Herr Dr. Matthäus Much übersendet eine Mit
theilung über
Schnecken und Muscheln in Gräbern.

LrONEL BONNEME”RE berichtet in den Bulletins deı
Anthropologischen Gesellschaft zu Paris (Jahrg. 1896.
S. 369) über das Vorkommen grösserer Mengen von
Schneckengehäusen (Helix pomatia) in gewissen Gräberarten
 im Departement Maine-et-Loire, welche er in das
Ende der römischen Kaiserzeit und selbst noch in den
Beginn der Merovingerzeit versetzt. Dieses Vorkommens
von Schnecken (Land- und Seeschnecken) in Gräbern
gedenkt indess schon ArRnouLD LocArD in seiner
„Histoire des mollusques dans Vantiquit&“, indem er
berichtet, dass man in den Gräbern der Christen und
Märtyrer Gehäuse der Helix pomatia und Helix aspersa
fände, so z. B. in dem Grabe der heil. Eutropia, in
einem merovingischen Grabe des Kirchhofes von Vicq,
in Gräbern bei Dieppe, und zwar selbst noch in einem
Grabe aus der Zeit Karls des Grossen.
Die ersten Christen, die in so vielfacher Weise
von den Erscheinungen in der Thier- und Pflanzenwelt
zum sinnbildlichen Ausdruck ihrer religiösen Anschauungen
 Gebrauch machten, sahen in der Schnecke, die
sich im Herbste in die Erde eingräbt und mit einem
festen Deckel in ihrem Hause einschliesst, um im
kommenden Frühlinge zu neuem Leben zu erwachen.

1) Vgl. Hüönner, Aem. Exempl. seriptur. epigraph. latin. L
?) Im Museum zu Innsbruck legte mir Herr Professor v.
Wısser gütigst eine ganze Reihe von Funden mit römischen
Inschriften vor — indessen waren dieselben nur eingeritzt
und lauteten stets vive felix oder vivas felix oder ähnlich
— Auch auf Fabriksstempeln kommt das Wort felix oft vor.
aber in anderer Verbindung und Technik; auch die Auf
schriften auf Thongefässen von Hallstatt und vom Rhein
welche v. HocsstEerTtER in diesen Mittheilungen, VII, S. 317
erwähnt, lanten sämmtlich anders und sind nur eingeritzt.

las Sinnbild der einstigen Auferstehung des Menschen,
ler so wie die Schnecke in einem dem Hause nachgebildeten
 Stein- oder Holzsarge in der Erde bestattet
wird, um einem neuen Leben entgegen zu sehen. Es
wurde übrigens festgestellt, dass die Gepflogenheit,
Schnecken in die Gräber mitzugeben, auch in heidnischer
 Zeit vorkomme; insbesondere fanden sich viele
Schneckenreste in römischen Gräberstätten in Pompeji.
Diesen Erscheinungen kann ich mehrere gleichartige
Vorkommnisse an die Seite stellen. So sah ich zu
Stillfried an der March in Niederösterreich zwei
durch die Anlage eines kleinen Gemüsegärtchens an
dem Hohlwege, der von der vereinsamten Kirche auf
der Stätte der vorgeschichtlichen Ansiedelung zum
heutigen Orte hinabführt, blossgelegte Gruben, die
riele Hunderte von Schneckengehäusen, aber ausser
Tolzmoder nichts weiter enthielten. Es handelt sich
hier wahrscheinlich ebenfalls um Gräber, deren so
viele auf allen Seiten der alten Ansiedelung vorkommen,
7on denen allerdings nur mehr die letzten Ueberbleibsel
 vorhanden waren, da möglicherweise die
menschlichen Reste schon bei der Abgrabung entfernt
worden sind und andererseits nicht zu erklären ist,
was dazu bewogen haben könnte, so viele Schnecken
zu sammeln, blos deshalb, um sie hier in Gruben zu
werfen. Der Holzmoder mag von den Särgen herrühren,
in denen die Bestattung vorgenommen worden ist.
Ausserhalb Eisgrub in Mähren wurden an beiden
Seiten der nach Nikolsburg führenden Strasse durch
lie Arbeiten für das daselbst befindliche Ziegelwerk
zahlreiche Gräber zerstört, von denen mehrere ausser
len menschlichen Resten, worunter auch ganze Skelette
waren, Hunderte von Muschelschalen (Unio) aus der
nahe vorbeifliessenden Thaya nebst Gefässscherben und
Thierknochen enthielten, An einem dieser Gräber habe
‚ch selbst eine überraschend grosse Zahl von Muschelschalen
 beobachtet, Gehören die mit den Schneckenzehäusen
 erfüllten Gräber von Stillfried muthmasslich
ler christlichen Aera an, so fallen dagegen die
Muschelschalengräber von Eisgrub zufolge der Art der
zahlreichen Gefässreste und einer mitgefundenen Bronzenadel
 in den ersten Abschnitt der Hallstattzeit.
Gleichartige Muschelschalengräber zeigen sich
nnerhalb der bis in die jüngere Steinzeit zurück-“eichenden
 Ansiedelung von Wutzelburg bei Still-'ried,
 Hier findet man auf der nun unter dem Pfluge
stehenden Fläche der einstigen Ansiedelung hie und da
nehr oder weniger runde weisse Flecken von 2—4 m
Jurchmesser, die mit Bruchstücken von Unioschalen
ibersäet sind. Diese Schalen wurden durch die Pflugschar
 aus dem Untergrunde aufgeworfen und aus-»inander
 gezogen. Ich liess an einer dieser Stellen
jefer graben, wobei sich ergab, dass mindestens
L000 Muschelschalen in die 1—1!/, m breite Grube
zeworfen worden sein mussten, Sie lagen, schichten weise
mit Erde abwechselnd, dicht beisammen ; viele von ihnen
sind sicher noch geschlossen gewesen. Am Grunde
fanden sich einige Topfscherben und ein halbes,
mit einem Henkel versehenes Töpfchen, welche die
zleiche Zeitstellung wie die der Gräber in Eisgrub
            
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