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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

m—

37) —

Der Besuch des Museums von Seiten des Publicums
ist auch sehr befriedigend. Im Laufe der verflossenen
7'/; Monate wurde dasselbe von 15.784 Personen besucht,
 von denen 5518 ein Eintrittsgeld erlegten. (Die
Mitglieder der ethnographischen Gesellschaft, die stets
freien Eintritt haben, sowie die Gäste, die als Fachmänner
 das Museum mit ihrem Besuche häufig beehrten,
 nicht gerechnet.)
Als Leiter des Museums fungirt Dr. L. NIEDERLE,
Privatdocent an der böhmischen Universität, als
Assistent Herr J. Jira. Ueber die Sammlung der
Stickereien und Costüme führte die für das Museum
höchst verdiente, durch ihre früheren Arbeiten nicht
nur in ihrer Heimat — Mähren —, sondern in den
weitesten ethnographischen Kreisen bekannte Frau
VıoAasTA HAYvELKA eine specielle und stets sorgsame
Aufsicht,
Aus der Thätigkeit des Musealcuratoriums sei noch
arwähnt, dass das Hauptaugenmerk auf eine Sicherung
des Museums für die Zukunft gerichtet war. Erfolgreiche
Schritte wurden zur Erlangung regelmässiger Subventionen
 unternommen und die weiteren Kreise zur
Unterstützung durch Beiträge und Gaben aufgefordert.
So wurden im Laufe des Jahres 1896 fi. 6617 zusammengebracht.

Der Plan, dem Museum ein bleibendes Heim zu
gründen, wurde weiter ausgearbeitet und die Idee, die
zwei bedeutendsten ethnographischen Sammlungen in
Prag, das NaArrstEexK’sche Museum und das GCechoslavische
 ethnographische Museum, zu einem Institut
zu vereinigen — eine Idee, die gewiss von Seiten aller
Fachmänner begrüsst werden muss — dabei als
leitender Gedanke nie aus den Augen gelassen,
Mit dem, fünften Jahrgange der ethnographischen
Zeitschrift „Cesky Lid“ hat Dr. CexnäK Ziert, Docent
der allgemeinen Culturgeschichte an der böhmischen Universität
 in Prag, deren alleinige Redaction übernommen,
Dieser Jahrgang ist dem Andenken der Prager ethnographischen
 Ausstellung gewidmet. Dr. Cznnx
ZiBRT schildert ausführlich alle Einzelheiten dieser Ausstellung
 und erläutert seine Schilderung durch zahlreiche
 Text- und Vollbilder. In den Publicationen
der böhmischen Akademie der Wissenschaften hat Dr
CEnäK Zisrr die bibliographische Uebersicht
der böhmischen Volkslieder („Bibliograficky
pfehled Geskych närodnich pisni“) herausgegeben. Es
ist ein Compendium alles Wissenswerthen für Jeden,
der sich auf diesem Gebiete orientiren will: Das
gründliche Verzeichniss sämmtlicher einschlägigen
Studien, älterer handschriftlichen Sammlungen, sämmtlicher
 Drucke hböhmischer Liedersammlungen, aller
Uebersetzungen in fremde Sprachen (mit ausgewählten
Proben), das alphabetische Verzeichniss aller Liedereingänge
 mit den Drucknachweisen, In der Abhandlung
über „Das böhmische Bauernhaus“, Prag 1896,
schildern derselbe Verfasser und Frau Ren. TyrsovA
die Volkskunst auf der Jubiläums-Ausstellung
.n Prag im Jahre 1891 (mit vielen Illustrationen).
Die altböhmischen Gebräuche und Aberglauben
 beider Bierbrauerei schildert Dr. ZisrT
Mittheilungen d. Anthrov, Gesellsch. in Wien. Bd. XXVII. 1897. Sitzungsberichte-.

n der Schrift „Starocesk6 obyCeje a povery pivovarsk6“
in den Publicationen der böhmischen königl. Gesellschaft
ler Wissenschaften). Von derselben Gesellschaft wurde
ı1och eine andere Studie desselben Verfassers herauszegeben:
 „Rychtäisk6 prävo, palice, kluka“ (mit sechs
Nustrationen). Es handelt sich in dieser vergleichenden
Monographie um die Verbreitung des Schulzen-;tabes
 bei den europäischen Völkern und um anaogische
 Zeichen des Aufgebotes überhaupt. Für die
Lösung der Frage über die Gregorsaufzüge der
Schuljugend ist die vergleichende Studie „Zäkovsk6
slavnosti na sv, Rehofe“ (Cesky Lid, VI, 12), wieder
ron Dr. CEnkrK Zisrrt, besonders wichtig. Von übrigen
\rbeiten desselben Volkskundigen sei noch die ver-Jleichende
 Märchenstudie „Zvifätka a PetrovsSti“
„Die Räuber und die Hausthiere“) erwähnt
Cesky Lid, VI, 156).
Diesen rühmenswerthen Anstrengungen auf dem
xebiete der GCechischen Ethnographie gegenüber sei
vuch auf die Vorarbeiten hingewiesen, welche die
‚Gesellschaft zur Förderung deutscher Wissenschaft,
Sunst und Literatur in Böhmen“ für eine umfassende
Schilderung des deutschen Volksthums in Böhmen
zetroffen hat, Herr Professor Dr. ADoLr HAUFFEN gibt
n dem sehr lehrreichen Bande I, Heft 1, der von
lieser Gesellschaft herausgegebenen „Beiträge zur
leutschböhmischen Volkskunde, Prag 1896“ neben
iner 184 Nummern umfassenden Bibliographie eine
‚Einführung in die deutschböhmische Volkskunde“,
velche eine Erläuterung und Ergänzung eines von dem
/erfasser verfassten und von der Gesellschaft in mehr
ıls 7000 Stücken versendeten Fragebogens bilden soll.
Jer Erfolg desselben drückt sich schon jetzt in einem
zrossen Einlauf von Beantwortungen aus allen Theilen
Jeutschböhmens aus, welche sehr umfangreich sind
ınd ganze Sammlungen enthalten. Die Verarbeitung dieses
‚ehr reichhaltigen Materiales bleibt Aufgabe der Zukunft.
J)as bereits ausgegebene Heft 2 des Bandes I enthält
‚Volksthümliche Ueberlieferungen aus Teplitz und Umzebung“
 von Professor G. LAvuse. Die nächsten zwei
lefte sollen Volksschauspiele aus dem Böhmerwalde
»ringen, herausgegeben von Professor J. J. AMMANnN.
Professor Jos. KıvAaXA aus Ungarisch - Hradisch
sammelte im Jahre 1896 fleissig unter den Slovaken
ährens volksthümliche Anschauungen, Sentenzen,
zjespräche u. s. w., und zwar im ursprünglichen Wortaute,
 Auch wurden Documente (Testamente, Kaufver-;räge,
 Heiratsacte, alte Gemeinderechnungen, Weinberg-‚echte
 u. s. w.) gesammelt oder abgeschrieben.
Behufs Vervollständigung der KEthnographie der
nährischen Slovaken wurden auch die bis jetzt weniger
tudirten Volksfeierlichkeiten (Austragen des Todes,
Nallfahrten nach Provodov, St. Anton bei Blattnitz, bei
ler Waldcapelle in der Nähe von Malenovitz u. s. w.)
yesucht,
Wegen Vergleichung der nationalen Costüme und
Stickereien in Mähren und Ungarn wurde in den Ferien
lie Pester Ausstellung durchgesehen, sowie auch einige
;ntlegene Comitate Nordungarns (Neusohl mit der be-‚ühmten
 Detva, Hont. Gömör, die Zips). Photographirt
            
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