39]
in Wort und Bild zur Darstellung bringen soll, Es
wurden daher drei gesonderte Comit6s' eingesetzt, eines
für Deutschland, eines für Oesterreich unter der Leitung
des österreichischen Ingenieur- und Architektenvereines
und eines für die Schweiz unter jener des Züricher
Hauptverbandes der Schweizer Ingenieure und Architekten,
Hauptversammlungen aller drei Gruppen fanden bisher
statt im Jahre 1895 in Garmisch und im August 1896 in
Berlin. Im September 1897 soll eine solche Versammlung
in Wien stattfinden, Auf derselben wird über alle bisher
gemachten Vorarbeiten in Oesterreich referirt und verhandelt
werden. Den ethnographischen Gesichtspunkten
soll dabei thunlichste Berücksichtigung zutheil werden.
Das k. k. Ackerbauministerium hat im Vorjahre
zine Subvention von fl. 500 für die Vorarbeiten bewilligt.
Der Minister für Cultus und Unterricht hat
ein Circular an alle unter seiner Verwaltung stehenden
Lehranstalten, Sammlungen und Bibliotheken erlassen,
in dem er die Vorstände beauftragt, sämmtliches Material,
welches sich in denselben befindet und Bezug
auf die Hausforschung nimmt, dem Comite unbedingt
zur Verfügung zu stellen. Dadurch sind dem Comite
schon eine Anzahl werthvoller Mitarbeiter, namentlich
aus der Reihe der Gewerbeschulprofessoren, zugewachsen,
Zur Hausforschung gehört jedoch die Flurforschung.
Je offenkundiger es sich herausstellt,
dass das mitteleuropäische Bauernhaus mit seinem
Hausrathe für sich allein betrachtet nicht als Signatur
dienen kann für die Beurtheilung der ethnischen Stellung
seines Erbauers, desto berechtigter erscheint der
Versuch, die alten Flureintheilungen auf ihre ethnographische
und historische Bedeutung zu prüfen und
dadurch der Hausforschung eine fast unentbehrliche
Unterlage zu verschaffen, Dieser Versuch wird aber
angesichts der bedeutsamen Erfolge der Arbeiten von
Avaust MuErmtzEn geradezu zur ernsten Pflicht. Unser
verehrter Vicepräsident, Herr v. INAMA-STERNEGG, hat
uns diese Verpflichtung seit Jahren eindringlich bei
verschiedenen Anlässen an’s Herz gelegt. Sie finden in
den Sitzungsberichten des verflossenen Jahres einen
Vortrag des Herrn v, INAMmA in unserer ausserordentlichen
Versammlung am 28. April 1896, in welchem
einige interessante Flurformen unter Heranziehung von
urkundlichen Behelfen ethnographisch verwerthet werden,
Er ist ausserdem an die Gesellschaft mit positiven
Vorschlägen herangetreten, welche eine erfolgreiche
Angriffnahme der Flurforschung selbst mit den bescheidenen
uns hiefür zu Gebote stehenden Mitteln
in sichere Aussicht stellen, und hat uns in der Person
des Herrn PrıskKEr, einem Schüler von MeEITzEN, einen
sachkundigen Mitarbeiter zugeführt. Alle weiteren
Schritte zur Sicherung des Materiales, welche hauptsächlich
von dem Wohlwollen der Behörden abhängt,
werden von der kürzlich von uns eingesetzten „Commission
für Haus- und Flurforschung“ unter der speciellen
Leitung des geistigen Urhebers dieses neuen
Gebietes unserer Thätigkeit ausgehen,
Herr v. INnAMA-STERNEGG hat sich vielfach um die
Ausfüllung einer anderen Lücke in unseren wissenschaftlichen
Bestrehungen bemüht, Die in Deutschland
nit unbestreitbarem Erfolge auftretende „Vergleichende
Zechts- und Staatswissenschaft“ auf ethnologischer
jrundlage ist in Oesterreich seit DARGUN’s Ableben
ıicht mehr vertreten, Wenn wir auch dermalen keinen
Zrfolg zu verzeichnen haben, werden wir in unseren
Bemühungen nicht erlahmen.
Wenn es der Anthropologischen Gesellschaft mögich
ist, in der besprochenen Weise anregend und
'ördernd auf die Arbeiten in unseren Diseiplinen einzuwirken,
verdankt sie dies nur der ungeschwächten
"heilnahme von hochherzigen Förderern unserer Richung.
Wie in den früheren Jahren, ist uns auch für
1896 von Seiten Sr. apostolischen Majestät des Kaisers
zusser der systemisirten jährlichen Unterstützung ein
zusserordentlicher Beitrag von fl, 1000 zutheil geworden,
Wir sprechen hiefür unseren ehrfurchtsvollsten
Dank aus. Zu tiefem Danke verpflichtet uns das Wohlwollen,
welches Se. Excellenz BARON CHERTEK Unseren
Bemühungen bisher geschenkt hat. Das k, k. Unter-‚ichtsministerium
hat für 1896 eine ausnahmsweise
a3rhöhte Dotation von fl. 600 gewährt. Die verständnissvolle
und wohlwollende Würdigung unserer Bedürfnisse,
welche Se, Excellenz FREIHERR V. GAUTSCH uns
ei allen Anlässen kundgibt, bietet uns einen sicheren
Zückhalt auch für die Zukunft. Wir haben noch ausser-)rdentliche
Beiträge unter dem Ausdrucke wärmsten
Jankes zu verzeichnen: von Sr, Durchlaucht dem
regierenden FÜRSTEN JOHANN VON UND ZU LIECHTENSTEIN
A. 100, Herrn App. BAchHorEN v. EchrT fl. 50, WuAD.
GRAFEN DziEeDuszyorı fl. 25, K. GRAFEN LANCKORONSKY
a. 25, Herrn H. MATToxı fl. 15, Herrn Jon, Presı fl, 50,
NAaTH, FREIHERRN V. RoruscHILD fl. 50, Pam, RırrEer
v. ScHÖLLER fl. 50, Herrn Jos. SepDERL fl. 10.
Ueber die Verwendung dieser Gelder enthält der
olgende Rechenschaftsbericht die nöthigen Angaben.
Ich schliesse meinen Bericht mit dem Wunsche,
Jass im laufenden Jahre unsere Thätigkeit eine glück-‘iche
sei und dass es uns gegönnt sein möge, die uns
yeschenkten Sympathien durch wissenschaftliche Erfolge
zu rechtfertigen.
2. Herr Cassier KARL FREIHERR V. SCHLOSSER er-;tattet
sodann den Rechenschaftsbericht für das Jahr
1896. (Siehe nächste Seite.)
Nachdem gegen diesen Rechenschaftsbericht von
jen Anwesenden keine Einwendung erhoben wird, erscheint.
derselbe von der Jahres-Versammlung. ge.
1ehmigt.
3. Nach Vorschlag des Ausschusses wurden mit
Stimmeneinhelligkeit gewählt: der bisherige Präsident
Ir. FERDINAND FREIHERR V. AÄAnNDRIAN-WERBURG zum
sechsten Male als Vereins-Präsident; die bisherigen
Ausschussräthe Universitäts-Professor Dr. DAvıp Heıx-ICH
MÜLLER und Ministerialrath Professor Dr. EMANUEL
TERRMANN neuerdings als Ausschussräthe; der kaiseriche
Rath und Professor Dr. Pamıirr PAULITSCHKEE als
Zecretär - Stellvertreter und die Herren Oberstabsarzt
Dr. Brucg und Professor Aıoıs RamuxD Hein als
Rechnungscensoren.